Justus

Geburtsbericht von Lena

22.Mai.2018 Justus – unser zweites Schnappskind

 

Die Geburt von Justus hat eine lange Vorgeschichte, weil ich seit der 36. SSW immer wieder so deutliche Vorwehen spüre, die teils schon regelmäßig, aber in größeren Abständen kommen, und schon mal einen Tag oder Nacht lang dauern – dass ich permanent in Habacht-Stellung bin, es könnte demnächst losgehen, weil es beim ersten Kind auch so war. Aber Justus sieht das offensichtlich ganz anders und geht noch in die Nachspielzeit. Als ich am errechneten Termin beim Frauenarzt bin, heißt es, na ja das Fruchtwasser sei wenig, die Plazenta verkalkt und der Platz auch eng, es wird Zeit, dass er rauskommt. Ich bin durcheinander nach diesem Arztbesuch, was will man mir sagen? Ein Gespräch mit Kati nimmt mir Ängste und Sorgen, denn die meisten Kinder kommen nach dem errechneten Termin und weil es Zeit ist, ist es auch normal, dass Fruchtwasser und Platz gering sind. Zwei Tage (40 +2) später gehe ich wieder zu Vorsorge bei der Frauenärztin und diese möchte, da sie selbst im Urlaub sein wird, alles abgesichert wissen und schickt mich zur genaueren Untersuchung ins Krankenhaus, um ggf. eine Einleitung abzusprechen. Ein Dopplerultraschall soll klären, ob die Versorgung noch gesichert ist und das Fruchtwasser zum Warten ausreicht. Da bei meinem ersten Kind im Krankenhaus, die Geburt am Wehentropf endete, graute es mir vor einer Einleitung. Mir geht es mit diesen Gedanken und Ängsten im Kopf gar nicht mehr gut, ein weiteres Telefonat mit Johanna, macht mich wieder zuversichtlicher. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon sehr froh, mich für das Geburtshaus und die Betreuung durch die Hebammen entschieden zu haben – dieses ständige Risikodenken und Angstmachen durch die Medizin verunsichert mich persönlich nur, auch wenn es gut gemeint ist. Die Untersuchung am Tag 40+3 ergibt alles sei noch im Normbereich, aber länger als eine Woche würde man so nicht mehr warten. Einen Tag darauf (40+4) haben wir einen Vorsorgetermin bei Johanna, die mit uns nochmal alles durchspricht und Mut macht. Es gibt ein Fläschchen Ut-öl, mit ein paar Tropfen davon soll ich abends baden gehen, es könnte den Geburtsvorgang beschleunigen. Kaum zu glauben, nach vier Tagen Verwirrung gehe ich aus dem Geburtshaus fröhlich und entspannt raus, die Sonne scheint, wir spazieren noch ein bisschen und ich bin mir sicher wir können noch warten. Auch wenn der Bauch gefühlt schon zwischen den Kniekehlen hängt und ich mich irgendwie gar nicht mehr großartig bewegen kann. Wir verbringen noch zwei wirklich schöne Tage zu dritt, gehen ins Freibad und lassen es uns im Garten gut gehen. Seltsamerweise melden sich in den Tagen zwei alte Freundinnen bei mir, die ich schon lange nicht mehr gesprochen habe, deren Kinder ein oder sogar zwei Wochen nach Termin kamen. Ich frage mich schon wie man das mit diesen ganzen Untersuchungen und Abwägungen mental durchsteht, es macht mir aber auch Mut, denn andere haben das auch schon geschafft. Die Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag (40 +5) ist seltsam, ich wache auf, kann nicht richtig schlafen, bin irgendwie nervös und unruhig. Am Morgen scheint die Sonne und es wird ein ‚perfekter‘ Tag, einfach schön zu dritt. Abends schaue ich den Tatort, nebenbei schiele ich hin und wieder zur Uhr, mal wieder so „nicht so ernst zu nehmende wehwehchen“ denke ich, aber alle 8 Minuten regelmäßig. Ich kann das gar nicht mehr ernst nehmen und warte bis Christoph von der Gartenarbeit rein kommt. Gehe dann in die Badewanne und albere mit Christoph herum, dass es ja total perfekt wäre, wenn heute Justus sich auf den Weg machen würde, weil er dann am 22. geboren wäre. Unser erster Sohn ist an einem 11. geboren, dann hätten wir zwei ‚Schnappskinder‘. So nebenbei bemerke ich, dass die Wehen nun alle 5 Minuten kommen und deutlicher werden. Aber eigentlich will ich nicht mehr baden, Christoph ermahnt mich „bleib doch noch ein bisschen drin“. Auch er ist nach den letzten Wochen froh, wenn das Kind endlich geboren ist. Nach 30 Minuten muss ich die Wehen veratmen, kurz darauf vertönen, es ist nun klar, dass sind echte Geburtswehen und ab jetzt gibt es auch kein Zurück mehr. Ich gehe aus der Badewanne raus und wir melden uns beim Geburtshaus an (gegen 23 Uhr), dass es diese Nacht wohl soweit sei und fragen nochmal nach, ab welchen Zeitpunkt man den losfahren solle. Meike meint „wenn die Wehen richtig knackig von Anfang bis Ende sind, so 90 Sekunden lang“ und „das merkst du schon, wann es Zeit ist“. Wir geben auch der Oma Bescheid, dass sie sich um Schnappskind Nr.1 kümmert, wenn wir losfahren. Christoph hat nun den Auftrag die Zeit zu stoppen, ich kann schon nicht mehr klar denken, verkrümel mich ins Schlafzimmer und innerhalb kurzer Zeit schaff ich es nur noch vorm Bett kniend ins Stillkissen zu tönen. Laut Christoph sind das aber „immer noch keine 90 Sekunden“. Ich kann nicht nachvollziehen was er da misst oder auch nicht (!?!). Um zwölf rum beschließe ich, das halte ich nicht mehr aus, wir fahren jetzt. Schnell wird die Oma verständigt zu kommen, dann geht es los. Um halb eins etwa sind wir im Geburtshaus, gerade so schaffe ich es zwischen den Wehen von Auto ins Haus. Kurz flackert der Gedanke auf „hoffentlich bin ich nicht zu früh hier“, aber schnell ist klar, dass der Muttermund bei 6-7cm offen ist und der Gedanke wohl unberechtigt war. Ich weiß auch schon gar nicht mehr was ich will, setze mich irgendwie aufs Bett und kralle meine Hände bei den Wehen in Kissen, Christoph weise ich noch an meinen Rücken zu stützen. Dankbarerweise nimmt Meike die Sache in die Hand, lässt Wasser in die Badewanne. Dort dauert es dann auch nicht lange und ich spüre die Presswehen, kurz darauf soll ich mitpressen und die Fruchtblase platzt (1:22 Uhr). Zwei oder drei Presswehen später wird der Kopf geboren. Justus macht wohl direkt lustige Grimassen und eine volle Drehung, sehr zur Belustigung der nun anwesenden (Meike, Kati und Christoph). Ein letzter Kick in meinen Bauch nach der Pirouette und mit den nächsten Presswehen wird Justus um zwanzig vor zwei geboren. Ich bin irgendwie in so einer Art Schmerztrancezustand, super erleichtert und kann es noch gar nicht glauben, dass jetzt in diesem Galopp auf einmal alles vorbei ist, worauf wir in den letzten Monaten ‚hingearbeitet‘ haben. Ich bekomme Justus auf die Brust gelegt, öffne meine Augen und meine ersten Worte sind: „Oh, bist du hübsch“. Ein wirklich hübscher kleiner Kerl ist zu uns auf die Welt gekommen. Die Nachgeburt kommt unproblematisch und danach dürfen wir uns noch ein wenig eingemuckelt aufs Bett legen, kuscheln, erste Nuckelversuche starten, etwas essen. Um halb vier verlassen wir das Geburtshaus, die ganze Nacht kann ich gar nicht richtig schlafen, so euphorisch bin ich noch. Zuhause freut sich ein großer Bruder und kommt zu uns ins Bett gehüpft. Für mich/für uns war das Geburtshaus die absolut richtige Entscheidung, allein die Begleitung während der Schwangerschaft durch die Hebammen waren es wert und die Geburtshilfe war genau so, wie ich es mir gewünscht hatte: ich konnte darauf vertrauen, dass mir in meinem Sinne geholfen wurde – vielen Dank und großen Respekt vor eurer tollen Arbeit!

Als Ava zu uns kam…

 

Als Ava zu uns kam…

Am 02. Mai 18 waren Simon und ich zur Anmeldung zur Geburt im Krankenhaus. Wir haben uns vorher intensiv damit beschäftigt, wie wir uns die Geburt unserer Tochter wünschen und waren uns einig, dass die Geburt möglichst natürlich sein sollte.
Ich hatte bereits gelesen, dass dieser Wunsch in Krankenhäusern häufiger nicht erfüllt wird, was z.B. die recht hohen Interventionsraten zeigen. Trotzdem bin ich aufgrund der Informationsabende, die wir in unterschiedlichen Krankenhäusern besucht hatten, davon ausgegangen, dass man, bei entsprechender Absprache, auch in einem Krankenhaus bei einer natürlichen Geburt unterstützt wird. Die Hebamme, mit der wir nun das Gespräch führten, war sehr freundlich und nahm meine Daten in eine Akte auf. Als ich unseren Wunsch nach einer natürlichen Geburt formulierte (keine künstlichen Schmerzmittel, keine dauerhafte CTG Überwachung, kein routinemäßiger Venenzugang, Entspannung und möglichst Geburt in der Geburtswanne) sagte sie, das sei alles möglich, nannte aber zahlreiche Gründe (darunter keine medizinischen), die eintreten könnten, unter denen es dann nicht möglich wäre, die Wünsche zu berücksichtigen. Weil sie nichts von meinen Wünschen in meine Patientenakte aufgenommen hat, gab ich ihr unsere Geburtswunschliste mit der Bitte, sie in die Akte zu legen. Sie nahm die Liste zögerlich mit den Worten: „Das kann ich machen, aber….“. Ich ergänzte den Satz dann: „…aber das wird eh keiner lesen, stimmt’s?!“ Daraufhin meinte sie, dass wenn Zeit ist, man da einen Blick drauf werfen werde. Ihre weitere Empfehlung an mich war, dass ich mich nicht weiter mit der Geburt beschäftigen solle, ich werde eh vor Schmerzen aus dem Fenster springen. Daher soll ich dann einfach zu ihnen kommen, sie werden mir schon helfen.
Simon und ich waren nach dem Gespräch sehr ernüchtert. Unsere Hoffnung und unser Vertrauen darauf, dass wir in diesem Krankenhaus eine natürliche Geburt erfahren werden, waren gleich Null. In meiner Verzweiflung erinnerte ich mich, dass meine Hebamme mir empfohlen hatte, über eine Geburt im Geburtshaus nachzudenken.
Zu Hause angekommen, googelte ich nach dem Geburtshaus Bielefeld, von dem ich bereits öfters gehört hatte. Die Homepage machte einen sehr guten Eindruck auf mich und ich griff spontan zum Telefon und rief dort an. Ich weiß gar nicht mehr, mit wem ich telefoniert hatte, jedenfalls umriß ich kurz mein Erlebnis im Krankenhaus und fragte, ob ich noch im Geburtshaus aufgenommen werden könnte. Die freundliche Frau am anderen Ende der Leitung fragte nach dem ET, das war der 19.05.18. „Oh, das ist ja sehr bald!“, war ihre nachvollziehbare Reaktion. Ich sagte: „Ja, ich weiß, aber ich dachte, fragen, ob es noch möglich ist, kann man ja versuchen…“. Da stimmte mir die freundliche Frau zu und sagte, sie würde das abklären und mich zurückrufen. Eine halbe Stunde später fielen mir tausend Steine vom Herzen, weil ich die Zusage erhielt, dass ich im Geburtshaus Bielefeld noch aufgenommen werde. Ich war unendlich dankbar und glücklich. Danach machten wir die Termine zur Planung der Geburt in recht engen Abständen, um noch alles rechtzeitig zu schaffen. Auch Simon hatte noch die Gelegenheit das Geburtshaus und ein paar der netten Hebammen dort kennzulernen.
Am 18.05. gegen Mittag setzen dann die Wehen ein. Am Abend kamen sie in regelmäßigen Abständen. Gegen drei Uhr nachts kamen die Wehen dann nach der 3-2-1 Regel und ich rief die erste Hebamme an. Johanna und ich haben dann abgesprochen, dass wir in einer Stunde von zu Hause aufbrechen werden und eine weitere Stunde später im Geburtshaus sein werden, da wir eine Anfahrt von einer Stunde hatten. Gegen fünf Uhr morgens trafen wir im Geburtshaus ein und wurden herzlich von Johanna begrüßt. Auf ihre Empfehlung machten wir einen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Anschließend erwartete Johanna uns mit einem Entspannungsbad. Daraufhin lag ich in der Badewanne in bester Gesellschaft von Simon und Johanna. Als sich der Muttermund auf neun Zentimeter geöffnet hatte und es nicht so richtig mit der Geburt weiterging, empfahl mir Johanna in die tiefe Hocke vor dem Bett zu wechseln, wo Simon mich dann auf dem Bett sitzend halten konnte.
Inzwischen war auch Edith als zweite Hebamme eingetroffen. Jetzt wecheselten wir die Position, sodass Simon auf dem Bett saß und mich in der tiefen Hocke halten konnte. Nach einer Weile wechselten wir nochmal in die Seitenlage auf dem Bett und dann wieder zurück in die tiefe Hocke. Auch wenn dieser Teil der anstrengenste während der ganzen Geburt war, so war mir die Unterstützung, die Simon, Johanna und Edith leisteten, doch eine enorme Hilfe für mich. Ihr Zuspruch, dass ich alles gut mache und ich das schaffen werde und einfach ihre unterstützende Anwesenheit gaben mir Kraft und machten die Geburt zu einer wunderbaren Erfahrung.
Als Ava Louisa schließlich geboren wurde war das ein unbeschreibliches Gefühl. Plötzlich war die ganze Anstrengung vorbei und wir konnten zum ersten mal sehen, wie unsere Tochter aussieht. Hannah und Edith hatten sie in Empfang genommen und sie lag ganz friedlich vor uns und schaute sich interessiert um.
Von da an konnten wir ganz in Ruhe als Familie zusammenfinden. Wir konnten zu dritt im Bett liegen, Ava hat mit Simon gekuschelt während Hannah und Edith mich versorgt haben. Dann gab es ein leckeres Frühstück ans Bett, ich konnte Ava das erste Mal stillen und Edith hat Simon gezeigt, wie man Ava am besten wickelt und anzieht.
Nach ein paar Stunden konnten wir dann gut gestärkt und überglücklich nach Hause fahren. Deswegen bleibt uns nur noch zu sagen: Danke an das Team des Geburtshauses und natürlich ganz besonders an Hannah und Edith für diese wunderbare Geburtsbegleitung!

 

Nora

Geburtsbericht Nora 13.03.2018

 

Mein ET war der 05.03.2018 und schon drei Wochen vorher standen mein Freund David und ich in den Startlöchern – es könnte ja jederzeit losgehen!

Doch der ET kam und ging und es tat sich außer reichlich Übungswehen rein gar nichts. Ab ET war ich alle zwei Tage im Geburtshaus zum CTG und dem Baby ging es immer super. Ich versuchte durch viele Spaziergänge, warmes Baden und Massagen mit UT-Öl die Wehen anzuregen – mit mäßigem Erfolg. An ET+7 begann ich zu akzeptieren, dass es wohl noch dauern würde und prompt begannen abends um 18:30 die Wehen. Am Anfang glaubte ich noch nicht an den Geburtsbeginn, doch als die „Übungswehen“ immer stärker wurden und in kleinerem Abstand kamen, wurde ich langsam aufgeregt und rief die erste Hebammennummer an. Johanna nahm ab und wir vereinbarten, dass ich mich später melden sollte, wenn die Wehen alle 3-4 Minuten regelmäßig kommen.

So wehte ich also zu Hause vor mich hin während David noch ein kurzes Nickerchen hielt. Etwa ab Mitternacht begannen die Wehen wirklich unangenehm zu werden, sodass ich sie veratmen musste. Gegen halb 4 waren sie so regelmäßig und stark, dass wir entschieden, Johanna aus dem Schlaf zu klingeln. Wir vereinbarten, uns um halb 5 (ET+8) im Geburtshaus zu treffen. Die Autofahrt (10 Minuten) dorthin war keine Freude! Die Wehen auf dem Beifahrersitz auszuhalten war sehr viel schwieriger als im Stehen zu Hause…

Im Geburtshaus angekommen begrüßte uns Johanna und wir fühlten uns direkt wohl. Es war still und friedlich und ich konnte mich gut entspannen. Eine kurze Untersuchung ergab, dass der Muttermund bereits 3-4cm geöffnet war. Johanna empfahl, dass wir noch eine Runde spazieren gehen, um die Wehen weiter anzuregen. Leider folgte dann die erste Überraschung des Tages: Beim Verlassen des Geburtshauses stolperte ich im Dunklen die Treppe runter und spürte sofort einen heftigen Schmerz im Fuß! Damit hatte sich das Spazierengehen dann erledigt… Johanna besorgte eine Kühlkompresse und der Fuß wurde sofort dick und blau. Leider wurden auch gleichzeitig die Wehen schwächer und seltener.

Nach einiger Zeit konnte ich wieder einigermaßen auftreten und wir entschieden, die Geburt wie geplant weiterzuführen. Etwa gegen 6 Uhr wurden die Wehen wieder deutlich stärker und ich brauchte die Unterstützung von David und Johanna um sie auszuhalten und zu veratmen. David war mir dabei eine große Stütze – ohne ihn hätte ich die Wehen nicht so ruhig bewältigen können. Kurze Zeit später war der Muttermund fast ganz geöffnet und während einer Wehe platzte die Fruchtblase.

Plötzlich ging alles ganz schnell und ich realisierte, dass Nora nun gleich geboren werden würde. Johanna leitete uns in der Geburtsposition an und Dorina kam als zweite Hebamme dazu. Die Presswehen waren ein verrücktes Gefühl und ich war froh um die entspannte Atmosphäre denn so konnte ich mich voll auf die Wehen und Johannas Anleitung einlassen. Nach wenigen Presswehen wurde Nora komplett in einer Wehe um 08:01 Uhr geboren und ich konnte es nach den stundenlangen Wehen nicht fassen. Da war sie! Klein und erst noch blau, dann rot, lag sie da! Nach dem Durchtrennen der Nabelschnur lag sie auf meiner Brust und David und ich wurden von unseren Emotionen überwältigt!

Leider wurde kurz darauf klar, dass die Plazenta nicht vollständig war und ich weiterhin viel Blut verlor. Johanna und Dorina entschieden darum, dass eine Verlegung ins Krankenhaus notwendig war. Der Krankenwagen wurde gerufen und kurze Zeit später wurde ich ins Krankenhaus transportiert, wo ich dann eine Nacht bleiben musste. Johanna begleitete mich im Krankenwagen und David und Dorina folgten uns nach der U1 zusammen mit Nora.

Ich bin sehr dankbar für die Begleitung der Hebammen und die ruhige und entspannende Atmosphäre des Geburtshauses. Genau so (abzüglich des verstauchten Fußes und die Verlegung ins Krankenhaus 😉 ) hatte ich mir meine erste Geburt gewünscht! Danke!

 

In manchen Träumen ein Funken Wahrheit….

Geburtsbericht 12.03.2018

Während meiner Schwangerschaft habe ich eines Nachts geträumt, dass unsere Tochter bereits auf der Welt ist und ich meinen Mann frage, an welchem Tag sie geboren wurde. Mein Mann antwortete: „Na, am 11. März.“

Mein Traum kam mir wieder in den Sinn, als ich am 11. März, einem Sonntag, um 5 Uhr in der Früh aufwachte und ein Ziehen im Unterleib spürte – ein bisschen wie Regelschmerzen und bisher in meiner Schwangerschaft noch nicht vorgekommen. Ich vermutete, dass dies wohl die ersten kleinen Wehen sein könnten, die die bevorstehende Geburt ankündigten. Doch da es bei dem leichten Ziehen blieb, legte ich mich wieder schlafen.

Als mein Mann und ich ausgeschlafen erwachten, berichtete ich ihm von dem weiter bestehenden Gefühl der ersten Wehen. Wir wurden beide ein bisschen vorfreudig. Beim Frühstück wurden aus dem Ziehen allmählich rhythmische Wehen, wenn auch sehr leichte. Sie folgten bereits einem Takt: eine Minute Wehen, fünf Minuten Pause. Uns war klar: dies war ein deutliches Zeichen, dass die Ankunft unserer Tochter in der Welt nicht mehr allzu lange auf sich warten ließe.

Im Laufe des Vormittags pendelten sich die Wehen auf einen neuen Rhythmus ein: eine Minute Wehen, zwanzig Minuten Pause. Ich wählte vorsichtshalber schon einmal die Notrufnummer des Geburtshauses und hatte Johanna in der Leitung. Ich erzählte ihr von den Vorzeichen der Geburt und wir verabredeten, dass ich mich melden würde, sobald die Wehen stärker und kürzer aufeinander kommen.

Den Nachmittag verbrachten mein Mann und ich auf der Geburtstagsfeier meines Vaters. Auch, wenn wir nur fünf Minuten von meinen Eltern entfernt wohnen, stand die Geburtstasche sicherheitshalber gepackt im Auto. Wir weihten unsere Eltern ein, damit diese nicht überrascht wären, sollten wir die Feier sehr plötzlich verlassen. Den übrigen Gästen erzählten wir nichts von meinen Wehen. Wir fürchteten, dass es ansonsten den gesamten Tag kein anderes Gesprächsthema mehr geben würde.

Im Laufe des Abendessens wurden die Wehen stärker, sodass wir die Feier gegen acht Uhr verließen. Zuhause kamen die Wehen dann auch immer schneller hintereinander. Bald hatte ich einen Eine-Minute-Wehen-fünf-Minuten-Pause-Rhythmus erreicht. Wir lenkten uns mit einem Gesellschaftsspiel ab. Zwischendurch brauchte ich nun bereits schon Pausen, um die Wehen zu veratmen. Bei einem erneuten Anruf versicherte mir Johanna, dass es bis zur Geburt noch etwas dauern würde. Sie erklärte mir, wie sich die Wehen im Laufe der Zeit verändern würden und wann es Zeit ist, ins Geburtshaus zu kommen.

Gegen ein Uhr legte ich mich zuhause in die Badewanne, um mich dort während der Wehenpausen besser entspannen zu können. Mein Mann unterstützte mich dabei so wunderbar, wie ich es mir nur wünschen konnte. Er regulierte die Wassertemperatur und motivierte mich mit anerkennenden und aufbauenden Worten.

Gegen zwei Uhr wurden die Wehen so stark, dass ich bereits das Gefühl bekam, leicht mitschieben zu müssen. Jetzt wollte ich schnell ins Geburtshaus. Wir informierten Johanna und verabredeten uns in zwanzig Minuten dort. Als ich aus der Badewanne stieg, platzte die Fruchtblase und die darauffolgenden fünf Minuten Dauerwehen ließen mich für einen Moment zweifeln, ob wir es überhaupt rechtzeitig ins Geburtshaus schaffen würden. Doch die Wehen normalisierten sich. Nach einer gefühlt endlosen Autofahrt – tatsächlich ging sie super schnell, alle Ampeln waren uns wohlgesonnen – erreichten wir das Geburtshaus.

Johanna erwartete uns mit gefüllter Badewanne. Bei der Untersuchung stellte sie fest, dass der Muttermund bereits vollständig geöffnet war. Kaum etwas erleichterte mich in dieser Nacht so sehr wie diese Aussage. In Windeseile war ich auch schon in der Badewanne, umringt von Kerzenlicht. Das warme Wasser erleichterte mir die letzten Wehen ebenso wie mein einfühlsamer Mann neben mir und Johanna vor mir. Es dauerte nicht lange, da kam auch Dori hinzu. Zu viert saßen wir in und um die Badewanne und abgesehen von den Wehen und der Anstrengung war es richtig gemütlich. Dori sagte später noch, dass wir in den Wehenpausen über so lustige Themen gesprochen haben. Ich erinnere mich nur noch, dass wir feststellten, dass unsere Tochter vom Sternzeichen Fische sein wird und nun sogar im Wasser auf die Welt kommt.

Die ganze Zeit über fühlte ich mich geborgen und wusste, dass ich hier richtig aufgehoben bin. Alles war so friedlich und Johanna unterstützte mich optimal mit Tipps zur Atmung und Infos zum Voranschreiten der Geburt. Um kurz nach vier sagte mein Mann: „Ich sehe schon das Köpfchen!“ Einige Wehen später tauchte der Kopf unserer Tochter unter Wasser auf. Meinem Mann stiegen die Glückstränen in die Augen. Noch eine Wehe, dann waren alle Schmerzen verschwunden und Johanna legte mir unsere wunderbare Tochter auf die Brust. Gehüllt in ein mit warmem Wasser getränkten Handtuch erlebte sie dort ihre ersten Minuten auf dieser Welt. Wir waren erschöpft, aber auch so erleichtert und überglücklich.

Während die Plazenta geboren wurde, gingen mein Mann und Dori mit unserer Kleinen zum Abtrocknen, Messen und Wiegen. Anschließend erholten wir uns zu Dritt im Bett und genossen unsere soeben gegründete Familie. Johanna bereitete uns ein Stärkungsfrühstück. Auch unsere Tochter trank bereits fleißig. Ich war erleichtert, denn ich ahnte, dass auch das weitere Stillen ohne Schwierigkeiten funktionieren würde.

Gegen Viertel nach sieben hatten wir uns angezogen und unsere Sachen gepackt. Johanna und Dori verabschiedeten uns am Auto. Dank einer Flasche Cola machte mein Kreislauf den ersten Ortswechsel gut mit. Mein Mann startete den Wagen und schon waren wir auf dem Weg in unser Zuhause. Unsere Kleine schlief auf der Rückbank, während wir unser Glück dieser traumhaften Geburt und des neuen Lebens zu Dritt kaum fassen konnten.

(Unsere Tochter kam schließlich – nicht wie im Traum prophezeit – am 12. März zur Welt. Dennoch: Den Großteil der Geburt erlebten wir am 11. März. In manchen Träumen steckt vielleicht doch ein Funken Wahrheit…)