Lisa

Von Freunden hatten wir schon viel positives über das Geburtshaus gehört und so stand für uns sehr früh fest, dass unser erstes Kind dort auf die Welt kommen soll.
In einer Umgebung, wo unsere Tochter sanft und ohne großen Trubel die ersten Atemzüge nehmen darf.

Als aller erstes möchte ich mich beim gesamten Team des Geburtshauses bedanken – ihr seit
toll! 🙂 Ich hab mich auf jeden Termin bei euch gefreut und habe mich immer rundum wohlgefühlt. Ein ganz großer Dank geht an Edith und Johanna. Edith, ich war so glücklich als du an dem besagten Tag die Tür aufgemacht hast. Und Johanna, dass war die beste Wochenbettbetreuung die ich mir nur wünschen konnte. Haben uns immer sehr über deinen Besuch gefreut.

Zwei Wochen vor dem errechneten Termin wurde meine Neugier und mein Wunsch dich endlich in den Armen zu halten unermesslich groß. Jeden Tag horchte ich mich hinein und nahm jedes Anzeichen, als Zeichen dass du dich bald auf den Weg machst.
Du hast aber die Vollpension bis einen Tag vor dem errechneten Termin für dich in Anspruch genommen.

Da ich keine wirklichen Vorwehen oder Übungswehen hatte, wusste ich auch nicht so richtig wie sich Wehen anfühlen. Aus dem Vorbereitungskurs wusste ich nur, dass es menstruationsähnliche Schmerzen sein können.

Am frühen Morgen des 15.08 um 03:30 Uhr spürte ich auf einmal diesen Schmerz. Ich scherzte noch darüber und sagte lediglich zu meinem Mann, dass ich jetzt glaube zu wissen, wie sich Wehen anfühlen.
Die erste Stunde kamen die Wehen im 10 minütigen Abstand und wurden schnell stärker und der Abstand der Wehen war schnell auf 2-3 Minuten gesunken.
Für meinen Mann war sofort klar, dass unsere Tochter heute auf die Welt kommt. Ich dagegen, glaube da noch nicht so wirklich dran.
Um mir selbst zu beweisen, dass es sich tatsächlich um echte Wehen handelt, stieg ich in die Badewanne. Zu meiner Überraschung wurden die Wehen tatsächlich stärker, so langsam beschlich dann auch mich der Gedanke, dass ich unsere Tochter wohl heute endlich in den Armen halten werde.
Da die Wehen inzwischen ziemlich stark wurden und ich sehr mit dem veratmen beschäftigt war, war auch keine große Zeit für Aufregung.
Um 07:00 Uhr beschloss mein Mann im Geburtshaus anzurufen, ich fand es etwas übertrieben, schließlich bekamen wir unser erstes Kind und das soll ja meistens etwas länger dauern.
Für 09:00 Uhr haben wir uns dann mit Edith im Geburtshaus verabredet. Somit musste ich noch 2 Stunden zu Hause herumkriegen. Mittlerweile hatte ich ein ganz gutes Gespür dafür, wann sich die nächste Wehe ankündigt und so konnte ich mich schon frühzeitig in die für mich beste Position begeben.
Zwischendurch fragte ich mich immer wieder, wo denn eigentlich mein Mann ist. Später erfuhr ich, dass mein Mann noch die Wohnung auf Vordermann gebracht hat, damit alles aufgeräumt und entspannt ist, wenn wir wieder nach Hause kommen. Das war super!

Um halb neun machten wir uns auf den Weg zum Geburtshaus. Der Weg kam mir unendlich lang vor, vor allem haben wir alle roten Ampeln mitgenommen.
Und dann endlich waren wir da und ich freute mich einfach nur, als die Tür vom Geburtshaus aufgemacht wurde und Edith mich anlächelte. Ab diesem Moment wusste ich, dass ich mich jetzt fallen lassen kann.

Edith untersuchte mich als erstes und ich betete, dass die Wehen doch hoffentlich ihre Wirkung gezeigt hatten. Und dann kam die gute Nachricht, der Muttermund war schon 5 cm geöffnet. Da war ich sehr erleichtert.
Den größtenteil der Geburt (jedenfalls kam es mir so vor) verbrachte ich in der Badewanne. Edith und mein Mann saßen beide mir und ich war einfach nur froh, dass ich nicht alleine war und es eine ganz entspannte Atmosphäre war. Die Wehenpause nutze ich immer um ein bisschen die Augen zu schließen und neue Kraft für die nächste Wehe zu sammeln. Zwischendurch kam mir wirklich der Gedanke, dass es ganz schön ruhig ist, aber ich war sehr froh und dankbar, dass mir keine Gespräche aufgezwungen wurden 😀
Ziemlich schnell setzen dann auch schon die Presswehen ein. Innerhalb einer Stunde hatte sich der Muttermund vollständig geöffnet.
Ich hörten von vielen Frauen, dass sie sich über die Presswehen „freuten“, weil sie ab da endlich aktiv mithelfen konnten.
Ich dagegen hatte einfach nur Angst und habe nicht mitgeholfen. Edith sprach mir die ganze Zeit Mut zu, aber leider war meine Angst doch größer. Als Edith dann etwas „strenger“ mir klar machte, dass ich noch genug Kraft habe und mein Becken breit genug ist, traute ich mich langsam mitzupressen. Eine andere Lösung gab es ja auch nicht, dass war mir dann auch bewusst.
Die letzten Wehen verbrachte ich dann im Bett bzw. in der Hocke. Da ich in der Hocke in den Armen meines Mannes war, hatte mein Mann auch den gleichen Blick wie ich, als unsere Tochter auf die Welt kam. Das war für den werdenden Papa sehr schön.
Als ich in die Hocke kam, musste Edith noch meine Fruchtblase anstechen, diese war immernoch nicht geplatzt. Ab dann sollte es auch nicht mehr lange dauern
Nach ungefähr 3 Wehen in der Hocke, fragte ich Edith wie viele es denn noch wären, bis unsere Tochter auf die Welt kommt. Edith meine, dass es schon noch 10 Wehen (ich glaube du hast die Wehenzahl extra etwas höher gesetzt 😉 ) wären. Die Antwort fand ich eher doof, und meine Tochter und ich beschlossen, dass eine Wehe auch ausreichen sollte.
Während ich bei dieser Wehe meine ganz Kraft einsetzte, hörte ich ganz weit entfernt Ediths Stimme: „Hör auf zu pressen, dass Kind kommt.“

Und auf einmal lag unsere Tochter Lisa Malin vor mir. Es war 11:09 Uhr.

Jetzt kommt der Moment, wo der Geburtsbericht ins Stocken gerät, ich finde für diesen unglaublichen Moment einfach nicht die richtigen Worte um zu beschreiben, was ich gefühlt habe.

Leider war die Nabelschnur sehr kurz, so dass ich Lisa nicht direkt hochnehmen konnte. Doch zum Glück, war die Nabelschnur sehr schnell auspulsiert, so dass mein Mann sie durchschneiden konnte. Und zu aller Freude, hatte unsere Lisa eine Glückshaube – mag das Glück dich immer stets begleiten.

Johanna kam leider ein paar Sekunden zu spät, da ich doch etwas schneller war, als gedacht. Trotzdem warst auch du Teil dieses wunderbaren Augenblicks.

Die Nachgeburt lies auch nicht lange auf sich warten und so konnten wir uns sehr schnell zu dritt in das Bett kuscheln und einfach nur den Moment genießen.
Edith und Johanna ließen und alleine und zauberten uns ein perfektes Frühstück.
Ganze 1 1?2 Stunden hatten wir nur für uns. Wir sind sehr dankbar, dass einem diese Zeit im Geburtshaus gegeben wurde. Auch das war einer der Gründe, warum wir unbedingt im Geburtshaus entbinden wollten. Wir waren einfach nur glücklich, unsere Tochter Lisa endlich in den Armen halten zu dürfen und sie einfach nur anzuschauen und zu streicheln.

Nach der ersten gemeinsamen Kuschelzeit wurde Lisa kurz untersucht und der Papa durfte seine Tochter anziehen, während ich duschte.

Dann traten wir den weg nach Hause an – das erste mal zu dritt 🙂

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