Plötzlich ging alles schneller als erwartet
Unser erstes Kind ist ganz klassisch in einer Klinik zur Welt gekommen. Ich habe diese Geburt vorerst auch als „gut gelaufen“ abgehakt, jedoch kamen mit der Zeit und vorallem mit dem Lesen des Geburtsberichts der Klinik immer mehr Erinnerungen hoch, die im Nachhinein betrachtet einfach so nicht hätten sein sollen.
3 Jahre nach meinem letzten positiven Schwangerschaftstest hatte ich wieder einen positiven Test vor mir und plötzlich all diese Erinnerungen, die ich nicht wiederholt haben wollte. Also habe ich mich für eine Geburt im Geburtshaus entschieden.
Schon vom ersten Kennenlernen mit Jule habe ich mich dort so wohl gefühlt. Kaum vorzustellen, dass das ein Ort ist, wo Kinder geboren werden. Die Vorsorgen habe ich geteilt zwischen den Hebammen und meiner Gynäkologin und habe mich immer wieder auf die Vorsorgen im Geburtshaus gefreut, da ich jedes Mal mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren bin. Selbst, als auf Grund einer Diagnose die GH-Geburt auf der Kippe stand, war das Team immer so gut für mich da, hat mich bestärkt und mir Mut gemacht. Am Ende war auch alles gut und der Wunschgeburt stand nichts mehr im Wege.
Am Tag der Geburt hat mich mein Großer morgens um 5.15 geweckt, ich bin zur Toilette und musste mit erschrecken feststellen, dass ich eine Blutung hatte, die in meinen Augen stärker war als sie sein „durfte“. Ich habe sofort die Rufbereitschaft angerufen und drangegangen ist Jule, die mir zwar den Gang in die Klinik nahegelegt hat, aber mit ihrer Ruhe auch Zuversicht ausgestrahlt hat.
Meine Eltern kamen, um auf den Großen aufzupassen und mein Mann und ich machten uns auf den Weg in die Klinik, um die Blutung abzuklären. Dort angekommen erst einmal eine halbe Stunde ans CTG. In dieser halben Stunde haben auch langsam die Wehen angefangen, allerdings in einem Rahmen, dass ich sie noch sehr gut wegstecken konnte. Mein Mann und ich haben noch gespaßt, dass unser Kind vermutlich gegen Abend kommen würde. Um 07.20 waren wir fertig mit dem CTG und durften auf die Ärztin warten, die noch einen Ultraschall machen sollte. Dieses Warten zog sich leider über 1.5 Stunden, in denen die Wehen an Intensität zunahmen und die Abstände abnahmen. Immer wieder war ich mit Jule im Kontakt, um sie über den Stand der Dinge zu informieren (und ihr zu sagen, dass ich wohl erst noch nach Hause fahren würde…).
Nach 1.5 Stunden warten endlich der Ultraschall: dem Baby ging es gut, die Plazenta sah völlig in Ordnung aus und auch die Durchblutung der Nabelschnur war gut, vermutlich kam die Blutung nur von der Muttermundsöffnung. Auf Grund der Leitlinien würden sie mich trotzdem stationär aufnehmen wollen.
Da ich wegen des Befunds kein Risiko für mich und mein Kind gesehen habe, habe ich dies abgelehnt und mich mit Jule im Geburtshaus getroffen, um sie die Lage auch nochmal einschätzen zu lassen.
Es war inzwischen 9 Uhr, die Wehen immer intensiver, sodass ich diese wirklich doll veratmen musste. Mein Mann und ich haben uns noch schnell in der Cafeteria der Klinik was zum frühstücken gekauft, bevor wir uns auf den Weg ins Geburtshaus gemacht haben. So intensiv wie die Wehen an dem Punkt waren, war uns allen klar, dass ich wohl doch nicht mehr nach Hause fahren würde. Auf dem Weg ins Geburtshaus sagte ich meinem Mann, er soll doch noch gerade Tanken fahren (Hallo Reserve!), aber dies hat er abgelehnt und wollte auf direkten Weg ins GH (Rückblickend eine sehr gute Entscheidung gewesen).
Um 09.20 sind wir im Geburtshaus angekommen. Dort im Flur hatte ich direkt die nächste Wehe, diesmal mit einem starken Druck nach unten und dem ersten Pressdrang. Jule hat uns in Empfang genommen und wir sind direkt ins Geburtszimmer. Dort angekommen ging alles rasend schnell. Ich hatte einen sofortigen Drang zu pressen, welchen Jule wahrgenommen hat und mir sofort gesagt hat ich solle dem nachkommen. Sie hat mich auf die Matte vor dem Bett begleitet, mein Mann an meiner Seite, und ich habe ganz intuitiv in jeder Wehe unserem Kind weiter auf die Welt geholfen. In den Wehenpausen hat Jule mich immer wieder animiert mein Becken zu bewegen, was mir sehr geholfen hat. Ganze 24 Minuten nach Ankunft im Geburtshaus, um 09.44, ist unser wunderbarer zweiter Sohn (wir kannten bis zu diesem Zeitpunkt das Geschlecht nicht) mit Glückshaube geboren. Ich war so überwältigt wie rasant sich alles entwickelt hat, dass ich garnicht glauben konnte, dass es schon vorbei ist.
Mir wurde aufs Bett geholfen, wo wir zu dritt erstmal ankommen konnten. Jule und Tine haben uns den nötigen Freiraum gelassen erstmal ganz bei uns zu sein. Dieses Gefühl der völlig ungestörten Geburt und ersten Stunden zusammen, werde ich hoffentlich nie vergessen.
Nach einiger Zeit hat Tine dann die U1 durchgeführt, während Jule mir geholfen hat zu duschen und nach Geburtsverletzungen zu schauen, die glücklicherweise keine Behandlung benötigten.
Zum Ende haben wir noch eine leckere Pizza bestellt, bevor wir uns nach 4 Stunden glücklich und vollkommen beseelt zurück auf den Weg nach Hause gemacht haben.
Jede einzelne Interaktion mit dem lieben Team des Geburtshauses hat mich immer wieder in meiner Entscheidung, dort zu gebären, bestärkt und jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, die ich für den Start des Lebens unseres Sohnes hätte treffen können.
Ein großes Dankeschön an alle lieben Hebammen des GH, insbesondere Jule und Tine, die diese wundervolle Geburt begleitet haben.







