Die schnelle Luzie!

Wechselbad der Gefühle – Luzie

 

Hier mein Geburtsbericht zu meiner Schwangerschaft mit schrecklichem Anfang und einem unvergesslichem Ende ohne jeden Schrecken im Geburtshaus.

 

Schwangerschaft

 

Irgendwann hielt ich entgegen jeder Prognose einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Die Freude war riesig, weil wir eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatten. Unsere Tochter Ronja (https://www.geburtshaus-bielefeld.de/ronja/) würde also doch nicht alleine groß werden.

 

Wir warteten also erstmal ein paar Wochen ab… Bei der ersten Ultraschalluntersuchung konnte man dann schon ein kleines Herz schlagen sehen. Nachdem ich leider beim Gynäkologen nicht mein Kreuz bei „Recht auf Unwissenheit“ gemacht habe, begannen dann die Untersuchungen. Gut, ich bin mit meinen 38 Jahren nicht mehr wirklich jung. Was allerdings dann losging, damit hätte ich in meinen gruseligsten Träumen nicht gerechnet.

 

Wir entschieden uns für ein Ersttrimesterscreening. Dabei konnte beim dazugehörigen Ultraschall kein Nasenbein gefunden werden und die Nackenfalte war etwas zu dick. Alles „Verdachtsmomente“ auf Trisomie. Der Gyn sagte zu uns „ Er wäre sich nicht sicher“ Das ist so ein Satz, den ich echt niemandem in seinem Leben je wünsche. Nach weiteren Untersuchungen und Wochen, in denen wir zu Hause über Statistiken und die Frage „Welches Leben lebenswert ist“ diskutierten, war dann irgendwann nach weiteren Untersuchungen klar: Das Baby ist gesund, alles falscher Alarm. Das war aber erst nach ungefähr der Hälfte der Schwangerschaft klar. Danach konnten wir endlich wieder schlafen. Es waren furchtbare Wochen gewesen: einerseits die riesige Freude und dann ein Dämpfer nach dem nächsten. Wider Erwarten erreichten wir ohne weitere Probleme den errechneten Entbindungstermin, den 20.10.2018.

 

Alles stand auf „Go“…

Jedoch tat sich nichts ;-)…

 

Geburtsbericht

 

Wir erreichen also ET+6:

Alles in Ordnung, aber keine einzige Wehe.

 

Bei ET+11 würde mein Gyn die Notbremse ziehen und im Krankenhaus einleiten wollen.

Das wollte ich auf gar keinen Fall.

 

Bei ET+10 bekam ich von das Rezept für den Wehencocktail. Ein letzter Versuch, um „Sie“ oder „Ihn“ – das Geschlecht des Babys war uns nämlich unbekannt – aus meinem Bauch zu kitzeln. Gesagt, getan. Nachdem Lisa alles kontrolliert hatte und auch das CTG in Ordnung war, fuhr ich nach Hause. Vorher besorgte ich auf dem Rückweg noch schnell die Zutaten für den speziellen „Cocktail“. Für mich fühlte es sich nicht so an, als würde an diesem Tag noch etwas passieren 😉

 

Ich trank also zu Hause die erste Portion und legte mich noch eine Stunde ins Bett. Es passierte nichts. Ich trank eine weitere Portion und stieg in die Wanne. Es gab vereinzelt einige Magenkrämpfe oder vielleicht auch Wehen? Das wusste ich nicht so genau. Mein Mann kam nach Hause, um unsere Tochter aus der Kita zu holen und um auf mich aufzupassen. Er war auch eher skeptisch, ob etwas passieren würde. Inzwischen waren wir überzeugt, dass das Baby auf den November warten wollte. Ich trank die letzte Portion vom Cocktail und tigerte unruhig durch das Haus. Da waren Schmerzen, könnten aber auch Magenkrämpfe sein. Ich rief die erste Hebamme Lisa an. Sie sagte mir, dass beim zweiten Kind die Wehen nicht mehr so regelmäßig sein müssen. Ich solle mir mal so eine Wehen-App runterladen und die Schmerzen aufzeichnen. Die App berechnete nach 5 Wehen, dass ich mich ins Krankenhaus bewegen sollte. (Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie nicht 4000€ ein.) Ich lachte und fragte mich noch, wer so einen Quatsch programmiert und drückte die Meldung weg. Irgendwann zeichnete ich nichts mehr auf, weil die Schmerzen immer schlimmer wurden. Erneut rief ich vielleicht so gegen 14 Uhr Lisa an. Wir verabredeten uns zu 16 Uhr im Geburtshaus. Ich rechnete fest damit, dass sich noch nicht viel getan hätte und wir noch spazieren gehen müssen. Mein Mann organisierte noch die Abholung unserer Tochter aus der Kita und dann fuhren wir los. Er erinnerte mich auch beim Einsteigen noch netterweise daran, dass ich wohl 3-4 Wehen im Auto aushalten müsste. Ich musste innerlich lachen: wir fahren so allerdings schon 30 Minuten und wer Bielefeld im Feierabend kennt, weiß, dass es mit den 30 Minuten nicht gut aussehen würde.

Das erste Mal in zähfließendem Verkehr steckten wir direkt vor unserer Haustür. Danach lief es erstaunlich gut bis zur Abfahrt Stapenhorststrasse. Mein Mann schielte schon dauernd auf den Seitenstreifen. Wir kamen nach ein paar Minuten frei und hatten das erste Mal einen von den Parkplätzen direkt vor dem Geburtshaus. Das war ein Zeichen! Ich schickte ihn noch los einen Parkschein holen. Daran werden wir uns unser ganzes Leben lang erinnern: die Uhrzeit auf dem Parkschein lautete 15:55 Uhr. Ich musste vor dem Aussteigen erst noch eine fiese Wehe überstehen, dann ging es rein. Lisa empfing uns an der Tür und es ging direkt ins liebevoll hergerichtete Geburtszimmer: Kerzen brannten, die Wickelkommode war hergerichtet und alles lag bereit. Viel Zeit zum Genießen hatte ich allerdings nicht. Für mich ging es direkt an die Wickelkommode, die nächste Wehe rollte an. Anschließend untersuchte Lisa mich kurz: spazieren gehen bräuchten wir nicht mehr 😉 Sie rief Dori an, die 2. Hebamme sein würde. Die gab einem ihrer Söhne noch ein Küsschen und fuhr sofort los, wie sie mir später erzählte. Während der nächsten Wehenpause fragte mich Lisa, ob ich vielleicht in die Badewanne wolle? Ich bejahte und sie fing an das Wasser einzulassen. Ich stand immer noch verkrampft an der Wickelkommode und während der nächsten Wehe platzte dann die Fruchtblase. Lisa rief Dori an, es würde eng werden.

Das Wasser wurde also wieder abgestellt und ich wurde gewarnt, dass es jetzt gleich gewaltig an Intensität zunehmen würde. Genau so war es dann auch. Ich habe keine Ahnung mehr, ob ich die nächsten nur wenigen Minuten korrekt wiedergeben kann. Ich sollte in die tiefe Hocke vor dem Bett. Das ging aber irgendwie nicht mehr. Ich drehte mich einfach zu Axel um und er hielt mich fest. Der Kopf wurde geboren. Danach gab es eine kurze Pause. Man hörte, glaube ich, schon das Baby. Nach weiteren 2 oder 3 Wehen wurde der Körper geboren. Ich stand die ganze Zeit und Lisa war hinter mir. Sie hielt das Baby fest und fing es sicher auf. Leider war die Nabelschnur sehr kurz. Lisa bat mich, mich hinzusetzen und das Baby etwas auf meinen Bauch zu ziehen. Mein Mann fragte sie, was es denn sei? Lisa sagte uns dann, dass ein Mädchen unsere Familie komplettieren würde. Ein unglaublicher Moment. Die Uhr zeigte 16:29 Uhr, eine halbe Stunde, nachdem wir den Parkschein gelöst hatten. Die Zeit, die sie die letzten Tage vertrödelt hatte, wollte sie bei der Geburt scheinbar wieder rausholen.

Halb auf dem Bauch hängend wurde abgenabelt. Mein Mann durfte die Nabelschnur durchschneiden. Die Plazenta wurde geboren und Lisa kontrollierte auf Vollständigkeit. Dann vergingen erstmal einige Minuten, in denen für mich die Zeit still stand. Irgendwann kam dann Katharina zu uns rein und gratulierte uns. Etwas später dann Dori. Sie hatte es nicht rechtzeitig schaffen können, zu dichter Verkehr. Irgendwie ging halt alles einfach zu schnell. Einerseits war ich froh, dass es vorbei war, andererseits hätte ich sie gerne dabei gehabt. Sie hatte uns schon bei unserer ersten Tochter während der Schwangerschaft betreut und die Nachsorge bei uns zu Hause gemacht. Entbindungen hat sie damals aber noch nicht gemacht. Deshalb hatte ich mich diesmal schon sehr gefreut, als ich erfuhr, wer 2. Hebamme sein würde. Dori und Lisa nähten einige Stellen bei mir, während unser kleines Mädel bei Axel ruhen durfte. Nachdem alles beim Baby und bei mir in Ordnung war, kuschelten wir noch etwas. Ich konnte duschen und es gab die obligatorische Pizza.

 

Um kurz vor 20 Uhr verließen wir das Geburtshaus. Natürlich erst, nachdem wir ein Bild von der Tafel gemacht hatten. Die Teilnehmer vom Geburtsvorbereitungskurs, der gleich startete, gratulieren uns. Ich wünschte ihnen viel Spaß. Das darf man, wenn man es hinter sich gebracht hat 😉

 

Der Eintrag auf der Tafel lautete:

 

30.10.2018

Luzie

16:29 Uhr

 

Vielen Dank, liebe Lisa !

Vielen Dank, liebe Dori !

Einfach für Alles. Für den tollsten Start ins Leben, den man sich wünschen kann…

 

Ein großes Kompliment an dieser Stelle auch extra nochmal für Lisa. Sie macht ja erst seit Anfang Oktober selber Entbindungen als 1. Hebamme. Ich habe mich durch ihre Ruhe total sicher gefühlt. War irgendwie wie nach Hause kommen. Einfach total schön und entspannt.

 

Dies wird dann wohl mein letzter Geburtsbericht sein. Deshalb möchte ich mich auch noch beim gesamten Team bedanken, die mir eine solche Geburt ermöglicht haben. Ich hatte gleich zwei Mal im Leben riesiges Glück, es so machen zu dürfen. Mit Liebe und Nähe begleitet zu werden und nicht als Nummer in einer Klinik.

 

Liebe Grüße von Jasmin & Axel

und Ronja & Luzie

Leni

Geburtsbericht unserer Tochter Leni

Seit ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, stand für mich und meinem Mann fest: Wenn alles gut ist und die Schwangerschaft komplikationslos verläuft soll unser Kind außerklinisch zur Welt kommen. Umso glücklicher waren wir über die Zusage vom Geburtshaus Bielefeld.
Der ET rückte näher und außer reichlichen Übungswehen passierte nichts. Ich war mir ziemlich sicher, dass unsere Maus sicherlich vor dem errechneten Termin kommen würde. Ich wurde aber eines Besseren belehrt. Der 19.04.18 kam und es passierte nichts. Nun musste ich alle 2 Tage zur Vorsorge ins Geburtshaus. Der Befund sah vielversprechend aus. Alles weich, Gebärmutterhals stark verkürzt und der Muttermund mittlerweile schon ca. 1 cm geöffnet. Voller Hoffnung fuhr ich nachhause und war mir sicher: Es geht sicher sehr bald los! Aber es passierte nichts. Langsam begann ich an mir und meinem Körper zu zweifeln aber die Mädels aus dem Geburtshaus machten mir immer wieder während den Vorsorgen Mut und schenkten mir Selbstvertrauen. Das CTG sah immer super aus, der Maus ging es also sehr gut in ihrer kleinen Höhle. Ich bekam das UT-Öl mit und sollte mich öfters damit Einmassieren. Doch auch das brachte überhaupt nichts. An ET+8 hieß es, dass der Muttermund schon 2 cm offen sei. Johanna machte eine Eipollösung und voller Hoffnung fuhr ich wieder nachhause. Binnen 48 Stunden sollten die Wehen einsetzen. Am 28.04. lag ich den ganzen Tag nur auf dem Sofa, hatte viel geschlafen und mich ausgeruht. Abends machte mein Mann noch Pizza und als ich so in der Küche stand, merkte ich plötzlich einen peroidenartigen Schmerz im Unterbauch. Ich schaute auf die Uhr und es war genau 19:00 Uhr. Die Wehen kamen zuerst alle 15 Minuten und waren noch nicht sonderlich schmerzhaft. Appetit hatte ich trotzdem keinen mehr und ich spürte intuitiv, dass es los ging und die Geburt mit vollem Pizzamagen zu meistern nicht die beste Idee sei. Mein Mann und ich beschlossen noch einen Spaziergang zu machen und währenddessen verkürzten sich die Intervalle zwischen den Wehen sehr schnell auf alle 5 Minuten. Zuhause angekommen wollte ich noch gerne in die Wanne um den ultimativen Test zu machen. Fehlalarm??? In der Wanne konnte ich mich sehr gut entspannen und die Wehenabstände wurden auf einmal etwas länger. Völlige Enttäuschung!!! Um ca. 22:00 Uhr kamen die Wehen plötzlich mit so einer Heftigkeit und Stärke, dass ich sie veratmen und vertönen musste. Ich erinnerte mich an die goldende 3-2-1 Regel und bemerkte schnell, dass die bei mir nicht ganz funktionierte, denn schon in der Wanne hatte ich keine Wehenpausen mehr und die Intensität nahm immer mehr zu. Um 23:00 Uhr riefen wir das erste Mal die Hebammennummer an. Katharina sagte uns, wir sollten noch etwas warten und erinnerte an die 3-2-1-Regel. Ich stieg nach dem Anruf aus der Wanne und vertönte die Wehen im Wohnzimmer. Ich sagte immer wieder zu meinem Mann: Es kommt schon wieder eine Wehe. Ich hab gar keine Pausen mehr. Nach etwa 15 Minuten meinte ich: Ruf SOFORT an. Inzwischen war es ca. 00:15 Uhr. Wir verabredeten uns zu 01:00 Uhr aber fuhren schon etwas früher los, weil ich merkte, dass ich die Fahrt sonst nicht mehr schaffe. Die 15-minütige Autofahrt verbrachte ich wehend auf der Rückbank. Um 00:45 Uhr waren wir im Geburtshaus und Katharina hatte schon alles vorbereitet. Sie untersuchte mich und stellte mit großen Augen fest, dass mein Muttermund schon vollständig geöffnet war und meinte, wenn ich Druck nach unten verspüre darf ich schon mitschieben. Und wie ich den verspürte!!!! Ich wollte wieder gerne in die Wanne und während ich vom Bett zur Wanne ging überkam mich die erste Presswehe. Ich vertraute meinem Körper voll und ganz und auch Katharina sagte, wie toll ich das mache. Das gab mir Sicherheit und die Kraft für die letzte Phase. Nach ca. 8 weiteren Presswehen kam unsere kleine Leni um 01:21 Uhr in ruhiger und entspannter Atmosphäre in der Wanne zur Welt. Es war geschafft!!! Sie war endlich da!!!Was für ein Wunder!!! Johanna versorgte Leni und meinen Mann 🙂 und Katharina war für mich da und versorgte meine minimale Verletzung. Danach durften wir zu dritt im Bett kuscheln und bekamen noch zur Stärkung eine Hühnersuppe. Um 04:30 Uhr waren wir dann auch schon wieder zuhause und sind voller Glück in unser Bett gehuscht. Wir möchten uns von ganzem Herzen bei dem gesamten Hebammenteam für die liebevolle und kompetente Betreuung während der Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge bedanken! Ihr macht so klasse Arbeit! Die Geburt verlief so, wie ich es mir erträumt habe und es war das schönste Erlebnis in unserem Leben,dank euch!!!

Tilda- auch beim 5. Mal ist alles neu

Ich erwartete mein 5. Kind.

Das 2. mit Geburtshausbegleitung. Aus Erfahrung wusste ich, ich gehe immer in die 42.

Schwangerschaftswoche und es beruhigte mich sehr die Hebammen an meiner Seite zu haben.

Die ersten 3 kamen in 3 verschiedenen Kliniken nach Einleitungen auf die Welt und sowas wollte

ich nie wieder erleben! Erst recht nicht nach der tollen Geburt meiner 4. Maus 2016.

Als ich eine Woche über Termin war hatte ich bereits einige Wehen hinter mir die nichts gebracht

hatten. Außerdem war es immer noch so heiß, wie den ganzen Sommer schon und ich genoss es

eigentlich mit den Kindern und meiner tollen Babykugel im Freibad zu sein. Nach Geburt war mir

irgendwie so gar nicht. Ich fing also schon an zu „verhandeln“ ob man nicht auch über et+14 hinaus

gehen könne.

Am 31.7. dachte ich dann es geht los. 2 Stunden lang starke Wehen alle 3 Minuten. Ich freute mich

auf das Geburtsdatum 1.8.18 – aber nein. Alles beruhigte sich.

Am 1.8. Abends der 2. vermeintliche Start. Die Wehen waren sehr schmerzhaft. Gingen über 2-3

Minuten und ließen mir immer nur eine Minute um zu verschnaufen. Diesmal 3 Stunden. Dann war

es schlagartig vorbei.

Am 2.8. hatte ich den ganzen Tag einen harten Bauch. Immer wieder mal Wehen und Schmerzen.

Langsam war ich genervt. Jetzt traute ich mich nicht mehr weit weg von zu Hause, konnte mich

kaum rühren… so machte auch mir die Babykugel keinen Spaß mehr.

Als es Abends wieder mit starken Wehen losging war ich nur noch frustriert. Würde ja eh wieder

alles nichts bringen.

So ab 22 Uhr wurde ich etwas lauter im veratmen und mein Mann wollte im Geburtshaus anrufen.

Nach den letzten 2 Abenden vertraute ich meinem Körper aber nicht mehr. Ich sagte, bevor die

Fruchtblase nicht platzt wecken wir niemanden.

Ich wanderte durchs Haus. Konnte nicht sitzen und liegen. Musste dauernd auf Toilette. Tiefe

Hocke ging irgendwann auch nicht mehr vor Schmerzen. Ich musste stehen. Stützte mich am

Türrahmen ab unter den Wehen und weinte irgendwann fast. Aber die Wehen kamen mal nach einer

mal nach 5 Minuten. Gingen mal 3 Minuten und mal 30 Sekunden. Manche Wehenabfolge war wie

eine 10 Minuten Dauerwehe. Keine Regelmäßigkeit zu erkennen und die Fruchtblase war ganz. Ich

fixierte mich komplett auf den Gedanken dies sei ein Fehlstart.

So ab 2 Uhr verschrie ich jede Wehe. Ich bekam Druck und dachte ich muss auf Toilette. Natürlich

kam nie was. Wanne war unerträglich. Eigentlich alles war unerträglich.

Mein Mann bekam so langsam Panik durch mein Geschrei. Angst um mich aber auch ganz simpel,

dass Nachbarn oder Kinder geweckt werden könnten (eine Nachbarin wurde auch tatsächlich

geweckt, war aber zum Glück vorgewarnt, dass es eine Hausgeburt werden könnte).

Um 3 erlaubte ich ihm im Geburtshaus anzurufen. Langsam war auch ich verzweifelt und wollte

jetzt endlich schlafen, nach diesem schmerzhaften Fehlstart.

Meike ging dran. Sehr schön. Sie hatte auch meine kleinste Tochter 2 Jahre zuvor als erste begrüßt.

Ich sagte ihr mein Muttermund sei ganz sicher noch zu, aber die Schmerzen seien nicht auszuhalten.

Als eine Wehe kam musste ich das Telefon schreiend zu meinem Mann werfen. Ich hatte mich gar

nicht mehr unter Kontrolle. War so langsam überzeugt ich würde sterben.

Das dachte ich immer direkt bevor das Baby kam, aber ich war so auf Fehlstart fixiert, es klingelte

nicht bei mir.

Wir probierten eine weitere halbe Stunde alleine rum mit Wanne und Seitenlage.

Dann wollte ich zu Meike. Ich wollte auch nicht hier auf sie warten. Ich musste jetzt aktiv was tun

um mich abzulenken. Sachen packen, Mama herbestellen, rein ins Auto und Gas.

Bei jedem Huckel – und der Weg bestand nur aus Huckeln – schrie ich aus vollem Hals. Ich war

erstmal 2 Tage heiser danach.

Das Gefühl auf Toilette zu müssen war unerträglich.

Am Geburtshaus schrie ich auch erstmal die Nachbarschaft wach. Und dann stand Meike neben mir.

Endlich jemand ohne Angst. Sie war völlig ruhig. Machte mir nochmal das tiefe Ooo vor mit dem

ich die Panik eindämmen konnte.

Erstmal wollte sie gucken ob der Muttermund wirklich zu war. Auf dem Rücken liegen fand ich

jetzt erstmal grausam, aber was sein muss…

Sie guckte und meinte sie müsse unter der Wehe schauen.

Jetzt verzweifelte ich endgültig. Für mich stand fest es tat sich nichts und sie wollte mal gucken ob

Druck kommt unter der Wehe.

Als die nächste kam öffnete sie einen Fruchtblasenwulst der den Muttermund verschloss und Baby

nicht vorbeiließ.

In einem Schwall Fruchtwasser kam Baby hinterher geschossen.

Das war nun schneller als erwartet. Ich schrie und presste unkontrolliert. Meike wollte mich etwas

ausbremsen. Aber ich konnte nicht aufhören, der Drang war zu stark.

Als der Kopf da war gabs eine kurze Pause. Ich berührte die weichen Locken. So viele Haare.

Gleich hätte ich es geschafft.

Bei der nächsten Wehe musste Meike dem Baby kurz helfen. Ich merkte wie der Körper kurz

feststeckte, aber sie ruckelte etwas und schon war das Baby da.

Mein Mann quietschte ganz verliebt „oh es ist ja ein Mädchen“.

Und schon hatte ich meine Tilda auf dem Bauch liegen.

Es war 4:20 Uhr am 3.8. Et+9.

Wir warteten erst auf die Plazenta und nabelten dann ab. Dori kam als 2. Hebamme. Sie verpasste

natürlich leider die Geburt, wie auch die Hebammenschülerin.

Wir kuschelten noch, stillten bereits ausgiebig. Frühstückten etwas Obst. Dori half mir beim

duschen.

Wir lachten über die Geburt, meine tollen Selbstdiagnosen und das viele Fruchtwasser.

Nach gut 2 Stunden fuhren wir zu dritt nach Hause wo nach und nach die Geschwister wach wurden

und sich über ihre tolle Schwester freuten.

Danke Meike und alle anderen Hebammen, dass man bei euch so tolle Geburtserfahrungen haben

kann und so herrlich ruhig das erste Kennenlernen genießen kann.

Danke für die Betreuung vorher schon und im Wochenbett.

Ich vermisse es jetzt schon zu euch zu kommen.

 

Ole

 

 

Heute bist du eine Woche alt, kleiner Ole und ich werde versuchen, deine wunderbare Geburt in Worte zu fassen.

 

Vielleicht beginne ich mit der Geburt aus Sicht des Vaters:

 

Am Abend des 19.07.2018 gehe ich wie gewohnt schlafen. Jede Nacht könnte es soweit sein, dass sich Ole auf den Weg macht. Plötzlich werde ich geweckt: „Ich habe Wehen!“. Schon ist meine Frau wieder aus dem Schlafzimmer verschwunden. Ins Bad. Es muss kurz vor 4Uhr morgens sein, aber das nehme ich in diesem Augenblick gar nicht so genau wahr.

Ich ziehe mich an, schließe die Türen der Kinderzimmer in denen die zwei älteren Brüder schlafen und folge ihr ins Badezimmer. Dort sitzt sie auf der Toilette und veratmet ihre Wehen. Sie scheinen sehr stark zu sein. Ich warte auf Anweisung von ihr. „Ich kann nichts sagen!“, presst sie hervor. Ich fordere sie auf, weiterzuatmen, statt die Luft anzuhalten. Vorsichtig trockne ich ihr Gesicht ab. Und nach kurzer Zeit die zwei Worte: „Ruf an!“ Das bedeutet, dass ich den Hebammen Bescheid geben soll. „Küche, Mutterpass, 1.Nummer!“ Ich gehe Telefon und Mutterpass holen und wähle die Nummer. Nochmal von vorne, ich habe mich vertippt. Sabine geht ans Telefon. Ihre Fragen kann ich kaum beantworten, da ich ja bis gerade noch geschlafen hatte. „Sie hat sehr starke Wehen!“ Meine Frau ergänzt mühsam „Um 3Uhr fing es an!“ Sabine gibt an, dass sie Johanna anrufen werde, da diese 500m von uns entfernt wohnt und damit den kürzeren Weg zu uns hat. Ich sage meiner Frau, die immer noch auf der Toilette sitzt, dass ich die Haustür aufschließen und Folien im Wohnzimmer auslegen werde.

Ich höre, dass das Telefon klingelt, das ich im Bad habe liegen lassen. Als ich dort bin, ist es vorbei. „Kannst du zurückrufen?“ bittet meine Frau. Ich rufe zurück, es ist Sabine. Sie habe Johanna angerufen. Wo meine Frau den Druck spüren würde, möchte sie wissen. „Nach unten! Ich glaube, er kommt!“ Meine Frau erhebt sich von der Toilette. Ich lege auf. „Das Köpfchen kommt! Handtücher!“ Danach: „Hilf mir ihn zu halten!“ Ich halte bereits meine Hand unter dem Köpfchen meines Sohnes. „Ist es schon ganz draußen?“ möchte meine Frau wissen. „Noch nicht ganz!“ erkläre ich ihr. Sie schiebt mit und schon ist der Kopf geboren. „Jetzt!“ teile ich ihr mit. „Ich versuche zu warten, dass sich die Schultern drehen können!“ erklärt sie mir. Aber das höre ich gar nicht. Ich wähle die Sabines Nummer und berichte ihr, dass das Köpfchen schon da ist. Sollte ich weitere Anweisungen brauchen, kann ich sie direkt fragen. Ich lege das Telefon auf den Boden. Und schon schiebt meine Frau den Körper unseres Sohnes in meine Hände. Da ist er. Etwas bläulich sieht er aus. Ich höre die Türklingel. Mit Geburtshelferhänden öffne ich Johanna die Tür und begrüße sie grinsend: „Zu spät!“ Ab jetzt übernimmt Johanna. Sie gibt Sabine kurz eine Rückmeldung, dass sie jetzt da und alles in Ordnung ist und legt auf. Zeitpunkt der Geburt 4.14Uhr. Habe ich nicht gerade noch geschlafen?

 

Aus meiner persönlichen Sicht werde ich etwas ausschweifender:

 

Es ist November 2017, mein Mann und ich stehen im Bad und gucken auf den Schwangerschaftstest. „Sie sind schwanger“. Mein dritter Test fürs dritte Kind. Wir haben bereits zwei Jungen. Es ist Wochenende und ich nehme mir vor, am Montag morgen direkt im Geburtshaus anzurufen und mich dort zur Hausgeburt anzumelden. So mache ich es. Dort wird meine Anmeldung sehr herzlich aufgenommen. Um mir meine Entscheidung offen zu halten, melde ich mich ebenfalls in einer Privatklinik an. Diese möchte ich mir an einem Informatiionsabend einmal anschauen. Die telefonische Anmeldung dort ist eher sachlich.

 

Mein Mann und ich haben entschieden, den Kindern erst nach gut verlaufenen 12 Wochen vom Familienzuwachs zu erzählen. Am Silvestermorgen liegen wir zu viert im Bett, als wir es ihnen mitteilen. Alleine für die leuchtenden Augen der Jungs hat sich unsere Entscheidung für ein drittes Kind schon gelohnt. Unser ältester Sohn entscheidet für sich, dass es ein Mädchen werden soll. Er möchte wissen, wie es mit einem Mädchen ist. Und dann könne er sie später heiraten.

Als sich einige Wochen später herausstellt, dass es ein Junge wird, stellt er ganz überzeugt fest: „Das Baby lässt nicht über sich bestimmen!“ Wie recht er hat!

 

Anfang des Jahres beginnen dann die Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus. Der Infoabend in der Klinik kommt, es ist rappelvoll und ich bin schon im ersten Teil der Veranstaltung mit verschiedenen Aspekten uneins. Sollte ich in einer Klinik entbinden müssen, würde ich die ambulante Variante wählen (Notfälle ausgeschlossen). In der Pause spreche ich den Arzt an, wie es denn mit Verlegungen von Hausgeburten sei, wenn diese notwendig würden. Da die Klinik kontrollierte Geburten durchführen würde, wäre dies nicht möglich. Auch blieben die Frauen nach der Geburt mindestens vier Tage stationär. Das reicht mir aus, mich gegen die Klinik zu entscheiden, so dass wir bereits in der Pause den Infoabend verlassen.

 

Bei den zwei vorhergehenden Schwangerschaften hatte ich jeweils einen Geburtsvorbereitungskurs belegt. Diesen empfinde ich jetzt als nicht notwendig. Meine Schwester hat mich mit diverser Literatur zum Thema Geburt (Hypnobirthing, Alleingeburt, Meisterin der Geburt,…) versorgt. Ich bin dadurch informierter denn je. Auch im Bezug auf mögliche Komplikationen und wie ich diese als Frau positiv unterstützen und ihnen entgegen wirken kann. So selbstverständlich mein Verständnis einer natürlichen und selbstbestimmten Geburt bereits war, umso sicherer fühle ich mich jetzt. In der Theorie hatte ich mir vorgenommen, regelmäßig Übungen aus dem Hypnobirthing zu machen. Genauso wollte ich, im Gegensatz zu den zwei vorhergegangen Geburten einen Schwangerschaftskurs wie Yoga oder etwas ähnliches belegen. Ein paar Atemübungen habe ich sporadisch durchgeführt. Das war es dann auch. Mit zwei Kindern war ich jedoch sowieso in Bewegung.

 

Bei den Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus sollte ich alle mir noch unbekannten

Hebammen kennenlernen. Sabine und Edith kannte ich bereits von der Geburt meines zweiten Kindes. Ein Treffen mit Johanna konnte zweimal nicht stattfinden (Krankheit meiner Kinder und dann kam eine Geburt dazwischen), dafür hatte ich drei Termine bei Dori. Ein Zeichen?

 

Da die beiden ersten Kinder je zwei bzw. drei Tage vor dem errechneten Entbindungstermin zur Welt kamen, bin ich fest davon überzeugt, auch in dieser Schwangerschaft nicht über den Termin zu gehen. Laut Ärztin könnte ich mit dieser Vermutung recht haben. Da geschätze Gewicht teilt sie mir mit, den Kopfumfang nicht, jedoch frage ich auch nicht. Irgendwie ist es mir hier lieber, ich weiß nicht, was mich erwartet.

Beim letzten Vorsorgetermin im Geburtshaus bei Maike erkundige ich mich, wie es eigentlich mit Akupunktur aussieht, beim dritten Kind. Irgendwie wollte ich mich längst danach erkundigen, jedoch habe ich es im Alltagstrott immer vergessen. Sie rät mir jedoch davon ab: „Oder möchtest du, dass es direkt losgeht und es von uns keiner mehr zu euch schafft?“

 

Mein ursprünglicher „Plan“ ist es, dass Zwerg Nr. drei zumindest ein paar Tage vor den Sommerferien zur Welt kommt, um mit Hilfe von Kita und Schule noch ein paar Ruhestunden am Tag zu Hause zu haben. Die Sommerferien beginnen, ich bin noch immer schwanger. In den Abendstunden spüre ich immer mal wieder ein wehenähnliches Gefühl, jedoch nicht so stark, dass es der Startschuss zur Geburt wäre.

Der erste Feriendienstag ist der errechnete Entbindungstermin und ich tauche doch wieder bei meiner Ärztin auf: „Sie wollten heute doch nicht mehr kommen!“ Auch hier scheint unser drittes Kind gerne selber entscheiden zu wollen. Die Untersuchung der Ärztin ergibt, dass der Muttermund sich auf 3cm geöffnet hat, alles andere auch soweit in Ordnung ist. „Alles was Sie brauchen, sind ein paar Wehen!“ Sie möchte mich nach einer Woche wiedersehen, die anderen Termine werde ich im Geburtshaus wahrnehmen. Eine Eipollösung möchte ich nicht vornehmen lassen. Ich denke, dass Körper und Kind

sich melden werden, wenn sie bereit sind. An diesem Tag rufe ich also im Geburtshaus unter der ersten Handynummer an und teile mit, dass mein Entbindungstermin erreicht ist und ich einen Termin in zwei Tagen zur Kontrolle bräuchte. Ich habe Johanna am Telefon. Sie ist die einzige der Hebammen, die ich bisher nicht kennengelernt habe. Sie gibt mir einen Termin in zwei Tagen bei sich selbst, damit wir uns auch noch kennenlernen können, da sie in der Woche mit Sabine Dienst hat. Da Sabine bereits das Geburtsvorbereitungswochenende bei unserem zweiten Kind gemacht hat und dann auch bei dessen Geburt dabei war, freue ich mich sehr und hoffe, dass sie erneut bei der Geburt unseres Kindes dabei sein wird. Abends habe ich weiterhin ein paar Wehen, sobald ich mich ins Bett lege, sind diese verschwunden.

Donnerstags lerne ich also Johanna kennen. Nach der Vorsorge verabschiedet sie sich augenzwinkernd bei mir mit den Worten: „Bis später dann!“

 

Ein weiterer Plan von mir war es, dass ich mich, wenn ich meine, dass die Geburt losgehen sollte, in die Badewanne legen werde. Da wir selber kein haben, bin ich auf die Wanne meiner Eltern angewiesen. In den Schwangerschaften habe ich nicht gebadet. Jedoch habe ich sowohl am Abend vor der Geburt unseres ersten als auch unseres zweiten Kindes ein Bad genommen, wonach es einige Stunden später losging. Zufall?

Das Problem an der Sache ist, dass das Bad meiner Eltern renoviert wird. Es zieht sich jetzt bereits in die fünfte Woche und erst wenn der Maler sein ok gibt, darf Feuchtigkeit an die Wände, sprich, darf gebadet werden.

Johanna hatte mir ein Uterus-Öl mitgegeben, dass die Wehen anregen soll. Da ich es nicht im Badewasser anwenden kann, könnte ich es jedoch auch auf den Bauch massieren.

 

Als ich aus dem Geburtshaus zurück komme, treffe ich meine Mutter, die mich mit der Neuigkeit begrüßt, dass das Bad zum Baden freigegeben worden sei. Es scheint fast, als täte es ihr leid, dass ich so lange darauf warten musste. Das Waschbecken, die Heizung, das Licht,… alles fehlt noch, aber ich kann baden.Als die Kinder also im Bett sind, verschwinde ich zu meinen Eltern und nehme ein Bad mit Ut-Öl. Zu merken ist nichts, keine Wehen wie an den Abenden vorher. Also beenden wir den Abend wie gewohnt und gehen schlafen.

 

Nachts um kurz nach drei Uhr wache ich von einem bekannten Schmerz auf. Ich weiß sofort, dass war eine Wehe!!! Ich veratme diese sofort. Als die nächste Wehe kommt und ich auf die Uhr schaue, ist es 3.24Uhr. Ich verschränke meine Hände mit starkem Druck ineinander, um den Schmerz besser aushalten zu können und konzentriere mich aufs atmen. Die Dauer der Wehe spielt für mich noch keine Rolle, da sie bei diesem Abstand ja noch nicht so akut sein können. 3.36Uhr ist es bei der nächsten Wehe. Ich möchte nicht mehr liegen bleiben. Ich schnappe mir meine bequeme Hose und eine Jacke zum Überziehen und verlasse leise das Schlafzimmer.

Zu meinen Vorstellungen der Geburt gehörte ebenfalls, dass ich, schließlich ist es Juli, entspannt durch den sommerlichen Garten wandere und dort ein paar Wehen veratme.

Bei Kind Nr.2 hatten wir recht schnell nach Wehenbeginn den Hebammen Bescheid gegeben, da nach der ersten Geburt von 3 ½ Stunden eine kürzere Geburt zu erwarten war. Gedauert hat sie dan tatsächlich 5 Stunden. Daher möchte ich jetzt noch keinen Trubel machen. Es war ja auch erst Wehe Nr. 3. Ich gehe auf die Gästetoilette, als die nächste Wehe kommt. In dieser Position auf der Toilette sitzend geht es irgendwie besser, aber die Wehen werden auch stärker. Kurz kann ich mich aufstellen und das Becken kreisen lassen, sinke dann jedoch direkt wieder auf die Schüssel. Ich veratme, versuche mich zu entspannen, rufe mir in Erinnerung, was ich mir aus den Büchern angelernt habe. Aber irgendwie müsste ich meinem Mann Bescheid geben. Ich möchte und kann nicht durchs ganze Haus schreien. Ich harre aus und warte einen Moment ab, in dem ich mich besser bewegen kann.

Dann „sprinte“ ich gefühlt ins Schlafzimmer: „Ich habe Wehen!“ und verschwinde ins Badezimmer, wo ich mich auf der Toilette niederlasse.Einen Augenblick später kommt mein Mann ins Bad. Er wartet ruhig ab und erinnert mich zwischendurch daran, dass ich weiteratmen und nicht die Luft anhalten soll. Ich schwitze und er trocknet mir mit einem

Handtuch das Gesicht ab.

„Ruf an! Küche, Mutterpass, 1.Nummer!“ Er verlässt das Zimmer und ist kurz danach wieder da. Ich versuche tief in den Bauch ein- und nach unten auszuatmen. Er kommt zurück. Ich merke, dass er die Telefonnummer zweimal eingeben muss, er hat sich wohl vertippt. Er meldet sich am Telefon und erklärt, dass ich starke Wehen habe. Dann legt er wieder auf. Auf dem Geburtsbericht des Geburtshauses ist später zu lesen, dass es 4 Uhr ist, als er anruft. „Das war Sabine, sie ruft Johanna an, damit sie kommt“! „Ich gehe die Haustür aufschließen und lege Folie aus!“ Dann ist er weg. Einen Augenblick später klingelt das Telefon. Ich komme nicht dran, da ich mich nicht von der Toilette wegbewegen möchte und sprechen hätte ich eh nicht können. Mein Mann hat das Telefon klingeln gehört und kommt zurück ins Bad. Das Klingeln hat bereits aufgehört. Ich stöhne und atme und ächze weiter vor mich hin und bitte ihn kurz angebunden, doch zurückzurufen. Es ist Sabine. Sie teilt meinem Mann mit, dass Johanna informiert ist und sich auf den Weg macht. 500m Entfernung liegen zwischen unseren Häusern. Daher hatten Sabine und Johanna bereits ausgemacht, dass bei Bedarf Johanna als erstes vorbei kommt. Mit dem Fahrrad ist sie etwa eine Minute unterwegs.

Dann möchte Sabine am Telefon wissen, wo ich den Druck spüre. „Nach unten! Ich glaube, das Kind kommt!“ Dass mein Mann auflegt, bekomme ich gar nicht mit. Ich stehe von der Toilette auf und kann bereits das Köpfchen fühlen. Ich bitte meinen Mann: „Kannst du mit festhalten?“ Dann hocke ich mich hin. „Handtücher!“ fordere ich ein. Er greift nach den ersten zwei Handtüchern, die er in der Schublade in die Hand bekommt und legt sie auf den Boden.

Ich versuche sanft zu pressen, eher zu schieben, und spüre, wie das Köpfchen sich herausschiebt. „Ist es ganz draußen?“ Ich suche nach Absicherung, um zu wissen, was ich zu tun habe. „Noch nicht ganz!“informiert mich mein Mann. Ich schiebe weiter und bekomme die Information: „ Jetzt ist es draußen!“ „Dann versuche ich jetzt zu warten, dass sich die Schultern drehen können!“ versuche ich mir selbst Anweisungen zu geben. Ich bekomme in dieser Phase gar nicht mit, dass mein Mann erneut Sabine anruft, um ihr zu sagen, dass das Köpfchen geboren ist und er bei Bedarf gerne Fragen an sie stellen können möchte. Ich kann jedoch nicht lange warten, denn das Gefühl lässt mich weiterschieben. Es scheint gereicht zu haben, denn der kleine Körper wird geboren. Es ist 4.14Uhr. Er sieht ein bisschen bläulich aus, sonst jedoch wie ein perfektes, kleines Wesen. Ich begrüße ihn ganz glücklich. „Es hat geklingelt!“ merkt mein Mann, ich hatte es nicht gehört. Johanna erzählt später, dass sie bereits ein zweites Mal geklingelt hat, da wir das erste Klingeln wohl nicht gehört hatten. Jens legt den kleinen Ole vorsichtig auf eins der Handtücher und geht mit angewinkelten Armen zur Haustür, um Johanna zu öffnen. Später erzählt er mir, dass er ihr mit den Worten: „Zu spät!“ die Tür geöffnet habe.

Ich bin noch ganz überwältigt von dem, was da gerade passiert ist, als Johanna hereinkommt, die Situation mit einem Blick zu erfassen scheint, mir gratuliert und den kleinen Ole begutachtet. Ich ziehe mein Oberteil aus und nehme Ole an meinen nackten Körper. Er fühlt sich sehr gut an. Johanna zeigt uns, dass die Nabelschnur bereits auspulsiert ist, so dass mein Mann diese durchschneiden kann. „Möchtest du das dieses Mal selbst machen?“ fragt er mich. Jedoch finde ich, dass das irgendwie seine Aufgabe ist. Johanna packt ihr Notfallset aus (die Geburtstasche ist ja im Geburtshaus) und Mein Mann schneidet die Nabelschnur durch. Dann wird Ole, nachdem ich ihm mit einem Griff zum Toilettenpapier das erste Mal den Po abgeputzt habe, in ein Handtuch gewickelt und mein Mann nimmt ihn auf den Arm.

„Spürst du schon ein bisschen Druck?“ fragt mich Johanna im Hinblick auf die Plazenta, die noch geboren werden muss. Ich spüre keine Wehe, aber ein bisschen Druck nach unten. Johanna zieht vorsichtig an der Nabelschnur, ich presse einmal und die Plazenta ist da. „Du hast nicht viel Blut verloren. Fühlst du dich vom Kreislauf fit und möchtest Duschen?“ fragt mich Johanna. Nach dem Duschen gehen wir ins Wohnzimmer, wo die ausgebreiteten Folien ungenutzt herumliegen. Auf dem Sofa führt Johanna die U1 durch. In dieser Zeit klingelt es erneut und Sabine kommt dazu. Ich habe sie seit der Geburt unseres zweiten Sohnes vor 4 ½ Jahren nicht mehr gesehen und freue mich sehr darüber, dass sie noch dazu kommt. Nach der U1 wechseln Ole und ich ins Bett. Als wir an den Kinderzimmertüren vorbeikommen, staune ich, dass ich gerade direkt neben ihren Türen

ein Baby zur Welt gebracht habe, und beide großen Brüder weitergeschlafen haben.

Nach einer Weile des Kuschelns hilft mir Sabine beim ersten Anlegen. Einen kleinen Moment dauert es, dann beginnt Ole zu saugen. Ein guter Start!

Johanna und Sabine machen den Schreibkram fertig, Sabine untersucht mich noch und zum Glück ist es wie beim vorherigen Mal, dass nichts genäht werden muss.

 

Nachdem sich Johanna und Sabine verabschiedet haben, nutzen wir den ruhigen Moment zu dritt. Um halb sieben hören wir unseren großen Sohn und mein Mann geht zu ihm, um ihn zu holen. Er ist noch etwas verschlafen, jedoch beginnen seine Augen zu leuchten, als wir ihm seinen Bruder Ole vorstellen. Ganz andächtig und vorsichtig wiederholt er den Namen „Ole“. Und dieses Leuchten und diese Bewunderung in seinen Augen sind bis heute geblieben.

Bis unser mittlerer Sohn aufwacht vergeht noch einige Zeit und auch er schaut sehr glücklich und selig auf den kleinen Zwerg.

 

Abschließend kann ich sagen, dass dieses besondere Erlebnis, Oles Geburt so selbstverständlich und ruhig gemeistert zu haben, für meinen Mann und mich etwas ganz besonderes ist. Wir sind stolz auf uns! Und der verbogene Toilettenpapierhalter erinnert mich täglich daran!

Vielen Dank an das Geburtshaus mit all seinen wunderbaren Hebammen, die uns auf dem Weg zu dieser natürlichen, unkomplizierten und wundervollen Geburt begleitet haben. Macht weiter so!