Jonte

Nachdem die Geburt unseres ersten Sohnes ein absoluter Krankenhausalptraum gewesen war, stand für uns fest: Die zweite Geburt muss unbedingt anders werden. Mein Bedürfnis dabei war, so weit wie möglich weg von Kliniken und Ärzten zu entbinden. Deshalb meldete ich mich früh im Geburtshaus. Im Laufe der Schwangerschaft bei den Vorsorgeuntersuchungen mit den verschiedenen Hebammen wurde sowohl für mich als auch für meinen Mann immer deutlicher: Dieser Ort ist ein guter Ort für uns. Die Hebammen nahmen sich alle viel Zeit für uns und unsere Geschichte und signalisierten uns – jede auf ihre eigen Art – dass wir im Geburtshaus in jedem Fall eine andere Erfahrung machen würden. Mit der Zeit entstand ein unglaublich sehnlicher Wunsch, hier, in diesem schönen Raum mit dem großen Himmelbett, begleitet von diesen tollen Hebammen, unser zweites Kind zur Welt zu bringen.

Vorher wurde ich jedoch noch auf eine Zerreißprobe gestellt: Das Baby wollte einfach nicht kommen. Eine Woche nach dem errechneten Termin wurden meine Nerven dünn, ab dem neunten Tag weinte ich jede Nacht bitterlich vor Enttäuschung und Verzweiflung, denn ich wusste genau: Das Geburtshaus darf mich nur 14 Tage über den Termin begleiten, danach muss ich in die Klinik zur Einleitung – mein Alptraumszenario. Ich probierte sämtliche Hausmittel aus, aber es tat sich nichts. Gott sei Dank stärkten mich die Hebammen bei den eng getakteten Kontrollterminen sehr und gaben mir das Vertrauen, dass es meinem Baby gut geht. Den Nachmittag des 12. Tages verbrachten wir mit engen Freunden im Kindertrubel, aßen selbstgebackene Zimtschnecken und bestellten uns abends ungesundes Essen. Vielleicht war das die Entspannung, die ich gebraucht hatte, denn in der Nacht bekam ich endlich, endlich Wehen.

Um halb 6 morgens am 13. Tag rief ich die Rufbereitschaft an und hatte eine verschlafene Edith am Telefon. Wir organisierten einen Babysitter für den Großen und machten uns gegen 7 Uhr auf den Weg. Ich war so glücklich, mit Geburtswehen in das schöne Himmelbettzimmer zurückzukommen! Bald schon holte Edith Alex dazu und außerdem die Hebammenschülerin Clara, sodass gleich drei Frauen an unserer Seite waren. Die Geburt geschah dann von ganz alleine, es war im Grunde überhaupt kein Eingreifen nötig. Und doch waren die drei Hebammen ganz nah bei mir, hatten mich immer im Blick, kontrollierten ganz regelmäßig die Herztöne des Babys, stärkten mich mit freundlichen Worten, motivierten mich sanft zu Positionswechseln, gaben mir Gegendruck, versorgten uns mit Getränken. Ich konnte ganz bewusst spüren, wie sich die Wehen veränderten, wie die Fruchtblase platzte, wie sich das Baby durch den Geburtskanal schob. Und ich erinnere mich an so viele kleine Momente, die mir unglaublich gut getan haben: Als ich eine ganze Zeit lang in der Seitlage verbrachte, hielt Clara mit stoischer Ruhe und Ausdauer meine Beine fest. Als ich nach einer intensiven Wehe anfing zu weinen, weil mich die Erinnerungen an die letzte Geburt einholten, hockte Edith sich neben mich, fragte mich ganz sanft, was mir durch den Kopf gehe und suchte mit uns nach Ideen zur Ablenkung. Als ich kaum noch konnte, gab sie mir Rückmeldung dazu, wie viel bei der letzten Wehe passiert sei oder sagte sie mir „Du bist so viel stärker als du denkst“. Und als ich – gehalten von meinem Mann – in der tiefen Hocke saß und das Köpfchen unseres Sohnes herauskam, hielt Alex uns strahlend vor Freude einen Spiegel hin, sodass wir alles selbst sehen konnten. Ein unglaublicher Augenblick.

Jonte kam um 10:51 Uhr zur Welt, an einem spätsommerlichen Augustsamstag. Dem 13. Tag nach dem errechneten Termin. Natürlich war die Geburt furchtbar schmerzhaft und zwischendurch dachte ich auch immer wieder, dass ich es nicht schaffe. Aber schon eine Minute nachdem Jonte da war, wurde sie zu einer wunderschönen Erinnerung. Und das ist sie bis heute. Auch die Stunden danach –

die Nachgeburt, das Kuscheln, das Nähen, das Frühstück, das Kreislaufaufpäppeln und der Abschied – sind mir in so guter Erinnerung geblieben. Ich bin unendlich dankbar für die ruhige, friedliche, herzliche und gleichzeitig professionelle Atmosphäre, die die drei Hebammen geschaffen haben. Ich habe mich in jeder Sekunde absolut sicher und liebevoll behandelt gefühlt. Noch lange Zeit danach war ich regelrecht beseelt und die schöne Erinnerung hat mich durch die Höhen und Tiefen des Wochenbetts getragen.

Jontes Geburt hat nicht nur meinen sehnlichen Wunsch erfüllt, sondern wirklich übertroffen. Tausend Dank dafür, von Herzen.

Mats

Am 25.09.21 begannen die ersten Veränderungen und ich spürte unregelmäßige Wehen. Mittags entschlossen wir uns dafür, die Rufbereitschaft des Geburtshauses zu wählen und Edith erklärte uns, dass es sich nach echten Geburtswehen anhört, aber es in beide Richtungen gehen kann: die Geburt geht relativ zügig los oder aber die Wehen verschwinden wieder. Also beschlossen wir, einfach abzuwarten und ab und zu die Wehendauer und -Abstände zu messen. Da es unverändert blieb, gingen wir am Abend zu Bett und am nächsten Morgen waren die Wehen etwas weniger geworden. 

Also machte ich noch einen langen Spaziergang mit unserer Hündin Lotte am Morgen und nachmittags waren wir ein Eis essen. Im Sitzen waren die Wehen intensiver- na klar, immerhin drückte sich der große Bauch ja auch zusammen. Also dachte ich mir nichts weiter dabei und so fuhren wir wieder nach Hause. Dort angekommen blieb die etwas stärkere Art der Wehen und ich entspanne mich auf dem Sofa. Als ich aus Neugier erneut getrackt habe, war ich doch etwas erstaunt. Mittlerweile hatte ich regelmäßig etwa alle 3-5 Minuten Wehen über 45-75 Sekunden. Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet, denn den Tag über habe ich diese Wehen nicht wirklich als sehr schmerzhaft oder voran treibend empfunden.

Also zog ich mich um, machte intuitiv vorher noch ein Foto von meinem geliebten Bauch und bemerkte beim Gehen, dass die Wehen bei der Bewegung doch etwas intensiver spürbar waren als im Liegen. Gegen 20 Uhr schrieb ich Dennis, er solle sich doch bitte auf den Weg machen weil ich denke ihn zu brauchen – gleichzeitig schrieb er mir, er habe Feierabend und komme nun nach Hause. Er musste leider den gesamten Tag über arbeiten.

Als er um 20:15 Uhr zu Hause war, erzählte ich ihm davon, dass die Wehen stärker und regelmäßiger waren und wir hatten beide den Wunsch erneut die Rufbereitschaft zu wählen um durch eine Untersuchung zu wissen, ob es echte Wehen sind und sich tatsächlich schon etwas tut.

Plötzlich verspürte ich den Drang, zur Toilette zu müssen. Also ging ich ins Bad und Dennis rief Edith erneut an und berichtete ihr den aktuellen Stand. In einer Wehenpause sprach ich mit Edith ab, dass sie erstmal zu uns nach Hause kommen solle um zu untersuchen, ob sich etwas tut was der Geburt näher kommt. Zu dem Zeitpunkt war ich total entspannt und befürchtete, dass die Wehen nichts bringen da ich sie als nicht schmerzhaft empfand. Denn das hatte ich mir immer vorgestellt. Aber bis dahin waren sie besser zu ertragen als so manche Übungs- oder Senkwehe. 

Kaum aufgelegt, sollte ich eines besseren belehrt werden. Wie aus dem nichts wurden die Wehen plötzlich ganz stark und krampfhaft und die Wehenpausen betrugen teilweise nur noch wenige Sekunden, sodass ich die Toilette nicht mehr verlassen konnte.

 Dennis sorgte dafür, dass Lotte abgeholt wird und er lief den Flur auf und ab und wir lachten uns gegenseitig aus, weil die Wehen so plötzlich schmerzhafter wurden, dass ich sie bereits veratmen musste und auch das ein oder andere Schimpfwort fiel. 

Um 21.15 Uhr traf Edith dann ein und ich empfang sie bereits unter dem Gefühl, pressen zu müssen. Gott sei dank drängte sie mich dazu, die Toilette zu verlassen und nach einigen Anläufen rannte ich in einer Wehenpause zum Sofa und schmiss mich davor. Als sie mich in einer etwas längeren Wehenpause endlich untersuchen konnte, war mein Muttermund bereits 8cm geöffnet und das Köpfchen unseres Babys drückte schon. Hui, damit hatte ich 60 Minuten vorher mal so gar nicht gerechnet! 

Nun hockte ich also im Wohnzimmer, schrie ins Handtuch und presste schon mit. Edith sagte, wir müssten uns zügig entscheiden wie es weiter gehen soll. Zeitlich würden wir es noch ins Geburtshaus schaffen, aber es würde auch nichts dagegen sprechen eine Hausgeburt zu machen. Ich konnte vor lauter Wehen nicht aussprechen, was ich dachte aber ja, eine Hausgeburt klang für mich als sei es die einzige logische Option. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich überhaupt noch ins Auto steigen sollte! 

Da ich nichts sagte, entschieden Dennis und Edith gemeinsam, dass wir blieben und Dennis besorgte Handtücher und Decken um den Boden auszulegen. Er war die Ruhe in Person und hatte sogar noch den Überblick, die alten Handtücher zu nehmen damit ich nicht sauer bin, wenn Neue verschmutzt werden. 

Währenddessen wurde mir langsam bewusst, dass wir unseren Sohn tatsächlich bald in den Armen halten würden und der Gedanke daran, machte die Schmerzen erträglich. 

Gegen 21.30 Uhr wurde Lotte abgeholt, die bis dahin die ganze Situation entspannt von ihrem Körbchen aus beobachtete. 

Um 21.55 Uhr traf Lisa mit dem Hausgeburtenkoffer ein und 10 Minuten später folgte die Auszubildende Franzi. Gerade noch rechtzeitig trafen sie ein, denn nach einem zeitlich perfekt von Edith angedachtem Positionswechsel in die tiefe Hocke und kurzer Intervention, um Dammrisse möglichst gering zu halten, drückte sich Mats heraus. Edith konnte ihren Satz „Das Köpfchen ist schon draußen“ kaum beenden, da presste ich in derselben Wehe noch einmal nach und sie verbesserte sich mit den Worten „Er ist da“. Um 22:14 Uhr erblickte Mats Lino in unserem Wohnzimmer das Licht der Welt. 

Ein unfassbares Gefühl, ihn das erste mal im Arm zu halten. Ganz neugierig schaute er uns mit seinen großen blauen Kulleraugen an und nach kurzer Zeit kam der erste Schrei. Er wirkte gesund und zufrieden. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war und Dennis sie durchschneiden durfte, konnte die Plazenta heraus gezogen werden. Sie war herzförmig und Mats hat sein kleines zu Hause auf Zeit perfekt ausgenutzt.

Nachdem die Formalitäten von den Hebammen ausgefüllt wurden, während wir die ersten Kuschelminuten genossen, begleiteten sie uns noch nach oben.

Edith half Dennis bei der ersten Versorgung von Mats, Lisa und Franzi halfen mir beim duschen. 

Anschließend lagen wir drei zusammen kuschelnd im Bett und die Hebammen verließen gegen 0.30 Uhr das Haus und wir genossen unsere erste Nacht als kleine Familie.

Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei den Hebammen des Geburtshauses, die uns sowohl in der Schwangerschaftsvorsorge, während der Geburt und auch im Wochenbett wunderbar unterstützt haben. Insbesondere geht uns Dank an Edith, die uns bei der spontanen Entscheidung zur Hausgeburt jederzeit ein sicheres und wohlfühlendes Gefühl gegeben hat und uns auch im Wochenbett mit Rat und Tat zur Seite stand! 

Von Herzen,

Michelle und Dennis mit Mats 

Jarno

Ich habe mir fest vorgenommen 1 Jahr nach der Geburt den Geburtsbericht zu schreiben. Und so sitze ich hier am 24.10.2021 und schreibe…

Von Anfang an hatten mein Mann und ich im Gefühl, dass unser Sohn vor dem errechneten Termin zur Welt kommen wird.

Am 22.10.2020 hatte ich das Gefühl, dass mir Fruchtwasser an den Beinen runter lief. Ich vereinbarte einen Termin im Geburtshaus. Alex empfing mich dort auch schon kurze Zeit später um mit einem Indikatorstäbchen zu bestimmen ob es wirklich Fruchtwasser war oder ob mir ein Missgeschick passiert ist 😉

Es stellte sich heraus, dass es kein Fruchtwasser war. Ich war doch etwas erleichtert. Sie streichelte noch meinen Bauch und sagte „Du darfst ruhig noch ein bisschen backen“. Doch ganz so viel Zeit wollte er sich nicht mehr lassen…

Am nächsten Tag hatte ich schon morgens ein leichtes ziehen im Unterleib. Ich war aber tiefen entspannt und habe mir nichts weiter gedacht. Als ich um 14.30Uhr auf der Toilette war und beim abwischen Blut am Papier hatte, wusste ich es geht so langsam los und der kleine Mann macht sich auf den Weg, denn schon bei meiner Tochter vor 5 Jahren, leitete die Zeichnungsblutung die Geburt ein.

Ich rief meine Eltern an und verkündete dass es so langsam los geht und wurde noch gefragt, ob ich glaube ob das Baby heute kommt. Und ohne zu zögern, antwortete ich mit „Ja!“. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, ich war mir so sicher. Mein Körper wusste einfach, dass es so weit war.  Ich packte für meine Tochter dann ein paar Sachen für den Kurzurlaub bei Oma und Opa zusammen und merkte da so langsam die Wehen.

Als unsere Tochter abgeholt wurde und wir uns verabschiedet hatten wusste ich, wenn wir uns wieder sehen, sind wir zu 4.

Mein Mann und ich fuhren noch ein paar Snacks und etwas zu trinken holen. Ich war immer noch die Ruhe selbst, trotz der Wehen zwischendurch und mein Mann dann doch schon deutlich nervöser.

Im Wohnzimmer habe ich dann noch, abgestützt auf meinem Pezziball, meditiert und mein Becken gekreist. Dann sind wir um ca. 21 Uhr ins Bett gegangen und wollten uns für die Geburt noch etwas ausruhen. Soweit der Plan.

Wir lagen gerade im Bett da merkte ich einen tritt, es knackte und das Fruchtwasser lief und lief.

Ich guckte meinen Mann an und sagte nur total erschrocken „Die Fruchtblase ist gerade geplatzt“.

Er half mir auf und dabei in das Bad zu gehen ohne alles unter Wasser zu setzen. Ich hatte seit dem Blasensprung sehr schmerzhafte Wehen und er drückte bei jeder Wehe richtig fest nach unten.

Ich versuchte zu duschen und musste dabei jede Wehe veratmen. Es drückte bei jeder Wehe so stark dass ich beim ausatmen immer laut „ahhh“ stöhnte.

Nach dem duschen rief ich im Geburtshaus an und sagte Bescheid, dass mir die Blase gesprungen sei und ich mittlerweile einen Wehenabstand von 3 Minuten hätte, die Wehen aber sehr stark wären. Hanna sagte, dass wir noch etwa eine halbe Stunde warten und uns dann noch einmal melden sollten. Doch schon etwa 6-7 Minuten später kamen die Wehen in etwa 1-2 Minuten abständen und waren sehr schmerzhaft. Mein Mann rief diesmal an und sagte Bescheid. Dann fuhren wir auch schon direkt los.

Wir fuhren etwa 20 Minuten bis zum Geburtshaus. Das sitzen im Auto war schrecklich und ich hatte kaum noch eine Möglichkeit durchzuatmen. Ich hatte Angst dass ich es nicht mehr rechtzeitig zum Geburtshaus schaffen würde und dann war auch noch diese blöde Ampel rot.

Ich schrie meinen Mann an „ fahr einfach über rot“  😀 aber Gott sei Dank hat er nicht auf mich gehört.

Um ca. 22.20Uhr sind wir am Geburtshaus angekommen. Hanna und eine ganz liebe Hebammen Schülerin begrüßten uns.

Ich wurde untersucht und durfte dann in die Wanne. Dort wurden seine Herztöne kontrolliert. Er war tiefenentspannt. Dann musste ich leider raus, da wir etwas turnen mussten. Immer wieder sagte ich mir, dass wir beide das schaffen werden.

Ich ging in den Vierfüßlerstand und Hanna rüttelte an meinem Po um unserem Kind zu helfen in den Geburtskanal zu rutschen.

Jedes drehen war schmerzhaft und mittlerweile sehr kräftezehrend. Dann sagte ich nur „ich kann nicht mehr“  ich wusste, wenn eine Frau das bei der Geburt sagt, dann dauert es nicht mehr lange.

Und so war es. Ich drehte mich ein letztes Mal auf den Rücken und wurde abgetastet. Dann sagte ich dass ich pressen muss und presste mit.

Ich merkte wie er immer weiter runter rutschte und dann war das Köpfchen auch schon dar. Ich fühlte zwischen meine Beine. Johanna massierte meinen Damm damit ich nicht riss.

Plötzlich ging alles ganz schnell.

 Mit der nächsten Wehe presste ich kräftig mit und dann war er da. Unser wunderbarer kleiner Jarno. Ich hatte es geschafft. Nein WIR hatten es geschafft. 3 Tage vor ET am 24.10.2020 um 0:20Uhr. Nun sind wir zu 4.

Marisa kam kurz danach hinzu.

Nachdem die Plazenta da war wurde ich genäht und dann wurde gekuschelt und es gab leckere Hühnersuppe mit Chiatoast.

Später bin ich dann duschen gegangen und dann ging es nach Hause.

2 Stunden hat die Geburt gedauert.

Johanna sagte uns hinterher, dass mein Muttermund bei Ankunft im Geburtshaus bei 3cm war und sie schon fast dachte dass wir ins Krankenhaus müssen. Doch weil er so stark mitgeholfen hat und nach unten gedrückt hat, hat sie alles versucht dass wir bleiben können. Und uns die ganze Zeit nichts über den Muttermund gesagt um mir nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und dafür sind wir ihr bis heute unendlich dankbar.

Also Johanna wenn du das liest:   Vielen Lieben Dank für alles!

Es war die richtige Entscheidung und unser Wunsch bei euch unser Kind in wunderbar geborgener Atmosphäre zur Welt zu bringen. Schön dass es euch gibt!

Eddy

Am 13.07. Hatte ich bereits gemerkt dass es irgendwie etwas mehr im Unterbauch zieht als sonst, da wir Abends noch einen Termin im Geburtshaus hatten zur Akupunktur hab ich gleich mal Johanna gefragt ob das schon ein Anzeichen für’s losgehen sei, da ich ja auch „erst“ am 17.7. Termin hatte, sie sagte es kann sein dass es in den nächsten Tagen los geht aber das ist ja nie gewiss. So machten wir uns dann wieder auf den Weg nach Hause und ich war irgendwie ganz durch den Wind weil sich meim Körper und meine mentale Stimmung so sehr anders anfühlte, da es immer häufiger mit dem ziehen und einem leichten Druck Gefühl wurde, fing ich einfach mal an es aufzuschreiben an dem Tag, es startete schon morgens allerdings in sehr weiten Abständen und unregelmäßig.
Nach der Akupunktur waren wir Zuhause und ich rödelete noch ein wenig rum im Haushalt. Auf dem Sofa bemerkte ich mehr und mehr das ziehen und den Druck das immer häufiger wurde. Wir gingen gegen 10 rum ins Bett. Da blieb ich allerdings nicht lange da es immer stärker wurde und das Bedürfniss hatte dies auch instinktiv zu veratmen. Ich verzog mich also ins Wohnzimmer und dort wurden die Abstände immer kürzer und die Wehen stärker. Als ich dann auf der Toilette bemerkte das sich mein Schleimpropf löste wurde ich doch sehr nervös und so rief ich gegen 04:00 im Geburtshaus an und habe mit Marisa alles besprochen, wir machten eine grobe Zeit aus , da ich sie zwischendurch informierte das ich dann bei dem zetlichen Abstand von 3 min. lag. Um 06.00 weckte ich auch meinen Freund der auch ganz verdutzt guckte und erstmal wach werden musste. Er half mir noch beim Veratmen und massierte mein Kreuzbein um 07:10 Uhr fuhren wir dann bei leichtem Regen und dem langsam startenden Berufsverkehr von Enger zum Geburtshaus, im Auto wurden die Wehen zunehmend mehr und immer stärker, trotz allem war diese ruhige Stimmung und die Aufregung zu spüren es war irgendwie schön das es so leicht düster draußen war.
Als wir ankamen bin ich direkt zur Tür getapert und da empfingen mich auch schon Jule und Marisa, es war alles so schön vorbereitet die Kerzen waren an es duftete wie immer gut und die Wanne wurde auch schon befüllt, zunächst hat Jule mich untersucht um zu gucken wie weit mein Muttermund war, er war schon bei 6 cm ich war total überrascht und total happy da ich das nicht erwartete. Anschließend wurden die Herztöne abgehört und mein puls. Ich hatte das Bedürfnis sofort in die wanne zu gehen und dies tat ich dann auch, das war so herrlich und tat so gut denn dort eine Wehe zu veratmen war um einiges einfacher. Mein Freund setzte sich an die Wanne und Marisa und Jule kamen auch mit dazu und so „chillten“ wir auch eine Weile und ich veratmete immer mal wieder meine Wehen, wir hörten ein bisschen Musik und ich bekam auf Wunsch auch lecker Schokolade zum naschen. Die Gespräche die wir hatten waren sehr lustig und schön. Alles war so liebevoll und entspannt, Eddy war unter der ganzen Geburt so entspannt mit seinen Herztönen. Nach einer Weile wechselten wir immer mal die Positionen und so kam ich dann schon an 8 cm Muttermundweite ran. Ab da ging es dann auch ziemlich schnell wie ich empfand, der Druck wurde immer schwerer und ich drückte bereits mit. Johanna kam mit dazu, wir saßen bzw. hockten mittlerweile vor dem Bett, ich im Schoß meines Freundes und die Mädels vor mir und so feuerten mich die 3 und mein Freund mit voller Elan an, ich dachte ich kann nicht mehr, war völlig erschöpft und sollte dann noch weiter pressen,was für ein Akt. Ich merkte wie der kopf sich immer mehr durchdrückte und zum Schluss griff Johanna meine Hände hob mich hoch und ich drückte während des wieder runter lassen so kräftig wie ich konnte und „Zack“ !! da war er, unser kleiner Eddy, so perfekt so schön. Ich war glücklich, erschöpft und dennoch so aufgeregt.
Nachdem auch meine Plazenta da war, half Marisa mir beim Duschen und wir bekamen anschließend mein all so geliebtes und erwünschtes Mettbrötchen mit kalter Cola, wow, was für eine Wohltat. Wir kuschelten mit Eddy und ich wurde noch untenrum frisch gemacht und so verlaßen wir nach ca. 4 Stunden mit unserem kleinen großen Glück das Geburtshaus. Ich hätte mir keine schönere Geburt vorstellen können als mit diesen wunderbaren Hebammen und in dieser tollen Atmosphäre. Ich bin noch immer ganz benebelt von all den Ereignissen. Ich freue mich schon irgendwann mein zweites Kind dort zur Welt zu bringen.
Wir bedanken uns nochmals herzlich für die tolle Arbeit der Hebammen.

Lena, Ruslan und klein Eddy

Matilda

Am 1. Februar war mein errechneter Termin und der Tag fing turbulent an. Ich hatte morgens einen
Termin bei meiner Frauenärztin, die noch einen kurzen Routine-Ultraschall gemacht hat. Während
des dritten, großen Ultraschalls wurden Zysten in einer der beiden Nieren meiner Tochter entdeckt
und so wurde bei allen Terminen einmal kurz geschallt, um zu schauen, ob sich die Zysten
veränderten. Bei diesem letzten Ultraschall meinte meine Frauenärztin plötzlich eine riesige Zyste
entdeckt zu haben. Ich wurde als Notfall nach Bethel verwiesen, wo eine Fachärztin nochmal
schallte und feststellte, dass die riesige Zyste nur die gefüllte Blase war. Die Nieren sahen
stattdessen sehr gut aus! Erstmalige Erleichterung. Dennoch wollte man mich direkt für eine
Einleitung dabehalten, da das Baby „furchtbar riesig, weit über 4kg“ werden würde und damit
sicher „im Geburtskanal stecken bleiben würde“. Es gäbe doch gar keinen Grund noch weiter zu
warten! Ich verneinte die Einleitung und vertraute ganz darauf, dass mein Baby mir schon den
richtigen Tag für ihre Geburt deutlich machen würde. Stattdessen sollte ich mich in 2 Tagen
nochmal melden, dann sollte aber eingeleitet werden! Ich sagte erst mal zu, damit man mich gehen
ließ.
Zuhause entschieden meine Frau und ich, dass wir der Geburt ein bisschen auf die Sprünge
verhelfen könnten, um mir einen erneuten unangenehmen Aufenthalt in Bethel zu ersparen. Wir
wendeten alle Hausmittelchen an, die uns einfielen. Es gab zum Beispiel besonders viel Zimt- und
Ingwertee für mich. Und tatsächlich, am 2. Februar, morgens gegen halb 3, spürte ich die ersten
Wehen. Sie fühlten sich viel stärker an, als die Vorwehen, die ich davor immer mal wieder hatte. Ich
wartete noch eine Weile ab, bevor ich meine Frau weckte. Sie trackte die Wehen und tatsächlich
waren sie beinahe regelmäßig und gingen auch nicht mehr weg, wie das die Tage zuvor immer
wieder der Fall war. Wir waren aufgeregt, sollte heute endlich unser Baby kommen?
Noch waren die Wehen aushaltbar und ich konnte frühstücken. Auch unter der Dusche gingen die
Wehen nicht weg. Gegen Mittag wurde der Abstand zwischen den Wehen länger, bis zu 15 Minuten.
Dennoch waren die Pausen nie lange genug, um mich ausruhen zu können. Mittlerweile musste ich
auch veratmen. Um den Abstand zu verkürzen, gingen wir noch mit unserem Hund spazieren. In
den Wehenpausen war alles gut, aber wenn diese vorbei waren, war es nicht mehr angenehm!
Dennoch war ich vor Euphorie erfüllt. Es war mittlerweile nachmittags, die Wehen waren zwar
nicht nach der 3-2-1 Regel regelmäßig, aber doch kurz davor. Meine Frau rief im Geburtshaus an
und wir sollten vorbei kommen, um zu schauen, wie der Muttermundstand ist.
Die kurze Fahrt zum Geburtshaus war sehr unangenehm. Aber wir hatten die Hoffnung, dass wir
auf der Rückfahrt unser Baby mitnehmen durften. Bei der Untersuchung stellte sich jedoch heraus,
dass ich mich nur in der Latenzphase befand und mein Muttermund noch komplett verschlossen
war! Mit den Worten „lange Latenzphasen führen oft zu schnellen Geburten“ versuchte man uns zu
beruhigen. Aber ich konnte kaum die Tränen zurück halten. Der ganze Schmerz und die ganze
Anstrengung und es war noch lange nicht vorbei?! Auf der Rückfahrt war ich still und
angekommen, legte ich mich sofort ins Bett und versuchte mich mental auf die noch bevorstehende
Zeit vorzubereiten. Es würde noch eine Weile dauern aber irgendwann würde es geschafft sein! Im
Bett dachte ich über die Podcast Reihe „die friedliche Geburt“ nach, die ich in meinem letzten
Schwangerschaftstrimester regelmäßig gehört habe, und versuchte regelmäßig zu atmen und mir
meine schöne Geburt vorzustellen. Es war früher Abend und die Wehen wurden in der Tat
intensiver. Ich konnte nicht mehr sagen, welchen Abstand sie mittlerweile hatten. Ich war seit den
frühen Morgenstunden wach, hatte wenig gegessen und konnte mich zwischendurch nicht ausruhen.
Ich fühlte mich jetzt schon am Ende meiner Kräfte.
Mühsam konnte ich mich nur noch auf die Toilette schleppen. Doch plötzlich spürte ich etwas aus
mir herausflutschen und in der Toilettenschüssel war ein blutiger, schleimiger Pfropfen. Dabei
dachte ich, der Schleimpfropf war schon längst abgegangen!

Meine Frau rief wieder im Geburtshaus an, im Hintergrund hörte man mich die Wehen mittlerweile
vertönen, so intensiv waren sie. Es war ca. 21:00 und endlich durften wir wieder ins Geburtshaus.
Meine Frau fragte, ob man mir eine Badewanne einlassen könnte, da wir zuhause keine hatten. Der
Gedanke an eine warme Badewanne ließ mich die Autofahrt überstehen.
Angekommen zog ich mich direkt aus, mir war mittlerweile alles egal, und endlich konnte ich ins
warme Wasser. Das tat so gut!
Kathi hatte Dienst, was ein bisschen witzig war, denn sie war die einzige Hebamme, die wir bisher
noch nicht kennen gelernt hatten. Aber ich fühlte mich durch ihre ruhige, angenehme Art direkt gut
aufgehoben. Kathi untersuchte mich und stellte fest, dass mein Muttermund tatsächlich komplett
offen war! Jetzt würde es nicht mehr lange dauern, sagte sie, und rief die zweite Hebamme, Alex,
und die Praktikantin, Judith, an. Ich war erleichtert. Mein Kind würde im Geburtshaus zur Welt
kommen, ich war an einem guten, sicheren Ort, was auch immer in den nächsten Stunden passieren
würde, ich würde es überstehen.
Nachdem nun also die Geburt kurz bevorstehen sollte, sollte ich aus der Wanne raus und schon mal
diverse Geburtspositionen einnehmen, damit das Baby tiefer in den Geburtskanal rutschte. Alex und
Judith kamen mittlerweile an und ich freute mich beide zu sehen.
Die nächsten Stunden verbrachte ich im Delirium. Die Schmerzen waren mittlerweile stärker und
die Wehenpause nur noch sehr kurz. Schlimmer war für mich allerdings die Erschöpfung. Stunden
vergingen und es tat sich wenig. Von einer schnellen Geburt war nicht mehr die Rede. Ich wurde zu
allen möglichen Geburtspositionen angeleitet, damit das Baby tiefer rutschte, und ich befolgte alles
kommentarlos. Ich war nicht mehr in der Lage viel zu erwidern. Ich fühlte mich weggetreten und
konnte nur daran denken, dass es immerhin bald vorbei wäre. In den nächsten Stunden würde mein
Baby kommen, immerhin! Es war mittlerweile schon früher Morgen, der dritte Februar, auch wenn
ich nicht mitbekam wie die Zeit verging, Für mich fühlte sich alles wie eine gleiche Masse an, ohne
Anfang und Ende. Zwischendurch wurden immer wieder die Herztöne des Babys abgehört, aber sie
blieben ruhig und regelmäßig. Meine Babymaus machte die Geburt gut mit und bewahrte mich vor
einer Verlegung ins Krankenhaus. Zwischendurch platzte bei einer Untersuchung die Fruchtblase
und gab mir neuen Aufschwung, der aber nur kurz anhielt. Es dauerte weiter sehr lange.
Nach langer Zeit war schließlich der Kopf sichtbar und die Presswehen begannen. Ich durfte den
Kopf fühlen, spürte aber nur eine harte, schleimige Masse. Das hatte ich mir irgendwie
romantischer vorgestellt. Ich war erleichtert, dass ich bei jeder Wehe nun mitpressen durfte, das
fühlte sich so an, als hätte ich wenigstens ein bisschen mehr Kontrolle über diesen Wirbelsturm an
Geburt. Jetzt sollte das Baby aber bald kommen, der Kopf war ja schon sichtbar! Aber wieder
vergingen Stunden. Ich wurde durch den ganzen Raum geschickt für unterschiedliche Positionen, in
keiner verblieb ich länger als ein paar Minuten. Das Pressen war anstrengend, mittlerweile zitterte
mein ganzer Körper von den unterschiedlichen Positionen.
Es war mittlerweile kurz vor 6, ich hockte vorm Bett, meine Frau saß hinter mir und ich fühlte mich
am Ende meiner Kräfte. Wäre ich in der Lage gewesen zu sprechen, hätte ich mir schon fast einen
Dammschnitt gewünscht, Hauptsache mein Baby kam endlich. Sie musste jetzt definitiv raus!
Ich bekam nur halb mit, wie eine der Hebammen, Kathi oder Alex, ich konnte es nicht mehr
unterscheiden, auf meinen Bauch drückte und die andere meinen Damm mit einem Finger spreizte
und plötzlich spürte ich, wie bei der nächsten Presswehe etwas harten und zugleich feucht-warmweiches aus mir herausflutschte. „Der Kopf ist da!“ wurde gejubelt und sofort folgte der Körper.
Dieser Moment, als sie aus mir herauskam, werde ich nie vergessen. Zwischen meinen Beinen lag
mein Baby. Meine Tochter Matilda! Auf die meine Frau und ich all die Monate gewartet hatten.
Plötzlich war sie da. Der Moment fühlte sich so surreal an. Das war in meinen Bauch gewachsen?
Sofort wurde mir Matilda auf die Brust gelegt. Meine Sicht war verschwommen, ich konnte nur die
dunklen Haare erkennen und spürte aber diesen warmen, weichen Körper auf mir. Ich schaffte es

irgendwie aufs Bett hinter mir und lag einfach nur da mit ihr. Sie schrie nicht. Ich spürte nur leichte
Bewegungen auf mir. Aber sie war da! Meine Frau durchschnitt die Nabelschnur, damit Matilda
kurz untersucht werden konnte. Sie bekam Sauerstoff und ich hörte den ersten kleinen Schrei.
Bei mir fingen mittlerweile aber die Nachwehen an. Und da dachte ich, der Schmerz wäre
überstanden! Die Plazenta war noch in mir und die Regeln des Geburtshauses waren, dass nur eine
halbe Stunde verstreichen durfte! Langsam lief die Zeit ab. Kurz vor Schluss schafften Kathi und
ich es, dass sie doch endlich heraus flutschte. Die Geburt war endlich beendet.
Kathi, Alex und Judith gratulierten mir und ich, endlich wieder in der Lage zu sprechen und etwas
von meiner Umgebung mitzubekommen, war ihnen einfach nur wahnsinnig dankbar, dass sie für
mich da waren und ich meine Tochter im Geburtshaus entbinden durfte.
Kathi nähte noch meine Geburtsverletzungen, die zum Glück nicht so schlimm waren, wie zuerst
befürchtet. Ein Dammriss zweiten Grades und viele Hämatome. Das würde mir für die nächsten
Tage noch viel Freude bereiten 😉
Die Geburt meiner Tochter war unglaublich lang und absolut nicht so, wie ich sie mir vorgestellt
habe. Dennoch bin ich so unglaublich dankbar, dass ich im Geburtshaus entbinden durfte und dass
Kathi, Alex und Judith (und meine Frau natürlich) die ganze Zeit für mich da waren. Es gab keinen
einzigen Moment, in dem ich mich nicht sicher und gut aufgehoben gefühlt habe. Im Geburtshaus
zu entbinden war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Ich hoffe, ich kann allen Frauen*, die diesen Bericht lesen, ein bisschen Mut machen. Nicht jede
Geburt ist wie aus dem Bilderbuch – und kann sich trotzdem schön und sicher anfühlen