Aram Alexander

Aram Alexander

Auch wenn wir leider nicht die erhoffte Bilderbuchgeburt im Geburtshaus erleben durften und eigentlich alles komplett anders kam, als wir es uns vorher vorgestellt hatten, haben wir Arams Geburt insgesamt in sehr guter Erinnerung behalten und sind unendlich dankbar für die wunderbare und ausnahmslos kompetente Unterstützung der Hebammen im Geburtshaus und im Franziskus Hospital. Dieser Bericht soll deshalb allen Schwangeren mögliche Ängste vor einer Verlegung nehmen.

Aber der Reihe nach: Nachdem meine Schwangerschaft von meiner Ärztin bestätigt wurde, vereinbarte ich direkt am Tag darauf einen Termin im Geburtshaus, in dem mittlerweile schon einige Kinder aus unserem Freundeskreis auf die Welt gekommen sind und das uns stets als ein wunderbarer Ort für Geburten beschrieben wurde. Sebastian und ich waren zu dem Zeitpunkt einer Krankenhausgeburt aus vielerlei Gründen sehr skeptisch gegenüber eingestellt und wir freuten uns deshalb sehr über den Termin für ein erstes Kennenlerngespräch und die Aussage, dass die begrenzten Kapazitäten des Geburtshauses für den August noch nicht erschöpft waren. Das erste Treffen im Geburtshaus hatten wir mit Kathi, die später auch die Geburt von Aram begleitete. Es folgten dann viele schöne Vorsorgetermine, die ich abwechselnd bei meiner Ärztin und im Geburtshaus wahrnehmen konnte und nach einer absolut unkomplizierten Schwangerschaft blickte ich schon ab Mitte Juli sehr vorfreudig (= ungeduldig) dem Geburtstermin entgegen, der auf den 26. August berechnet wurde.

Zu Beginn meines Mutterschutzes erkrankte leider meine Mutter schwer und die Wochen bis zum Geburtstermin waren von diversen Krankenhausbesuchen, Arztgesprächen und leider auch von schlaflosen Nächten und Sorgen geprägt, die – so rede ich es mir zumindest ein – vermutlich auch dazu führten, dass unser lieber Aram keine Anstalten machte, vor bzw. zum Geburtstermin auf die Welt zu kommen. Meine Ungeduld (und mein Gewicht) nahmen mit jedem Tag zu und ich bin unendlich dankbar für den Zuspruch und die Geduld von Sebastian, unserer Familien und unserer Freunde, die vermutlich auch sehnlich der Geburt von Aram und dem Ende meiner „Heute kommt er bestimmt“ – Ankündigungen entgegenblickten. Schon am ET+8 hätte ich am liebsten den berühmten Wehencocktail zubereitet, aber Dori und Johanna, bei denen ich noch Vorsorgetermine wahrnahm, rieten mir völlig richtig dazu, zu warten, bis Aram den Startschuss gab. Alle mir bekannten Weheneinleitungstipps zeigten auch bis zum ET+11 keine Wirkung, sodass für den ET+12 schließlich doch ein Termin mit Edith vereinbart war und ich anschließend den Cocktail trinken sollte. Als hätte es Aram geahnt, setzten in der Nacht vor dem Termin leichte aber regelmäßige Wehen ein, sodass Sebastian noch vor dem 11 Uhr-Termin im Geburtshaus entschied, sich für die nächsten drei Monate von der Arbeit in die Elternzeit zu verabschieden und mich ins Geburtshaus zu begleiten. Dort war auch Edith begeistert von dem Startschuss, der nun endlich gefallen war und schickte uns ohne die Anweisung, den Cocktail zu trinken, wieder nach Hause, um zunächst noch auf stärkere Wehen zu warten. Gegen halb sechs am Abend wurden die Wehen dann deutlich intensiver und um halb sieben schaute Kathi, die an dem Abend als erste Hebamme eingeteilt war, bei uns vorbei. Zu dem Zeitpunkt war der Muttermund noch kaum geöffnet. Wir sollten uns zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal melden. Nur eine Stunde später steigerten sich die Wehen deutlich und die Wehenabstände reduzierten sich auf unter eine Minute, sodass Sebastian gegen halb neun noch einmal mit Kathi telefonierte und wir verabredeten uns auf viertel vor zehn im Geburtshaus. Die Zeit bis dahin schien mir wie in Zeitlupe zu vergehen und das regelmäßige Atmen fiel mir schwer, obgleich Sebastian mir immer wieder gut zuredete und mich mit Hilfe des gemeinsamen Atmens daran erinnerte, langsam zu atmen. Im Geburtshaus angekommen nahmen Kathi und Lisa, die an dem Tag ihre erste Geburt begleiten sollte, uns in dem liebevoll vorbereiteten Geburtszimmer in Empfang. Kathi schickte mich direkt in die Badewanne und gab mir ein Zäpfchen, damit ich wieder etwas entspannte und sich die Abstände zwischen den Wehen wieder verlängerten. Erst nach der Geburt recherchierte ich die Risiken des Wehensturms und realisierte, wie kompetent und einfach großartig Kathi und Lisa reagiert hatten und mit ihrer ruhigen Art eine Verlegung zu dem Zeitpunkt verhindern konnten. In der Wanne entspannte ich schließlich so sehr, dass wir gegen Mitternacht einen Spaziergang machen mussten, um die Wehen wieder anzuregen. Der berühmte Weg bergauf zu den Weinstöcken zeigte auch seine Wirkung, allerdings war der Muttermund nach unserer Rückkehr erst 4 cm geöffnet und in der Zwischenzeit hatte

sich eine weitere Geburt angekündigt. Während Sebastian und ich im Geburtszimmer verweilten und auf wieder stärkere Wehen und die weitere Öffnung des Muttermundes warteten, hörten wir nebenan schon das erste Baby schreien. Das erste, denn nur kurze Zeit später kündigte sich eine weitere Frau an. Drei Geburten in einer Nacht hatte es im Geburtshaus seit vielen Jahren nicht gegeben und da es bei uns nicht weiterging und die räumlichen Kapazitäten des Geburtshauses begrenzt sind, schlug Kathi uns vor, noch einmal nach Hause zu fahren, um so auch eine Verlegung ins Krankenhaus weiter hinauszögern. So sehr wir uns für die anderen beiden Familien freuten, so frustrierend war selbstverständlich der Gedanke, nun ohne Kind wieder nach Hause fahren zu müssen und irgendwann später dann noch einmal den kurzen aber mir unter den Wehen als sehr unangenehm wahrgenommen Weg zum Geburtshaus fahren zu müssen.

Kaum wieder Zuhause angekommen konnte Sebastian endlich ein paar Stunden schlafen, während bei mir langsam die Wehenaktivität wieder zunahm. Als um halb acht Kathi anrief und sich nach uns erkundigte, waren die Wehen wieder so stark wie am Abend zuvor und sie entschied, zu uns zu kommen, um mich zu untersuchen. In der Zeit bis zu ihrer Ankunft steigerten sich die Wehen noch einmal deutlich, sodass ich schon zu Sebastian sagte, dass wenn der Muttermund jetzt nicht ausreichend für eine Fahrt ins Geburtshaus geöffnet sei, ich einer Verlegung ins Krankenhaus zustimmen würde. Kathi stellte dann leider tatsächlich nur eine 6cm-Öffnung des Muttermunds fest, der mittlerweile zudem geschwollen war und empfahl die Verlegung, da ihrer Einschätzung nach eine natürliche Geburt noch bis zum Nachmittag andauern würde und ihres Erachtens es nun an der Zeit für Schmerzmittel war. Gesagt getan: Damit ich schnell im Kreissaal des Franziskus Hospitals aufgenommen werden konnte, rief Kathi noch von uns zu Hause aus dort an, packte mich schließlich in ihr Auto und begleitete mich zum Kreissaal, während Sebastian, der hinter uns herfuhr, an der Anmeldung die Formalia erledigte. Im Kreissaal angekommen, unterstützte Kathi noch die Hebamme beim Anlegen des CTG, wartete, bis Sebastian bei uns eintraf und sprach uns nochmal Mut zu. Vielen Dank noch einmal dafür, liebe Kathi – dein Engagement war wirklich großartig!

Im Kreissaal ging es dann recht schnell: Nachdem weder Lachgas noch der Wehenhemmer eine schmerzlindernde Wirkung zeigten, riet der behandelnde Arzt mir zur PDA. Ich, die vor Arams Geburt noch der Ansicht war, dass ich nicht besonders schmerzempfindlich bin und deshalb bestimmt keine Medikamente oder gar eine PDA benötigen werden würde, sagte sofort ja und las mir nicht mal mehr den Aufklärungsbogen durch. Bis die PDA gelegt wurde, dauerte es zwar nochmal eineinhalb Stunden, aber die PDA zeigte dann schließlich sofort ihre schmerzbefreiende Wirkung. Nachdem ich dazu aufgefordert wurde, nun erst einmal etwas zu schlafen, schickte ich Sebastian nach Hause, damit er auch noch etwas essen, schlafen und duschen konnte, bevor es dann wieder richtig losgehen sollte. Nur eine Stunde später fand die Entspannung allerdings ein abruptes Ende: Eine Hebamme stürmte in den Kreissaal und bat um mein Einverständnis, Blut aus dem Kopf unseres Babys entnehmen zu dürfen, da sich dessen Werte deutlich verschlechtert hatten. Umgehend nach der Blutentnahme kehrte die Hebamme mit einer weiteren und dem Arzt zurück und eröffnete mir, dass ein Notkaiserschnitt erfolgen müsse, da die Sauerstoffwerte von Aram eine weitere Verzögerung der Geburt nicht zulassen würden. Ich durfte noch kurz Sebastian anrufen und ihm mitteilen, dass Aram nun geboren werden würde, dann wurde ich über die Versorgungsfahrstühle in den OP gefahren – voller Sorge, dass sich nun meine schlimmste Befürchtung erfüllen würde und wir unser Baby verlieren würden. Der Arzt sprach mir zwar netterweise noch gut zu und versuchte mir diese Sorge zu nehmen, der Anblick eines mehrköpfigen OP-Teams und die schnell verabreichte Vollnarkose bewirkten jedoch das Gegenteil. In der Zwischenzeit traf Sebastian auch wieder im Krankenhaus ein, wartete vor dem Kreissaal, ergoogelte noch schnell die Dauer eines Kaiserschnitts (ca. 20 Minuten) als schließlich unsere Hebamme mit einem Bündel Tücher auf dem Arm an ihm vorbeiging. Als er sie ansprach, um sich nach mir zu erkundigen, erwiderte sie, „Ach, Sie sind ja der Mann, oder? Hier, das ist Ihr Sohn“, und drückte ihm unseren Aram in den Arm. Als ich schließlich eine halbe Stunde später wieder auf die Station gebracht und in ein Zimmer gefahren wurde, wartete Sebastian bereits mit Aram an seiner Brust auf mich. Unendlich glücklich genießen wir seitdem jede Minute mit unserem Baby, der nächste Woche bereits vier Monate alt wird

und sind dankbar für die wunderbare und kompetente Versorgung im Geburtshaus und im Krankenhaus, dank der unser Aram kern gesund auf die Welt gekommen ist.

 

Nila

 

 

Eigentlich begann alles am 28.09.2018, eine Woche vorm ET:

Am späten Nachmittag war ich beim Ballett und scherzte mit der Ballettlehrerin, dass die Kleine sicherlich noch lange drinbleiben wird. Ich sprang Grand Jetés, drehte (dank Bauch) schwungvolle Pirouetten und fuhr anschließend erschöpft aber glücklich mit dem Fahrrad nach Hause.

 

Wir hatten abends noch Besuch, währenddessen drückte sich das Baby immer wieder unangenehm raus – im Nachhinein frage ich mich, ob das nicht schon erste Wehen waren?

Die Nacht war dann anstrengend, ich habe kaum ein Auge zugemacht. Es zog und drückte, klassische Senkwehen, dachte ich.

 

29.09.2018: morgens sind wir spazieren gewesen, das ziehen im UL war noch da, aber nach wie vor dachte ich mir nichts dabei, immerhin war ich auch da noch fest davon überzeugt, dass die Geburt noch einige Tage auf sich warten lassen wird.

Wieder zuhause hat mein Partner mich ins Bett geschickt, da ich aufgrund der Nacht recht erschöpft war. Aber das Ziehen wurde nicht besser.

 

Also bin ich zur Entspannung in die Wanne und habe aus Neugierde eine Wehen-App runtergeladen. Dachte ich übe mal für den Ernstfall. Immer wenn das Baby sich „rausdrückte“ und es in Folge dessen im UL zog, habe ich auf „Start“ gedrückt und auf „Stopp“, wenn der Bauch wieder normaler aussah und das Ziehen aufhörte.

Laut App wiederholte sich dieses Spiel alle 5-6 Minuten und dauerte so 45 Sekunden an. Huch? Könnten das…? Google angeschmissen, allgemeiner Tenor: „Echte Geburtswehen erkennt man sofort, die tuen unglaublich weh.“

Ne, das sind dann wohl keine Geburtswehen.

 

Gegen 16 Uhr, dieses Ziehen kam nach wie vor alle 5 Minuten und wird auch in der Wanne nicht weniger. Das ließ mich wieder stutzen, ich rief also meine Schwester an, habe ihr beschreiben, was passierte und wie es sich anfühlte. Ihr Fazit: „das sind Geburtswehen“. Erste Reaktion meinerseits: „Aber ich habe heute keine Zeit!“

Ich habe entschieden, dass das sicherlich ein Fehlalarm ist und habe einfach in der Wanne weitergechillt.

 

Nach der Wanne informierte ich aber doch meinen Partner, dass es „ganz ganz vielleicht, aber eher nicht“ heute losgeht und ich nun einen Kuchen backe, wie für den Tag der Geburt geplant.

 

Als der Kuchen um 18 Uhr im Backofen war, hatte ich das Bedürfnis, im Geburtshaus anzurufen. Mittlerweile waren die Wehen etwas stärker und ich musste mich unterdessen vermehrt auf meine Atmung konzentrieren. Fand sie aber ansonsten gut auszuhalten und nicht wirklich schmerzhaft, weswegen ich weiterhin skeptisch war.

Am Telefon war Johanna, ich hatte während des Gesprächs eine Wehe und ihr detailliert geschildert, wie sich diese anfühlt und wie sie aussieht.

Sie bestätigte, dass das wohl Geburtswehen sind, aber ich solle mich noch etwas gedulden. Da ich problemlos unter einer Wehe reden kann und diese meist unter 1 Minute andauern, wird das wohl noch dauern. Wir machen ab, dass ich erstmal zuhause bleibe und darauf warte, dass die Wehen intensiver werden.

 

Um 19:45 Uhr rief ich erneut Johanna an, da die Wehen nun schon 90 Sekunden andauerten und reden während einer Wehe nicht mehr ging, zu sehr musste ich mich auf die Atmung konzentrieren. Auch sonst war ich immer weniger ansprechbar und sehr in meiner eigenen Welt.

Johanna schickte mich in die Wanne und wenn ich meine, danach will ich los, soll ich anrufen und sie macht sich auf den Weg.

Also Wannensession Nr. 2. Verglichen zur Ersten war diese deutlich unangenehmer: sitzen ist doof und der Wannenboden hart.

Was ich gruselig und faszinierend zugleich fand: in den Wehenpausen hat das Baby sich regelmäßig bewegt, dann blubberte es untenrum. Ich schlussfolgerte, dass der Muttermund wohl mittlerweile ein Stück weit geöffnet ist.

 

Um 20:30 Uhr bin ich raus, mein Partner half mir beim Anziehen. Nochmal auf Klo, dort geht der Schleimpfropf blutig ab. Ich rufe ein letztes Mal Johanna an und gebe Bescheid, dass wir gleich losfahren. Immerhin haben wir auch noch eine weitere Strecke vor uns.

 

Es war im Auto, vermutlich so um 21:20-21:30 Uhr, als die Wehen plötzlich merkwürdig wurden.

Während einer Wehe krampfte sich alles zusammen. Das war so eine Urgewalt und ich habe ziemlich merkwürdige Geräusche von mir gegeben. Da ich bis dato unter Wehen keinen Pieps von mir gegeben hatte, war mein Partner etwas erschrocken und wollte erstmal rechts ranfahren. Aber ich wollte auf schnellsten Wege ins Geburtshaus. Vielleicht war es das „der Druck nach unten“, von dem Johanna am Telefon sprach? Denn nun drückte es tatsächlich.

 

21:40 Uhr: wir sind endlich am Geburtshaus angekommen. Mein Partner hat mich zur Tür gebracht, wo Johanna mich entgegennahm. Das Geburtszimmer war schön dunkel und ich fühlte mich sofort wohl, ließ mir von Johanna die Schuhe ausziehen (der Bauch…) und wurde dann auf Klo geschickt: zum Entleeren „so gut es geht“.

Diese krampfartigen Wehen waren in der Zwischenzeit Wehen gewichen, die sich eher anfühlten, als müsste ich dringend auf Klo. Ich dachte mir aber nichts weiter dabei, fand es eigentlich sogar ganz praktisch, dabei auf Klo zu sitzen. Nach 4 Wehen, in denen nix kam, habe ich das mit dem „Entleeren“ aufgegeben.

 

Nun war es etwa 21:55 Uhr. Kaum runter vom Klo fühlte es sich plötzlich komisch an zwischen den Beinen. Ich lief breitbeinig zu Johanna, die kurz die Herztöne und den Muttermund überprüfen wollte.

Wir warteten eine sich gerade anbahnende Wehe ab. Ich stemmte die Hände in die Hüfte (als eine Art Gegendruck) und konzentrierte mich auf meine Atmung.

Als die Wehe vorbei war, wurde dann nach dem Herz gehört, es wummerte ordentlich, laut Johanna „alles bestens“. Die nächste Wehe kam und ging, ich zog zügig die Hose aus und legte mich aufs Bett zur Muttermund-Kontrolle, viel Zeit war ja nicht zwischen den Wehen.

 

Johanna vermeldete ein erstauntes: „Du bist vollständig eröffnet“ – und das, was ich da spüre, ist die Fruchtblase!

Edith, die als Back-Up-Hebamme im Dienst war, wird Bescheid gegeben, dass sie sich am besten sofort auf den Weg machen sollte.

 

Und dann sagte Johanna allen Ernstes zu mir: „Wenn du willst, kannst du bei der nächsten Wehe versuchen mitzupressen“. Damit hatte ich nicht gerechnet, wartete ich doch immer noch auf die schmerzhaften Geburtswehen, von denen immer alle sprechen.

Folien wurden auf den Boden ausgelegt, mein Partner angewiesen sich auf den Rand des Bettes zu setzen und ich davor in eine tiefe Hocke. Überrumpelt wie ich war, ließ die nächste Wehe auf sich warten.

 

Als diese dann endlich einsetzte, konzentrierte ich mich darauf, „richtig“ zu atmen. Tief nach unten, wie ich es vorher mithilfe von YouTube-Videos geübt hatte.

Und dann war der Kopf schon halb da. Die Fruchtblase war immer noch intakt, also hat Johanna diese manuell geöffnet.

„Sie hat ganz viele Haare!“ sagte sie und ich dachte„die verarscht mich doch“ 😀

Auch wurde ich gefragt, ob ich das Köpfchen anfassen mag, aber ich verneinte. Keine Zeit, ich musste mich konzentrieren!

Nächste Wehe, und wieder tief nach unten atmen. Und dann machte es plöpp und der Kopf hing zwischen meinen Beinen. Ein Mix aus Erleichterung und Begeisterung erfasste mich.

Auch sah ich nun die Haare. Johanna hatte nicht gelogen, da waren wirklich ganz viele dunkle Haare.

Noch eine Wehe, noch einmal tief nach unten atmen und dann machte es schwupp und ein kleines, winziges Baby lag schreiend vor mir. Es war 22:11 Uhr. Dreißig Minuten nach der Ankunft im Geburtshaus war unsere kleine Nila geboren.

 

Ich heulte, wie ich im Leben noch nicht geheult hatte.

Man bekommt es vorher erzählt, aber dieses Gefühl, diese Überwältigung, das war der Wahnsinn.

Sie war sooo perfekt und sooo süß! Und sie war putzmunter.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus, streichelte sie ganz vorsichtig und redete meine ersten Worte „Es ist wirklich ein Mensch!“

 

Nach auspulsieren und abnabeln wurden wir aufs Bett verfrachtet und durften nun ganz in Ruhe zu dritt kuscheln. Es war wirklich idyllisch.

Edith kam zwischenzeitlich, etwas zu spät 😉

 

Die Plazenta kam eine halbe Stunde später nach zwei weiteren Wehen.

Kleiner Wermutstropfen: da die Geburt am Ende so rasant ging, habe ich leider mehrere Risse davongetragen und musste genäht werden. Auch war mein Kreislauf zwischenzeitlich ganz schön im Keller, da spürte ich dann erstmals, was eine Arbeit mein Körper an diesem Tag geleistet hatte.

Die U1 wurde von Edith und dem frischgebackenen Papa durchgeführt, dann gab es noch eine Stärkung mit Brot, Joghurt und Obst, während Nila das erste Mal gestillt hat. Als mein Kreislauf wieder stabiler war konnten wir nach Hause.

 

Nun sind fast 8 Wochen rum, wir sind schwer verliebt in unsere kleine, perfekte Tochter und ich denke immer wieder gerne an diese Traumgeburt zurück. Auch wenn ich gedacht hatte, ich würde unter der Geburt mehr Zeit im Geburtshaus verbringen, war es doch perfekt wie es war. Besonders schön ist es, dass mit Johanna die Hebamme die Geburt durchführte, bei der ich den ersten Termin während der Schwangerschaft im Geburtshaus hatte. So wurde der Kreis geschlossen 🙂

 

 

Piet

Geburtsbericht Piet 19.09.18

 

Am 19.09.2018 ist unser Sohn Piet etwas überraschend und rasant in unsere Familie geboren. Er hat unsere Herzen im Sturm erobert und macht uns als Familie komplett.

 

Da unsere Tochter schon vor drei Jahren im Geburtshaus das Licht der Welt erblickt hat, war für uns völlig klar, auch dieses Kind wird im Geburtshaus geboren. Wir haben uns früh angemeldet und es folgte eine völlig komplikationslose und entspannte Schwangerschaft. Ich hatte früh einen besonderen „Draht“ zu meinem Kind und habe zu meinem Freund gesagt:

– „Das wird ein besonders cooler Typ!“

Der errechnete Geburtstermin war der 05.10.2018. Mein Gefühl sagte mir allerdings, dass unser Sohn ein bisschen früher kommt und ich hätte schwören können, die Geburt beginnt mit einem Blasensprung.

Am 19.09. wachte ich morgens mit einem Blasensprung auf.

Also war klar: Es geht los!

Ich habe im Geburtshaus angerufen und hatte Sabine am Apparat. Mit ihr habe ich das weitere Vorgehen besprochen und wir haben verabredet, dass ich mich melde, wenn sich regelmäßige Wehen einstellen. Unsere Tochter haben wir für den restlichen Tag und die kommende Nacht bei der Oma einquartiert.

Mir war ganz wichtig, so lange wie möglich entspannt zu bleiben, um nicht zu sehr in den Schmerzkreislauf zu kommen.

Unser Credo lautete also: Wir machen uns einen richtig schönen Tag!

 

Gegen 11Uhr hatte ich leichte, aber regelmäßige Wehen und ich habe Sabine erneut angerufen und wir beschlossen, dass wir uns im Geburtshaus verabreden wenn die Wehen schön knackig kommen. In den nächsten Stunden hat die Wehenintensität zugenommen und gegen 15Uhr beschlossen mein Freund und ich, dass wir uns nun langsam auf den Weg ins Geburtshaus machen können. Wir riefen Sabine an und verabredeten uns in ca einer Stunde.

Die nächste Wehe überrollte mich mit so einer Kraft und Intensität, dass mir sofort klar war: Das schaffen wir nicht mehr.

Nicht nur, weil ich mir nicht mehr vorstellen konnte im Auto zu sitzen, sondern auch weil ich fürchtete die Fahrt, könnte mit die Gelassenheit nehmen.

Von jetzt auf gleich konnte ich nicht mehr stehen und nicht mehr telefonieren. Ich bin im Vierfüsslerstand auf das Sofa und bat meinen Freund, Sabine erneut anzurufen. Der teilte nun etwas verunsichert mit, dass sie kommen müsse und sich die Pläne geändert haben.

Also eine Hausgeburt – Ungeplant – wir hatten nichts vorbereitet, keine Unterlagen, keine Tücher – gar nichts – nur die innere Haltung mich durch nichts auf der Ruhe bringen zu lassen. Da ich wusste, dass wir es bei einer Geburt mit allerlei Körperflüssigkeiten zu tun kriegen, fühlte ich mich auf dem Sofa nicht mehr wohl und forderte meinen Freund auf, mir eine Badewanne einlaufen zu lassen. Mit Müh und Not und Unterstützung konnte ich meinen Platz vom Sofa zur Badewanne wechseln. Hier wollte ich mein Kind zur Welt bringen.

Mein Freund telefonierte zwischendurch mit Sabine und flehte mich an, auf Sabine zu warten. Das war gar nicht soo leicht, aber um 16:30Uhr stand Sabine im Badezimmer und wir waren heilfroh für die warmherzige und kompetente Unterstützung. Nach einer kurzen Untersuchung war klar, dass der Muttermund eröffnet ist. Sabine machte mir Mut, lobte mich und sagte ich könne auf meinen Körper  und meine Intuition hören und mitschieben, wenn ich das Bedürfnis  habe.

Unter ihrer Anleitung, konnte ich ganz sanft und vorsichtig das Köpfchen in mehreren Wehen raus schieben und der Körper flutschte in der nächsten Wehe hinterher. Dann bellte der Hund, Lisa die zweite Hebamme klingelte an der Tür und ich hörte zum ersten Mal die Stimme unseres Sohnes.

Was für ein großartiger Moment!!!

Und dann konnten wir ihn endlich kennen lernen, diesen coolen Typen, der uns diese wunderbar ungeplante Traum-Hausgeburt beschert hat.

 

Vielen Dank liebe Hebammen vom Geburtshaus Bielefeld, dass ich mit euch meine Kinder zur Welt bringen durfte! Ihr macht einen großartigen Job!

Die schnelle Luzie!

Wechselbad der Gefühle – Luzie

 

Hier mein Geburtsbericht zu meiner Schwangerschaft mit schrecklichem Anfang und einem unvergesslichem Ende ohne jeden Schrecken im Geburtshaus.

 

Schwangerschaft

 

Irgendwann hielt ich entgegen jeder Prognose einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Die Freude war riesig, weil wir eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatten. Unsere Tochter Ronja (https://www.geburtshaus-bielefeld.de/ronja/) würde also doch nicht alleine groß werden.

 

Wir warteten also erstmal ein paar Wochen ab… Bei der ersten Ultraschalluntersuchung konnte man dann schon ein kleines Herz schlagen sehen. Nachdem ich leider beim Gynäkologen nicht mein Kreuz bei „Recht auf Unwissenheit“ gemacht habe, begannen dann die Untersuchungen. Gut, ich bin mit meinen 38 Jahren nicht mehr wirklich jung. Was allerdings dann losging, damit hätte ich in meinen gruseligsten Träumen nicht gerechnet.

 

Wir entschieden uns für ein Ersttrimesterscreening. Dabei konnte beim dazugehörigen Ultraschall kein Nasenbein gefunden werden und die Nackenfalte war etwas zu dick. Alles „Verdachtsmomente“ auf Trisomie. Der Gyn sagte zu uns „ Er wäre sich nicht sicher“ Das ist so ein Satz, den ich echt niemandem in seinem Leben je wünsche. Nach weiteren Untersuchungen und Wochen, in denen wir zu Hause über Statistiken und die Frage „Welches Leben lebenswert ist“ diskutierten, war dann irgendwann nach weiteren Untersuchungen klar: Das Baby ist gesund, alles falscher Alarm. Das war aber erst nach ungefähr der Hälfte der Schwangerschaft klar. Danach konnten wir endlich wieder schlafen. Es waren furchtbare Wochen gewesen: einerseits die riesige Freude und dann ein Dämpfer nach dem nächsten. Wider Erwarten erreichten wir ohne weitere Probleme den errechneten Entbindungstermin, den 20.10.2018.

 

Alles stand auf „Go“…

Jedoch tat sich nichts ;-)…

 

Geburtsbericht

 

Wir erreichen also ET+6:

Alles in Ordnung, aber keine einzige Wehe.

 

Bei ET+11 würde mein Gyn die Notbremse ziehen und im Krankenhaus einleiten wollen.

Das wollte ich auf gar keinen Fall.

 

Bei ET+10 bekam ich von das Rezept für den Wehencocktail. Ein letzter Versuch, um „Sie“ oder „Ihn“ – das Geschlecht des Babys war uns nämlich unbekannt – aus meinem Bauch zu kitzeln. Gesagt, getan. Nachdem Lisa alles kontrolliert hatte und auch das CTG in Ordnung war, fuhr ich nach Hause. Vorher besorgte ich auf dem Rückweg noch schnell die Zutaten für den speziellen „Cocktail“. Für mich fühlte es sich nicht so an, als würde an diesem Tag noch etwas passieren 😉

 

Ich trank also zu Hause die erste Portion und legte mich noch eine Stunde ins Bett. Es passierte nichts. Ich trank eine weitere Portion und stieg in die Wanne. Es gab vereinzelt einige Magenkrämpfe oder vielleicht auch Wehen? Das wusste ich nicht so genau. Mein Mann kam nach Hause, um unsere Tochter aus der Kita zu holen und um auf mich aufzupassen. Er war auch eher skeptisch, ob etwas passieren würde. Inzwischen waren wir überzeugt, dass das Baby auf den November warten wollte. Ich trank die letzte Portion vom Cocktail und tigerte unruhig durch das Haus. Da waren Schmerzen, könnten aber auch Magenkrämpfe sein. Ich rief die erste Hebamme Lisa an. Sie sagte mir, dass beim zweiten Kind die Wehen nicht mehr so regelmäßig sein müssen. Ich solle mir mal so eine Wehen-App runterladen und die Schmerzen aufzeichnen. Die App berechnete nach 5 Wehen, dass ich mich ins Krankenhaus bewegen sollte. (Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie nicht 4000€ ein.) Ich lachte und fragte mich noch, wer so einen Quatsch programmiert und drückte die Meldung weg. Irgendwann zeichnete ich nichts mehr auf, weil die Schmerzen immer schlimmer wurden. Erneut rief ich vielleicht so gegen 14 Uhr Lisa an. Wir verabredeten uns zu 16 Uhr im Geburtshaus. Ich rechnete fest damit, dass sich noch nicht viel getan hätte und wir noch spazieren gehen müssen. Mein Mann organisierte noch die Abholung unserer Tochter aus der Kita und dann fuhren wir los. Er erinnerte mich auch beim Einsteigen noch netterweise daran, dass ich wohl 3-4 Wehen im Auto aushalten müsste. Ich musste innerlich lachen: wir fahren so allerdings schon 30 Minuten und wer Bielefeld im Feierabend kennt, weiß, dass es mit den 30 Minuten nicht gut aussehen würde.

Das erste Mal in zähfließendem Verkehr steckten wir direkt vor unserer Haustür. Danach lief es erstaunlich gut bis zur Abfahrt Stapenhorststrasse. Mein Mann schielte schon dauernd auf den Seitenstreifen. Wir kamen nach ein paar Minuten frei und hatten das erste Mal einen von den Parkplätzen direkt vor dem Geburtshaus. Das war ein Zeichen! Ich schickte ihn noch los einen Parkschein holen. Daran werden wir uns unser ganzes Leben lang erinnern: die Uhrzeit auf dem Parkschein lautete 15:55 Uhr. Ich musste vor dem Aussteigen erst noch eine fiese Wehe überstehen, dann ging es rein. Lisa empfing uns an der Tür und es ging direkt ins liebevoll hergerichtete Geburtszimmer: Kerzen brannten, die Wickelkommode war hergerichtet und alles lag bereit. Viel Zeit zum Genießen hatte ich allerdings nicht. Für mich ging es direkt an die Wickelkommode, die nächste Wehe rollte an. Anschließend untersuchte Lisa mich kurz: spazieren gehen bräuchten wir nicht mehr 😉 Sie rief Dori an, die 2. Hebamme sein würde. Die gab einem ihrer Söhne noch ein Küsschen und fuhr sofort los, wie sie mir später erzählte. Während der nächsten Wehenpause fragte mich Lisa, ob ich vielleicht in die Badewanne wolle? Ich bejahte und sie fing an das Wasser einzulassen. Ich stand immer noch verkrampft an der Wickelkommode und während der nächsten Wehe platzte dann die Fruchtblase. Lisa rief Dori an, es würde eng werden.

Das Wasser wurde also wieder abgestellt und ich wurde gewarnt, dass es jetzt gleich gewaltig an Intensität zunehmen würde. Genau so war es dann auch. Ich habe keine Ahnung mehr, ob ich die nächsten nur wenigen Minuten korrekt wiedergeben kann. Ich sollte in die tiefe Hocke vor dem Bett. Das ging aber irgendwie nicht mehr. Ich drehte mich einfach zu Axel um und er hielt mich fest. Der Kopf wurde geboren. Danach gab es eine kurze Pause. Man hörte, glaube ich, schon das Baby. Nach weiteren 2 oder 3 Wehen wurde der Körper geboren. Ich stand die ganze Zeit und Lisa war hinter mir. Sie hielt das Baby fest und fing es sicher auf. Leider war die Nabelschnur sehr kurz. Lisa bat mich, mich hinzusetzen und das Baby etwas auf meinen Bauch zu ziehen. Mein Mann fragte sie, was es denn sei? Lisa sagte uns dann, dass ein Mädchen unsere Familie komplettieren würde. Ein unglaublicher Moment. Die Uhr zeigte 16:29 Uhr, eine halbe Stunde, nachdem wir den Parkschein gelöst hatten. Die Zeit, die sie die letzten Tage vertrödelt hatte, wollte sie bei der Geburt scheinbar wieder rausholen.

Halb auf dem Bauch hängend wurde abgenabelt. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchschneiden. Die Plazenta wurde geboren und Lisa kontrollierte auf Vollständigkeit. Dann vergingen erstmal einige Minuten, in denen für mich die Zeit still stand. Irgendwann kam dann Katharina zu uns rein und gratulierte uns. Etwas später dann Dori. Sie hatte es nicht rechtzeitig schaffen können, zu dichter Verkehr. Irgendwie ging halt alles einfach zu schnell. Einerseits war ich froh, dass es vorbei war, andererseits hätte ich sie gerne dabei gehabt. Sie hatte uns schon bei unserer ersten Tochter während der Schwangerschaft betreut und die Nachsorge bei uns zu Hause gemacht. Entbindungen hat sie damals aber noch nicht gemacht. Deshalb hatte ich mich diesmal schon sehr gefreut, als ich erfuhr, wer 2. Hebamme sein würde. Dori und Lisa nähten einige Stellen bei mir, während unser kleines Mädel bei Axel ruhen durfte. Nachdem alles beim Baby und bei mir in Ordnung war, kuschelten wir noch etwas. Ich konnte duschen und es gab die obligatorische Pizza.

 

Um kurz vor 20 Uhr verließen wir das Geburtshaus. Natürlich erst, nachdem wir ein Bild von der Tafel gemacht hatten. Die Teilnehmer vom Geburtsvorbereitungskurs, der gleich startete, gratulieren uns. Ich wünschte ihnen viel Spaß. Das darf man, wenn man es hinter sich gebracht hat 😉

 

Der Eintrag auf der Tafel lautete:

 

30.10.2018

Luzie

16:29 Uhr

 

Vielen Dank, liebe Lisa !

Vielen Dank, liebe Dori !

Einfach für Alles. Für den tollsten Start ins Leben, den man sich wünschen kann…

 

Ein großes Kompliment an dieser Stelle auch extra nochmal für Lisa. Sie macht ja erst seit Anfang Oktober selber Entbindungen als 1. Hebamme. Ich habe mich durch ihre Ruhe total sicher gefühlt. War irgendwie wie nach Hause kommen. Einfach total schön und entspannt.

 

Dies wird dann wohl mein letzter Geburtsbericht sein. Deshalb möchte ich mich auch noch beim gesamten Team bedanken, die mir eine solche Geburt ermöglicht haben. Ich hatte gleich zwei Mal im Leben riesiges Glück, es so machen zu dürfen. Mit Liebe und Nähe begleitet zu werden und nicht als Nummer in einer Klinik.

 

Liebe Grüße von Jasmin & Axel

und Ronja & Luzie