Eine wunderschöne Geburt

Der Tag, an dem es mit den Wehen und somit mit der Geburt unseres ersten Kindes losging, war ein Donnerstag im März und wir waren fünf Tage über dem errechneten Termin. Der Tag verlief super normal, so wie die vorigen auch. Mein Mann und ich waren Zuhause und verbrachten ihn mit Gassi gehen, Haushalt, Essen, Lesen, Yoga usw. Am Nachmittag machte ich Waffeln und verbrannte mich dabei am Waffeleisen. Die Wunde, die dabei entstanden ist, wird mich wahrscheinlich noch eine Weile an die Geburt unseres Kindes erinnern ?.

So weit so normal. An dem Tag hatte ich stärkere Rückenschmerzen und machte mir Gedanken, ob die Schmerzen bei der Geburt hinderlich und störend sein könnten. Deshalb bat ich meine Schwester um Tipps, wie ich die Schmerzen eventuell lindern könnte und versuchte mir mit ein paar Übungen ein bisschen Erleichterung zu verschaffen.

Am Abend las ich in einem schlechten Buch weiter, dass ich aber trotzdem zu ende lesen wollte. Irgendwann fing ich an, beim Lesen herumzulaufen, weil ich nicht mehr so gut sitzen oder liegen konnte. Anzeichen für eine bevorstehende Geburt gab es meines Erachtens aber noch nicht. Irgendwann um 22:30/23:00 Uhr rum bin ich auf die Toilette gegangen und stellte fest, dass sich der Schleimpfropf gelöst hatte. Da ich im Kopf hatte, dass die Geburt jetzt noch bis zu drei Tage auf sich warten lassen konnte, machte ich mir immer noch keine großen Gedanken, sagte meinem Mann aber Bescheid, dass es in nächster Zeit irgendwann losgehen könnte. Von nun an musste ich öfter auf die Toilette und hatte immer etwas Blut im Urin. Ich machte noch ein letztes Heublumendampfbad, weil die Kräuter sowieso aufgebracht werden mussten. Relativ kurz nach dem Ablösen des Schleimpfropfs ging es dann aber bereits los mit den Wehen, die sich bei mir wie Unterleibskrämpfe anfühlten. Ich fing an, die Wehenlängen und Wehenpausen zu stoppen. Sie kamen von Anfang an ziemlich regelmäßig ungefähr alle zwei Minuten und hielten mindestens eine Minute an. Also fing ich an, auf die Uhr zu schauen da ich mich ja laut 3-2-1 – Regel nach drei Stunden bei der Hebamme melden sollte, falls die Wehen weiterhin so bleiben sollten. Ich beendete dann noch das schlechte Buch und bat meinen Mann, mir die Nägel noch zu lackieren, da ich gerne lackierte Nägel im Wochenbett haben wollte. Warum auch immer. Nun war es schon Mitternacht und wir waren ziemlich müde und legten uns ins Bett. Ich stand aber gleich wieder auf, da sich die Wehen im Liegen nicht veratmen ließen und so auch schmerzhafter waren. Also ging ich ins Nebenzimmer. Das Veratmen der Wehen ging ganz gut. Ich lief viel herum, legte mich in den kurzen Pausen für ein paar Sekunden hin und stützte mich irgendwo ab oder blieb stehen, wenn eine Wehe kam. Unterschiedliche Visualisierungen, die ich während der Schwangerschaft kennengelernt hatte, halfen mir sehr dabei, während der Wehen tief in den Bauch und „zum Kind“ zu atmen und „die Wehenwelle zu surfen“. Ich hatte sehr viel Durst und musste viel Wasser trinken. Ab ca. zwei Uhr musste ich anfangen, die Wehen zu vertönen. Ich hatte nun auch öfter Stuhlgang. Um drei Uhr etwa kam mein Mann und fragte, ob ich nicht langsam die Hebamme anrufen wolle, weil ich ja jetzt schon seit etwa vier Stunden regelmäßige Wehen hatte und die 3-2-1-Regel erfüllt war. Ich hatte zunächst Hemmungen, mitten in der Nacht anzurufen und dachte noch, dass es ja vielleicht ein Fehlalarm ist. Schließlich rief ich dann aber in einer Wehenpause an und hatte Johanna am Telefon. Wir unterhielten uns kurz und Johanna sagte, sie glaube ich könne noch 1-2 Stunden Zuhause bleiben. Ich sollte in die Badewanne gehen und gucken, ob die Wehenabstände länger und die Wehen noch stärker werden würden. Also ging ich in die Badewanne, natürlich unter Aufsicht von meinem Mann, der schonmal die Geburtstasche und alle Sachen für den Hund, den wir auch noch mitnehmen mussten, vor die Tür gestellt hat. Die Wehen blieben gleich stark und die Abstände gleich kurz. Ich musste immer wieder aus der Wanne raus und auf die Toilette gehen. Bei einem Toilettengang musste ich plötzlich sehr stark pressen, obwohl der Darm schon entleert war. Ich dachte mir erstmal nichts weiter und stieg wieder in die Wanne. Dort musste ich dann plötzlich wieder so stark pressen und da ging mir auf, dass das jetzt wahrscheinlich Presswehen sind. Darüber habe ich mich dann ganz schön erschrocken und noch in der Wehe rief ich meinem Mann zu: „Ruf an!“. Der rief daraufhin Johanna an und sagte Bescheid, dass wir jetzt ins Geburtshaus fahren werden. Ich stieg aus der Badewanne, wir zogen mich an, mein Mann brachte alles ins Auto und drei weitere Presswehen später stand ich auf der Straße und setzt mich ins Auto. Als wir losfuhren war es ca. viertel vor fünf. Mein Mann fuhr bewusst langsam, da er wusste, dass Johanna noch 30-45 Minuten brauchen würde, um im Geburtshaus anzukommen. Im Auto fühlte ich mich etwas wohler, da mich nun niemand mehr hören konnte und ich mich am Türgriff festhalten und mit den Füßen im Fußraum abstützen konnte, wenn eine Wehe kam. Das empfand ich als hilfreich. Auf der Fahrt platzte dann auch die Fruchtblase. Wir kamen kurz vor Johanna im Geburtshaus an und ich blieb noch im Auto sitzen, bis sie ankam. Johanna lief gleich ins Geburtshaus und schloss alles auf, mein Mann half mir auf dem Weg. Im Geburtshaus fiel ich bei der nächsten Wehe auf alle Viere. Johanna bereitete nur das notwendigste vor, da sie gleich erkannt hatte, dass es nun schnell gehen musste. Ich sollte mich nun auf eine Unterlage vor dem Bett im Vierfüßlerstand positionieren, damit sie mich untersuchen konnte. Sie sagte, dass das Köpfchen schon zu sehen sei. Jetzt wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, dass das Kind nun geboren werden würde, und zwar im Geburtshaus, da ich sowieso nicht mehr ins Krankenhaus gehen könnte und das Köpfchen ja auch schon da war. Johanna wies uns nun an, wie wir uns am besten positionieren, damit die Geburt jetzt zügig geht. Und dann ging es wirklich schnell: Am 20. März um 5:11 waren wir im Geburtshaus angekommen und um 5:21 Uhr war unser Baby bereits auf der Welt. Das Baby schien keinen Stress gehabt zu haben und lag zunächst ruhig auf dem Boden und wir konnten es bestaunen. Johanna reichte mir schließlich das Baby. Die Plazenta kam gleich nach und wir konnten uns nun in das gemütliche Bett legen. Kathi war nun auch eingetroffen, sie hatte es zur Geburt nicht mehr geschafft, kam aber kurz danach dazu. Den Hund, der im Auto gewartet hatte, holten wir schließlich auch noch dazu.

Die drei anschließenden Stunden im Geburtshaus waren wunderschön. Kathi und Johanna umsorgten uns und kümmerten sich wunderbar ums Baby und um uns. Es gab etwas Leckeres zu essen und zu trinken und wir hatten ganz viel Zeit, uns auszuruhen, zu kuscheln und das kleine Wunder zu bestaunen. Um 8 Uhr ging ich mit Johannas Hilfe duschen, wir packten dann zusammen und zogen das Baby für den Nach-hause-Weg an. Bevor wir uns aufmachten stießen wir noch mit alkoholfreiem Sekt auf die glücklicherweise so unkompliziert verlaufene Traumgeburt an. Ich bin unendlich dankbar dafür, eine so schöne Geburt erlebt haben zu dürfen. Vielen herzlichen Dank für die tolle Betreuung in der Schwangerschaft und bei der Geburt!

 

 

 

Jetzt aber!

„Ich bin froh über jede Wehe, die ich im Geburtshaus veratmet hab.“

„Das Geburtshaus ist der schönste und sicherste Ort, um Kinder zu bekommen.“

„Beim ersten Kind hatten wir wahnsinniges Glück, dass wir im Krankenhaus so eine tolle Hebamme hatten!“

Das waren meine Antworten, wenn ich gefragt wurde, ob wir auch beim zweiten Kind wieder ins Geburtshaus wollen. Das wollten wir. Auch in der zweiten Schwangerschaft haben wir uns für das Geburtshaus entschieden. Das stand für uns schon nach der Geburt des ersten Kindes fest. Vor zwei Jahren sollte auch unser erstes Kind eigentlich im Geburtshaus zur Welt kommen. Aber nach vielen Stunden Wehen – erst zu Hause, dann im Geburtshaus – hatte damals die begleitende Hebamme gesagt, dass ich eine PDA brauche. Das Köpfchen stand schief. Die Hebammen hatten im Geburtshaus wirklich alles versucht. Wir wurden in Ruhe verlegt und nach der PDA und weiteren fünf Stunden im Krankenhaus kam endlich unser Kind zur Welt. Es war eine natürliche Geburt. Wir waren stolz und glücklich. Im Krankenhaus wurden wir während der Geburt sehr gut begleitet.

Trotzdem: Diesmal sollte es anders werden. Unser zweites Kind sollte im Geburtshaus kommen. Diesmal bitte wirklich! Kerzenlicht statt Neonröhre, vertraute Menschen statt völlig Fremden, Natürlichkeit und Individualität statt medizinischer Routine. Zwei Tage vor dem errechneten Entbindungstermin war ich noch einmal bei meiner Frauenärztin. Die meinte, dass die Geburt kurz bevor stehen könnte. Ich freute mich, dass es wohl bald losgehen würde. Abends merkte ich dann, dass es tatsächlich losging. Die Wehen verliefen so anders, dass ich mir immer unsicher war, wie weit die Geburt schon fortgeschritten war. Ich telefonierte mehrfach mit der ersten Hebamme. Beim letzten Telefonat verabredeten wir uns im Geburtshaus – mit der Möglichkeit, dass wir nochmal nach Hause fahren, falls es noch nicht so weit ist. Wir kamen im Geburtshaus an und die Hebamme blickte mir nur ins Gesicht und sagte, dass wir definitiv hier blieben.

Tatsächlich, wir blieben. Aber nicht lange. Nach 19 Minuten im Geburtshaus war unser zweites Kind auch schon da. Schneller als die zweite Hebamme. Wunderbar. So hatten wir uns das vorgestellt. Wir waren unfassbar glücklich und unserem Kind ging es sehr gut. Um vier Uhr morgens waren wir in Richtung Geburtshaus aufgebrochen. Um halb acht waren wir schon wieder zu Hause – auf dem Rückweg hatten wir noch schnell Brötchen geholt.

Ein anderer Ort als das Geburtshaus kommt für uns für eine Geburt nicht in Frage (außer vielleicht zu Hause). Die Hebammen waren immer für uns da und haben alles gegeben – vor, während und nach der Geburt. Danke!

 

Warum ich immer wieder im Geburtshaus entbinden würde

Irgendwie war mir ein bisschen übel… ich war in den letzten Zügen der Schwangerschaft
und hatte Himbeerblütentee getrunken. Dieser soll ja alles etwas weicher machen und
die Geburt herantreiben… ich hatte die Blätter allerdings selbst gepflügt und dachte
schon, dass ich mein Baby vergiftet hatte und mir daher so schlecht sei.
Um mich ein bisschen zu entspannen legte ich mich in die Badewanne. Dann ging es
auch schon los… ein Ziehen, wie ich es noch von meinen Periodenschmerzen kannte,
machte sich bemerkbar… mm… das müssen wohl die ersten Wehen sein… schnell lud
ich mir eine Wehenzähler-App herunter und tönte, wie ich es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte immer dann „Aaah“, wenn ich eine Wehe verspürte. Das
Tönen war super. Es half mir, mich besser zu entspannen. Als mein Freund allerdings
dazu kam, war mir das Tönen ganz schön peinlich… Jetzt hatte ich zwei Möglichkeiten.
Entweder, ich ziehe das Tönen durch und habe dadurch weniger Schmerzen, alles
entspannt sich und die Geburt verläuft schneller, oder eben das Gegenteil… Also tönte
ich weiter 😉
Die Wehenpausen nutzte ich dazu, um mir noch schnell die Haare zu waschen und mich
zu rasieren. An einigen Stellen brauchte ich da jedoch Hilfe. Mein Bauch war so kugelig,
dass ich einfach nicht mehr alles überblicken konnte…
Während anfangs die Wehen ca. alle 6 Minuten kamen, kamen sie nach ca. 2 Stunden
alle 3 Minuten und waren 1 Minute lang. Um mich weiter besser entspannen zu können,
legte mir mein Freund bei jeder Wehe einen nassen Waschlappen auf die Stirn und ein
Körnerkissen auf den unteren Rücken. Zwischen den Wehen ging es mir so gut, dass ich
sogar mit meiner Mama telefonieren konnte, aber eben nur 3 Minuten lang 😉
Nachdem ich 2 Stunden lang alle 3 Minuten eine 1minütige Wehe verspürte, rief ich im
Geburtshaus an. Die diensthabende Hebamme kam direkt vorbei und schaute, wie weit
die Geburt fortgeschritten war. Sie sagte, dass ich noch ein bisschen Zeit hätte, jedoch
jederzeit ins Geburtshaus kommen könne, wenn ich es gern möchte. Übrigens war mir
auch da das Tönen wieder sehr unangenehm. Aber wenn die Hebamme dies nicht
kannte, wer dann 🙂
Kurz nachdem sie weg war, platzte meine Fruchtblase und die Wehen waren wesentlich
stärker. Jetzt wollte ich los. Die Wehen im Auto waren am Schlimmsten. Ich konnte
einfach nicht mehr meine gewohnte Position einnehmen und war somit wesentlich
verspannter.
Im Geburtshaus angekommen brannten schon die Kerzen im Entbindungsraum. Es war
leicht gedimmtes Licht und ich stützte mich am Himmelbett ab. Die Atmosphäre war so
schön, dass ich mich richtig wohl fühlte.
Es war auch einfach toll, dass ich während des gesamten Geburtsvorgangs immer die
selbe, mir vertraute Hebamme bei mir hatte, die mich motivierte und mir Tipps gab,
welche Stellung ich als nächstes ausprobieren könnte. Als es darauf zusteuerte, dass
mein Baby kam, kam noch eine zweite Hebamme dazu. Ab diesem Moment kümmerte
sich eine Hebamme um mich und eine um mein Baby.
Ich kam um 0.00Uhr im Geburtshaus an und mein Sohn kam bereits um 2.21Uhr zur Welt
und das Stillen klappte sofort.
Zur Stärkung bekamen mein Freund und ich noch eine Hühnersuppe, dann begleiteten
uns die Hebammen zum Auto und wir waren bereits um 6 Uhr als kleine Familie zu Haus.
Ich denke, dass mir vier Dinge besonders geholfen haben mich zu entspannen und somit
den Geburtsvorgang beschleunigt haben und das Stillen auch sofort klappte:
1. Das Wissen über den allgemeinen Ablauf einer Geburt und das Tönen, was ich
beides in einem Geburtsvorbereitungskurs lernte.
2. Ein Video über eine gut ablaufende Geburt. Hier der Link dazu.
3. Die Unterstützung meines Freundes durch das Halten des kalten Lappen auf der
Stirn und des Körnerkissens im Rücken.
4. Vor allem aber die tolle Atmosphäre im Geburtshaus und das Wissen, ständig auf
die Expertise der Hebamme(n) zurückgreifen zu können. Es war toll, dass die
Hebamme zu mir nach Haus kam, um mir zu sagen, wie weit der Geburtsvorgang
fortgeschritten war.
Ich hatte in keinem Moment Angst oder habe mich allein gefühlt.
So war es zwar eine schmerzhafte aber vor allem eine schöne Erfahrung und ich kann
mir keine bessere Geburt vorstellen.
Aus diesen Gründen würde ich immer wieder so vorgehen und vor allem immer wieder
im Geburtshaus entbinden.

 siehe mehr auf dem Blog           www.gemeinsamgrosswerden.de

 

Schnelle Wassergeburt

Kurz nachdem mein Mann und ich  wussten wir würden ein zweites Kind bekommen (5.Woche), war uns klar, wir wollen unbedingt wieder ins Geburtshaus. Schon unseren ersten Sohn haben wir dort bekommen und wir fühlten uns besonders gut und liebevoll betreut. Wir haben die Geburt und alles drum herum in so schöner Erinnerung, dass wir uns nicht vorstellen konnten in ein Krankenhaus zu gehen. Deshalb waren wir sehr froh, als wir unsere Zusage bekamen.

Johanna half schon unserem ersten Sohn mit auf die Welt und auch Edith war vor vier Jahren schon in der Betreuung dabei. Während der vorbereitenden Termine lernte ich die weiteren neuen Kolleginnen kennen und fühlte mich bei allen sehr wohl. Ich fand und finde es immer wieder schön, dass ich weiß, wer bei der Geburt dabei sein wird, das entspannt und gibt Sicherheit. Als die Corona-Zeit losging, wurden wir umso vorsichtiger mit sozialen Kontakten, denn auf keinen Fall wollte ich im Krankenhaus entbinden müssen, gerade unter dem Aspekt, dass Väter evtl. gar nicht oder erst spät mit zur Entbindung kommen dürfen. Alles schien so unsicher…. Zum Glück blieben die hohen Fallzahlen in Bielefeld aus und wir schafften es gesund durch die vielen Wochen. Der monatliche Termin im Geburtshaus beruhigte mich immer wieder und war mir auch Ersatz für Vorbereitungskurse und Mütterkontakte, die ich in der ersten Schwangerschaft sehr genossen habe, die jetzt aber unter den sozialen Einschränkungen nicht möglich waren.

Einen Tag vor dem errechnetem Termin war ich morgens noch bei meiner Frauenärztin und die sagte mir schon, dass es eine Wehentätigkeit gebe und ich damit rechnen könnte, bald zu entbinden. Ich solle viel in Bewegung bleiben. Den Tag über spielte ich mit meinem Großen (4 Jahre) und besuchte die Nachbarn am Gartenzaun und merkte ein Ziehen nach unten, aber so richtig real waren diese Wehen noch nicht für mich. Beim ersten Kind bekam ich eine Formel an die Hand nach der ich genau sagen konnte, wann es losgeht, aber beim zweiten Kind ist alles anders und nicht so richtig vorhersagbar. Der Nachbarsjunge kam noch mit in unseren Garten und ich beschäftigte beide Kinder bis ca.16.30 Uhr. Wobei ich das schon als sehr anstrengend empfand. Mein Mann kam nach Hause und ich sagte ihm, dass es vielleicht bald losgehen würde und er jetzt das Nachbarskind wegbringen und mit mir ins Haus gehen müsse, um früh mit uns zu Abend zu essen. Das taten wir auch – mit viel Aufregung. Wir sprachen mit unserem Sohn nochmal alle möglichen Szenarien durch, dass wir ihn wahrscheinlich noch ins Bett bringen würden und dann sein Onkel da wäre, falls er aufwachen würde. Wir informierten die Hebamme im Dienst und waren sehr froh, da Johanna Dienst hatte. Was für ein schöner Zufall, dass sie bei unserer zweiten Geburt ebenfalls dabei sein würde! Um 20 Uhr lag ich dann mit meinem Sohn im Bett und dachte, dass ich ihn nicht in den Schlaf begleiten kann, weil ich aufgrund der kurzen und heftigen Wehen lauter atmen und tönen musste. Die kamen irgendwann in kurzen Abständen, so alle 2 Minuten und als mein Mann aus dem Schlafzimmer kam und unser Sohn schlief, riefen wir den Onkel an, dass er kommen kann. Ich bat meinen Mann noch den Garten zu wässern, da wir vor kurzem erst sehr viele neue Blumen gepflanzt hatten und es ein sehr heißer Tag war Mein Mann fand das sehr amüsant, zumal ich dann alle zwei Minuten in der Küche an die Arbeitsplatte ging, um mich darauf abzustützen und die nächste Wehe zu veratmen und zu tönen. Als mein Schwager gegen 21 Uhr da war, war ich dann doch sehr erleichtert. Ich war mir nicht sicher, ob wir zu lange gewartet hatten. Johanna war informiert, dass wir nun losfahren. Im Geburtshaus angekommen, wurden die Wehen rasant immer stärker und es gab nur wenige Pausen. Wie eine Naturgewalt überrollten mich die wellenartigen Wehen nun und ich klammerte mich mit aller Kraft an meinen Mann, der mir, wie ein starker Baum, Halt gab und mich einfach sein ließ. Irgendwie lief alles seinen Lauf, es ging Stück für Stück voran. Johanna schaute zwischendurch, wie weit der Muttermund geöffnet war. Da ich die Wehen so intensiv erlebte, hoffte ich auf eine große Weite, aber leider waren es bis dahin nur 4cm. Ich hatte eher auf 9cm gehofft und war kurz enttäuscht. Die erste Geburt verlief relativ schnell und ich hoffte doch so sehr, dass es nun auch schnell gehen würde. Johanna meinte jedoch ganz zuversichtlich, beim zweiten Kind sagt das nicht viel über den Geburtsverlauf aus, es könne trotzdem schnell gehen. Sie wusste, dass ich gerne im Wasser gebären wollte und so ließ sie mir schon kurz nach der Ankunft ein warmes Bad ein. Nach einigen Wehen sollte ich dann hinein und die Wärme tat, was sie sollte, sie verstärkte die Wehen. Es gab quasi keine Pausen und ich wand mich unter den Wehen und stützte mein Gesicht immer wieder in die warmen und vertrauten Hände meines Partners, der am Beckenrand saß. Irgendwann wurde ich unsicher, ob ich die Wehen Aushalten könnte, die Fruchtblase war noch nicht offen und ich konnte wenig zwischen den Wehen ausruhen. Johanna gab mir Mut und sagte: Trau dich jetzt mit den Wehen richtig mitzugehen. Es dauert nicht mehr lange. Und da platzte in der nächsten Wehe die Fruchtblase. Ich war erleichtert und presste weiter. Kurz danach spürte ich den Kopf, er war draußen und nach der nächsten Wehe fühlte ich mich unglaublich erleichtert. Ich setzte mich hin lehnte mich an den Wannenrand, schloss die Augen und als ich sie wieder öffnete, legte Johanna mir meinen zweiten Sohn auf die Brust. Das war so faszinierend, kurz vorher dachte ich noch, ich schaffe das nicht und jetzt war er da! Mein Mann sagte zu mir, er könne das auch nicht glauben. Es sei kurz nach 22 Uhr. Vor einer Stunde sind wir erst ins Geburtshaus gekommen. Nach ein paar Minuten des ersten Kennenlernens, konnte mein Mann mit Kathi und Jesse ins Nebenzimmer gehen. Kathi kontrollierte alle Funktionen und sein Aussehen. Alles war super. Ein gesunder 54cm langer Junge! Jesse, sagten wir direkt zu ihm. Nach dem Duschen, legte ich mich ins Himmelbett und konnte unseren Jesse das erste Mal stillen. Wir kuschelten mit ihm und Johanna brachte uns Obst und Joghurt zur Stärkung. Um kurz vor eins in der Nacht, brachen wir dann nach Hause auf. Unser Großer war noch wach, so dass wir ihm seinen Bruder direkt vorstellen konnten. Er war total begeistert  und bis jetzt ist er sehr verliebt in seinen kleinen acht Wochen alten Bruder.

Elin

Geburtsbericht von Elin

Schon in der 28SSW hatte ich erste Wehen und ab dann immer wieder große Sorgen. Doch nach sieben Wochen liegen, freute ich mich, dass ich jetzt endlich mein Baby bekommen konnte ohne große Sorgen.

Aber anstatt sich auf den Weg zu machen, blieb Elin noch in meinem Bauch. Sie blieb so lange, bis wir die SSW erreicht hatten, in der eine Geburt auch im Geburtshaus möglich ist.

Unser erstes Kind wurde auch schon im Geburtshaus geboren. Ich liebe diese heimelige und entspannte Atmosphäre vor Ort, einfach perfekt, um ein Kind zu bekommen.

Da ich nun eine zweite Geburt im Geburtshaus erleben durfte, war ich mir sicher, dass diese schnell gehen müsste. Denn schon Jarle kam mit einem hohen Tempo auf die Welt. Doch es sollte ein bisschen anders kommen.

Am Donnerstag hatte ich einen Blasensprung, mitten in einer Folge „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“. Ich meldete mich im Geburtshaus. Sollten die Wehen über Nacht stark genug sein, könnten wir kommen. Doch in dieser Nacht kam: Nichts.

Morgens fuhren wir ins Geburtshaus, der Muttermund war schon halb offen, aber noch immer keine Wehe zu spüren. Wir bekamen das Rezept für den Wehencocktail mit nach Hause. Den ganzen Tag gingen wir spazieren oder ich trank ein Glas von dem Cocktail. Irgendwann hatte ich dann einen Liter getrunken. Um 18 Uhr wurde ich langsam panisch. Wenn in zwei Stunden nichts passiert, würden wir ins Krankenhaus verlegt werden und das auch noch in Corona Zeiten. Und dann kamen die Wehen doch, langsam und vorsichtig. Ich rief im Geburtshaus an und Lisa sagte: „ Ich bereit dann schonmal das Geburtszimmer vor“. Dieser Satz machte mich so glücklich, dass ich innerlich endlich ruhiger wurde und die Wehen kommen konnten.

Die Geburt von Elin war kein Spaziergang, aber ein drei Stündiger Tanz mit meinem Mann und den Wehen. Um 21:11 Uhr kam Elin dann endlich auf die Welt. Es erfüllt mich mit großem Stolz meine beiden Kinder im Geburtshaus auf natürlichem Weg zur Welt gebracht zu haben. Alle Menschen die dort Arbeiten wissen immer genau, was wann zu tun ist. Vielen Dank an das ganze Team des Geburtshauses. Eure Arbeit ist unglaublich wertvoll. Ihr steht immer mit Rat und Tat zur Seite, während der Schwangerschaft, bei der Geburt und nach der Geburt. Ich kann nur jedem Paar empfehlen, ihre Geburt hier zu planen. Ich danke euch von Herzen für die schönen Geburten.