Amalia

Am Samstag, den15. Dezember öffnete unser Sohn seinen Adventskalender und fand einen Flummi. Mit dem musste natürlich gespielt werden. Wir verbrachten also den Vormittag draußen und ließen ihn umher hüpfen. Ein paar Hechtsprünge hinter dem Ball her, das Rennen und Werfen machten es Amalia wohl etwas unbequem im Bauch. Die ersten Wehen spürte ich Mittags. Aber sollte es wirklich schon los gehen? Auch wenn ich am Vortag „die Plätzchen“ gebacken hatte, die ich zum letzten mal einen Tag vor Noahs Geburt gebacken hatte, was wirklich ein schöner Zufall wäre. Nachmittags nochmal einen Spaziergang draußen, wieder mit Flummi und die Wehen wurden tatsächlich spürbarer und regelmäßiger.
Nach einer warmen Dusche um zu spüren ob die Wehen nochmal weniger würden und wir die Nacht eventuell noch Zuhause verbringen könnten, meldeten wir uns im Geburtshaus und klärten mit Lisa ab wann wir uns auf den Weg machen sollten. Nachdem die erste Geburt sehr schnell nach Ankunft im Krankenhaus los ging und es in meiner Familie auch schon eine Sturzgeburt gab, war mir wohler nicht allzu spät los zu fahren, auch in Anbetracht der weiten Strecke (35 km).
Am Geburtshaus angekommen kam dann die Ernüchterung. Der Muttermund war noch kaum geöffnet. Nach einem schönen Spaziergang, bei eisigem Wind und schönem Sternenhimmel über uns freute ich mich über eine warme Wanne. Lisa hatte schon damit gerechnet uns wieder nach Hause zu schicken, doch dann kam die Überraschung, der Muttermund hatte sich in der Zwischenzeit super geöffnet. Also noch eine Runde spazieren gehen und danach wieder in die Wanne. Mittlerweile war es Sonntag geworden, die ersten Kerzen mussten schon ausgetauscht werden. Lisa hatte meinen Zustand die ganze Zeit gut im Blick ohne dass ich mich beobachtet fühlte. Sie ließ uns machen und schenkte mir Vertrauen, dass ich alles selbst richtig spüren würde.
Als die Fruchtblase in der Wanne platzte und die Wehen danach schmerzhaft wurden, half Lisa mir mich wieder auf die Atmung zu konzentrieren. Ich entschied mich im Wasser zu bleiben und unsere Tochter hier zur Welt zu bringen. Dies war auch schon bei unserem Sohn der Wunsch, dann ging aber alles zu schnell.
Johanna war inzwischen eingetroffen, las Lisas Protokoll und war dann als zweite aufmerksame Begleiterin an unserer Seite. Vielen Dank, dass ihr uns habt ausprobieren lassen aber auch gemerkt habt wann ein guter Rat hilfreich und nützlich sein könnte, wie die Veränderung der Position. Lisa hat uns durch die Geburt geleitet und Johanna war als weitere Stütze mit guten Ideen an ihrer und somit auch unserer Seite. Ich fand ihr habt super zusammen gearbeitet, alles lief wunderbar Hand in Hand.
Es dauerte dann schon gar nicht mehr lang und Amalia war da. Ein winziges, haariges, zerknautschtes Wunder. Nachdem wir kurz die Zeit mit ihr genießen konnten, hat Johanna sie für die U1 mit dem Vater entführt. Während Lisa mit mir auf die Plazenta warteten. Die wollte nicht so recht kommen, doch nach ein wenig Locken und gut Zureden hat sie dann auch ihren Weg gefunden. Frisch geduscht und glücklich auf dem Bett konnten wir dann Johanna und Lisa beim Plazenta-Puzzle zuschauen- „sind alle Teile da?!“
Nach einer stärkenden Suppe und etwas Brot hieß es dann schon fast Abschied nehmen. Johanna hat rücksichtsvoll und sanft meine Dammverletzung genäht und dann sind wir erstmal in den Vorsorgeraum umgezogen, damit alles für die nächste Geburt, die sich schon angekündigt hatte, vorbereitet werden konnte. Dort haben wir Amalia angezogen und Lisa und Johanna haben sich nochmal alle Zeit genommen sich von uns zu verabschieden. Wir sind dann keine Minute zu spät gegangen, im Treppenhaus kam uns schon das nächste Paar entgegen.
Bei der letzten Vorsorgeuntersuchung hatte ich noch zu meinem Mann gesagt „hoffentlich kommt das Baby Abends oder Nachts, hier kann man sicher eine schöne Nachtwanderung machen:“ Der Wunsch hat sich erfüllt. Die Wünsche, die wir mit der Entscheidung verbunden haben ins Geburtshaus zu gehen aber auch. Wir hatten sehr fähige Begleiterinnen die uns den Weg durch diese Nacht gezeigt haben, die uns gut beobachtet haben, ohne dass wir uns überwacht fühlten,

die gute Anregungen gaben ohne meine Intuition anzuzweifeln und uns sehr transparent in alle Schritte mit einbezogen haben Also vielen Dank für so einen guten Start ins Leben, so liebevolle, respektvolle und professionelle Unterstützung und das Vertrauen darein, dass wir schon gut wissen was wir brauchen und wie wir gut ans Ziel kommen könnten. So eine Geburtserfahrung wünscht man jedem und macht auf jeden Fall Lust auf Wiederholung. Vielleicht also bis bald?!

Romy Valentina

Geburtsbericht Romy Valentina

Schon seit der 20 Ssw hatte ich vermehrt mit Übungswehen zu tun, sodass sich mein Gebärmutterhals verkürzte (ich habe auch eine angeborene Bindegewebsschwäche). Daher bekam ich in der 30 Ssw ein Pessar Cerclage eingesetzt, welches in der 37 Ssw entfernt wurde. Danach hatte ich schon oft Wehen, bei denen ich dachte, oh, wenn die stärker werden, geht’s bald los. Aber es dauerte noch etwas und dann…
am 11.9 bin ich morgens um halb 6 uhr nach einer gut geschlafenen Nacht mal wieder mit einer Wehe wach geworden. Da habe ich mir aber noch nicht viel bei gedacht, weil ich ja eh schon viele Wehen immer mal wieder hatte. Dann bin ich erstmal auf Toilette und schon wieder ne Wehe und schon ordentlich schmerzhaft dachte ich mir. Dann wollte ich mich nochmal hinlegen immer noch in dem Glauben, dass es sicher wieder aufhört. Aber nein, im Gegenteil, die nächsten Wehen musste ich schon veratmen. Nun weckte ich dann meinen Mann und sagte ihm, dass heute Romy auf die Welt kommt. Auf dem Weg zum Telefon wieder Wehen zum Veratmen…Puh dachte ich…Wie soll das denn noch werden??? Wir müssen doch noch nach Bielefeld (ca. 30-40 min. Fahrt). Schon bei den letzten Vorsorgen wurde ich darauf vorbereitet, zu Hause nicht mehr in die Badewanne zu gehen oder zu lange zu warten, weil der Gebärmutterhals kurz und alles weich ist. Nicht, dass die Dame noch zu Hause raus möchte ;).
Ich wählte die erste Hebammennummer, Sabine war dran und erzählte wie der Zustand ist…Sie fragte nach der Uhrzeit, kurz vor halb 7, ihr Wecker sollte gleich klingeln :), und sagte nur…fahrt mal los…Ihr müsst ja noch über die Autobahn…oh ja…
Nagut, schnell die Oma für die Große angerufen und als sie da war ging es los. 07:10-07:45 Uhr, Autofahrt ins Geburtshaus…furchtbar war es…
Sabine und Lisa warteten schon draußen und ich schimpfte erstmal zwischen den Wehen. Das tat gut. Aber es war wie bei der Großen, diese Wärme von Sabine und Vertrauen gebende Umgebung beruhigten mich schnell.
Wir gingen direkt ins wunderschöne Geburtszimmer und als ich mich etwas erholt hatte, untersuchte sie mich. Mumu 5cm offen und alles ganz weich. Da war ich erstmal froh.
Die nächsten Wehen waren sehr intensiv und ich merkte da passierte was. Mein Mann war super und unterstützte mich so gut, dass Sabine uns machen ließ.
Nun sollte ich nochmal zur Toilette. Da fingen dann auch schon die Presswehen an und Sabine erlaubte mir dem Druck nachzugeben.
Wieder im Geburtszimmer kamen noch 2 Wehen im Vierfüßlerstand und dann ging ich gestützt von meinem Mann in die tiefe Hocke…nach 2 Presswehen war das Köpfchen da und dann musste Sabine ein bisschen nachhelfen, weil der Körper etwas feststeckte. Dann aber war sie da…8:43 Uhr, Edith schaffte es nicht mehr zur Geburt, In ihrer Fruchtblase die erst kurz nach dem Austreten platzte…Eine Glückshaubengeburt…Wie schön, dachte ich.
Ich nahm sie sofort an meine Brust und wir genossen das wahnsinnig tolle Gefühl zu dritt.
Wir legten uns ins Himmelbett, ließen einen kleinen Dammriss versorgen, nachdem die Plazenta vollständig kam und kuschelten und stillten.
Nach einem tollem Frühstück, einer Dusche und in der Zeit erledigten U1, wo mein Mann mithalf, fuhren wir gegen 12 uhr wieder heim und freuten uns darauf, unserer ersten Tochter ihre Schwester zu zeigen.
Das war wirklich eine sehr schöne Geburt.
Vielen Dank nochmal an alle Hebammen, besonders Sabine, Edith und Lisa bei der Geburt, aber auch allen anderen für eure kompetente Arbeit. Wir haben zwei gesunde Mädchen bei euch geboren und wir sind sehr dankbar dafür!
Lg Vanessa und Marc mit Mona Johanna und Romy Valentina

Aram Alexander

Aram Alexander

Auch wenn wir leider nicht die erhoffte Bilderbuchgeburt im Geburtshaus erleben durften und eigentlich alles komplett anders kam, als wir es uns vorher vorgestellt hatten, haben wir Arams Geburt insgesamt in sehr guter Erinnerung behalten und sind unendlich dankbar für die wunderbare und ausnahmslos kompetente Unterstützung der Hebammen im Geburtshaus und im Franziskus Hospital. Dieser Bericht soll deshalb allen Schwangeren mögliche Ängste vor einer Verlegung nehmen.

Aber der Reihe nach: Nachdem meine Schwangerschaft von meiner Ärztin bestätigt wurde, vereinbarte ich direkt am Tag darauf einen Termin im Geburtshaus, in dem mittlerweile schon einige Kinder aus unserem Freundeskreis auf die Welt gekommen sind und das uns stets als ein wunderbarer Ort für Geburten beschrieben wurde. Sebastian und ich waren zu dem Zeitpunkt einer Krankenhausgeburt aus vielerlei Gründen sehr skeptisch gegenüber eingestellt und wir freuten uns deshalb sehr über den Termin für ein erstes Kennenlerngespräch und die Aussage, dass die begrenzten Kapazitäten des Geburtshauses für den August noch nicht erschöpft waren. Das erste Treffen im Geburtshaus hatten wir mit Kathi, die später auch die Geburt von Aram begleitete. Es folgten dann viele schöne Vorsorgetermine, die ich abwechselnd bei meiner Ärztin und im Geburtshaus wahrnehmen konnte und nach einer absolut unkomplizierten Schwangerschaft blickte ich schon ab Mitte Juli sehr vorfreudig (= ungeduldig) dem Geburtstermin entgegen, der auf den 26. August berechnet wurde.

Zu Beginn meines Mutterschutzes erkrankte leider meine Mutter schwer und die Wochen bis zum Geburtstermin waren von diversen Krankenhausbesuchen, Arztgesprächen und leider auch von schlaflosen Nächten und Sorgen geprägt, die – so rede ich es mir zumindest ein – vermutlich auch dazu führten, dass unser lieber Aram keine Anstalten machte, vor bzw. zum Geburtstermin auf die Welt zu kommen. Meine Ungeduld (und mein Gewicht) nahmen mit jedem Tag zu und ich bin unendlich dankbar für den Zuspruch und die Geduld von Sebastian, unserer Familien und unserer Freunde, die vermutlich auch sehnlich der Geburt von Aram und dem Ende meiner „Heute kommt er bestimmt“ – Ankündigungen entgegenblickten. Schon am ET+8 hätte ich am liebsten den berühmten Wehencocktail zubereitet, aber Dori und Johanna, bei denen ich noch Vorsorgetermine wahrnahm, rieten mir völlig richtig dazu, zu warten, bis Aram den Startschuss gab. Alle mir bekannten Weheneinleitungstipps zeigten auch bis zum ET+11 keine Wirkung, sodass für den ET+12 schließlich doch ein Termin mit Edith vereinbart war und ich anschließend den Cocktail trinken sollte. Als hätte es Aram geahnt, setzten in der Nacht vor dem Termin leichte aber regelmäßige Wehen ein, sodass Sebastian noch vor dem 11 Uhr-Termin im Geburtshaus entschied, sich für die nächsten drei Monate von der Arbeit in die Elternzeit zu verabschieden und mich ins Geburtshaus zu begleiten. Dort war auch Edith begeistert von dem Startschuss, der nun endlich gefallen war und schickte uns ohne die Anweisung, den Cocktail zu trinken, wieder nach Hause, um zunächst noch auf stärkere Wehen zu warten. Gegen halb sechs am Abend wurden die Wehen dann deutlich intensiver und um halb sieben schaute Kathi, die an dem Abend als erste Hebamme eingeteilt war, bei uns vorbei. Zu dem Zeitpunkt war der Muttermund noch kaum geöffnet. Wir sollten uns zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal melden. Nur eine Stunde später steigerten sich die Wehen deutlich und die Wehenabstände reduzierten sich auf unter eine Minute, sodass Sebastian gegen halb neun noch einmal mit Kathi telefonierte und wir verabredeten uns auf viertel vor zehn im Geburtshaus. Die Zeit bis dahin schien mir wie in Zeitlupe zu vergehen und das regelmäßige Atmen fiel mir schwer, obgleich Sebastian mir immer wieder gut zuredete und mich mit Hilfe des gemeinsamen Atmens daran erinnerte, langsam zu atmen. Im Geburtshaus angekommen nahmen Kathi und Lisa, die an dem Tag ihre erste Geburt begleiten sollte, uns in dem liebevoll vorbereiteten Geburtszimmer in Empfang. Kathi schickte mich direkt in die Badewanne und gab mir ein Zäpfchen, damit ich wieder etwas entspannte und sich die Abstände zwischen den Wehen wieder verlängerten. Erst nach der Geburt recherchierte ich die Risiken des Wehensturms und realisierte, wie kompetent und einfach großartig Kathi und Lisa reagiert hatten und mit ihrer ruhigen Art eine Verlegung zu dem Zeitpunkt verhindern konnten. In der Wanne entspannte ich schließlich so sehr, dass wir gegen Mitternacht einen Spaziergang machen mussten, um die Wehen wieder anzuregen. Der berühmte Weg bergauf zu den Weinstöcken zeigte auch seine Wirkung, allerdings war der Muttermund nach unserer Rückkehr erst 4 cm geöffnet und in der Zwischenzeit hatte

sich eine weitere Geburt angekündigt. Während Sebastian und ich im Geburtszimmer verweilten und auf wieder stärkere Wehen und die weitere Öffnung des Muttermundes warteten, hörten wir nebenan schon das erste Baby schreien. Das erste, denn nur kurze Zeit später kündigte sich eine weitere Frau an. Drei Geburten in einer Nacht hatte es im Geburtshaus seit vielen Jahren nicht gegeben und da es bei uns nicht weiterging und die räumlichen Kapazitäten des Geburtshauses begrenzt sind, schlug Kathi uns vor, noch einmal nach Hause zu fahren, um so auch eine Verlegung ins Krankenhaus weiter hinauszögern. So sehr wir uns für die anderen beiden Familien freuten, so frustrierend war selbstverständlich der Gedanke, nun ohne Kind wieder nach Hause fahren zu müssen und irgendwann später dann noch einmal den kurzen aber mir unter den Wehen als sehr unangenehm wahrgenommen Weg zum Geburtshaus fahren zu müssen.

Kaum wieder Zuhause angekommen konnte Sebastian endlich ein paar Stunden schlafen, während bei mir langsam die Wehenaktivität wieder zunahm. Als um halb acht Kathi anrief und sich nach uns erkundigte, waren die Wehen wieder so stark wie am Abend zuvor und sie entschied, zu uns zu kommen, um mich zu untersuchen. In der Zeit bis zu ihrer Ankunft steigerten sich die Wehen noch einmal deutlich, sodass ich schon zu Sebastian sagte, dass wenn der Muttermund jetzt nicht ausreichend für eine Fahrt ins Geburtshaus geöffnet sei, ich einer Verlegung ins Krankenhaus zustimmen würde. Kathi stellte dann leider tatsächlich nur eine 6cm-Öffnung des Muttermunds fest, der mittlerweile zudem geschwollen war und empfahl die Verlegung, da ihrer Einschätzung nach eine natürliche Geburt noch bis zum Nachmittag andauern würde und ihres Erachtens es nun an der Zeit für Schmerzmittel war. Gesagt getan: Damit ich schnell im Kreissaal des Franziskus Hospitals aufgenommen werden konnte, rief Kathi noch von uns zu Hause aus dort an, packte mich schließlich in ihr Auto und begleitete mich zum Kreissaal, während Sebastian, der hinter uns herfuhr, an der Anmeldung die Formalia erledigte. Im Kreissaal angekommen, unterstützte Kathi noch die Hebamme beim Anlegen des CTG, wartete, bis Sebastian bei uns eintraf und sprach uns nochmal Mut zu. Vielen Dank noch einmal dafür, liebe Kathi – dein Engagement war wirklich großartig!

Im Kreissaal ging es dann recht schnell: Nachdem weder Lachgas noch der Wehenhemmer eine schmerzlindernde Wirkung zeigten, riet der behandelnde Arzt mir zur PDA. Ich, die vor Arams Geburt noch der Ansicht war, dass ich nicht besonders schmerzempfindlich bin und deshalb bestimmt keine Medikamente oder gar eine PDA benötigen werden würde, sagte sofort ja und las mir nicht mal mehr den Aufklärungsbogen durch. Bis die PDA gelegt wurde, dauerte es zwar nochmal eineinhalb Stunden, aber die PDA zeigte dann schließlich sofort ihre schmerzbefreiende Wirkung. Nachdem ich dazu aufgefordert wurde, nun erst einmal etwas zu schlafen, schickte ich Sebastian nach Hause, damit er auch noch etwas essen, schlafen und duschen konnte, bevor es dann wieder richtig losgehen sollte. Nur eine Stunde später fand die Entspannung allerdings ein abruptes Ende: Eine Hebamme stürmte in den Kreissaal und bat um mein Einverständnis, Blut aus dem Kopf unseres Babys entnehmen zu dürfen, da sich dessen Werte deutlich verschlechtert hatten. Umgehend nach der Blutentnahme kehrte die Hebamme mit einer weiteren und dem Arzt zurück und eröffnete mir, dass ein Notkaiserschnitt erfolgen müsse, da die Sauerstoffwerte von Aram eine weitere Verzögerung der Geburt nicht zulassen würden. Ich durfte noch kurz Sebastian anrufen und ihm mitteilen, dass Aram nun geboren werden würde, dann wurde ich über die Versorgungsfahrstühle in den OP gefahren – voller Sorge, dass sich nun meine schlimmste Befürchtung erfüllen würde und wir unser Baby verlieren würden. Der Arzt sprach mir zwar netterweise noch gut zu und versuchte mir diese Sorge zu nehmen, der Anblick eines mehrköpfigen OP-Teams und die schnell verabreichte Vollnarkose bewirkten jedoch das Gegenteil. In der Zwischenzeit traf Sebastian auch wieder im Krankenhaus ein, wartete vor dem Kreissaal, ergoogelte noch schnell die Dauer eines Kaiserschnitts (ca. 20 Minuten) als schließlich unsere Hebamme mit einem Bündel Tücher auf dem Arm an ihm vorbeiging. Als er sie ansprach, um sich nach mir zu erkundigen, erwiderte sie, „Ach, Sie sind ja der Mann, oder? Hier, das ist Ihr Sohn“, und drückte ihm unseren Aram in den Arm. Als ich schließlich eine halbe Stunde später wieder auf die Station gebracht und in ein Zimmer gefahren wurde, wartete Sebastian bereits mit Aram an seiner Brust auf mich. Unendlich glücklich genießen wir seitdem jede Minute mit unserem Baby, der nächste Woche bereits vier Monate alt wird

und sind dankbar für die wunderbare und kompetente Versorgung im Geburtshaus und im Krankenhaus, dank der unser Aram kern gesund auf die Welt gekommen ist.

 

Nila

 

 

Eigentlich begann alles am 28.09.2018, eine Woche vorm ET:

Am späten Nachmittag war ich beim Ballett und scherzte mit der Ballettlehrerin, dass die Kleine sicherlich noch lange drinbleiben wird. Ich sprang Grand Jetés, drehte (dank Bauch) schwungvolle Pirouetten und fuhr anschließend erschöpft aber glücklich mit dem Fahrrad nach Hause.

 

Wir hatten abends noch Besuch, währenddessen drückte sich das Baby immer wieder unangenehm raus – im Nachhinein frage ich mich, ob das nicht schon erste Wehen waren?

Die Nacht war dann anstrengend, ich habe kaum ein Auge zugemacht. Es zog und drückte, klassische Senkwehen, dachte ich.

 

29.09.2018: morgens sind wir spazieren gewesen, das ziehen im UL war noch da, aber nach wie vor dachte ich mir nichts dabei, immerhin war ich auch da noch fest davon überzeugt, dass die Geburt noch einige Tage auf sich warten lassen wird.

Wieder zuhause hat mein Partner mich ins Bett geschickt, da ich aufgrund der Nacht recht erschöpft war. Aber das Ziehen wurde nicht besser.

 

Also bin ich zur Entspannung in die Wanne und habe aus Neugierde eine Wehen-App runtergeladen. Dachte ich übe mal für den Ernstfall. Immer wenn das Baby sich „rausdrückte“ und es in Folge dessen im UL zog, habe ich auf „Start“ gedrückt und auf „Stopp“, wenn der Bauch wieder normaler aussah und das Ziehen aufhörte.

Laut App wiederholte sich dieses Spiel alle 5-6 Minuten und dauerte so 45 Sekunden an. Huch? Könnten das…? Google angeschmissen, allgemeiner Tenor: „Echte Geburtswehen erkennt man sofort, die tuen unglaublich weh.“

Ne, das sind dann wohl keine Geburtswehen.

 

Gegen 16 Uhr, dieses Ziehen kam nach wie vor alle 5 Minuten und wird auch in der Wanne nicht weniger. Das ließ mich wieder stutzen, ich rief also meine Schwester an, habe ihr beschreiben, was passierte und wie es sich anfühlte. Ihr Fazit: „das sind Geburtswehen“. Erste Reaktion meinerseits: „Aber ich habe heute keine Zeit!“

Ich habe entschieden, dass das sicherlich ein Fehlalarm ist und habe einfach in der Wanne weitergechillt.

 

Nach der Wanne informierte ich aber doch meinen Partner, dass es „ganz ganz vielleicht, aber eher nicht“ heute losgeht und ich nun einen Kuchen backe, wie für den Tag der Geburt geplant.

 

Als der Kuchen um 18 Uhr im Backofen war, hatte ich das Bedürfnis, im Geburtshaus anzurufen. Mittlerweile waren die Wehen etwas stärker und ich musste mich unterdessen vermehrt auf meine Atmung konzentrieren. Fand sie aber ansonsten gut auszuhalten und nicht wirklich schmerzhaft, weswegen ich weiterhin skeptisch war.

Am Telefon war Johanna, ich hatte während des Gesprächs eine Wehe und ihr detailliert geschildert, wie sich diese anfühlt und wie sie aussieht.

Sie bestätigte, dass das wohl Geburtswehen sind, aber ich solle mich noch etwas gedulden. Da ich problemlos unter einer Wehe reden kann und diese meist unter 1 Minute andauern, wird das wohl noch dauern. Wir machen ab, dass ich erstmal zuhause bleibe und darauf warte, dass die Wehen intensiver werden.

 

Um 19:45 Uhr rief ich erneut Johanna an, da die Wehen nun schon 90 Sekunden andauerten und reden während einer Wehe nicht mehr ging, zu sehr musste ich mich auf die Atmung konzentrieren. Auch sonst war ich immer weniger ansprechbar und sehr in meiner eigenen Welt.

Johanna schickte mich in die Wanne und wenn ich meine, danach will ich los, soll ich anrufen und sie macht sich auf den Weg.

Also Wannensession Nr. 2. Verglichen zur Ersten war diese deutlich unangenehmer: sitzen ist doof und der Wannenboden hart.

Was ich gruselig und faszinierend zugleich fand: in den Wehenpausen hat das Baby sich regelmäßig bewegt, dann blubberte es untenrum. Ich schlussfolgerte, dass der Muttermund wohl mittlerweile ein Stück weit geöffnet ist.

 

Um 20:30 Uhr bin ich raus, mein Partner half mir beim Anziehen. Nochmal auf Klo, dort geht der Schleimpfropf blutig ab. Ich rufe ein letztes Mal Johanna an und gebe Bescheid, dass wir gleich losfahren. Immerhin haben wir auch noch eine weitere Strecke vor uns.

 

Es war im Auto, vermutlich so um 21:20-21:30 Uhr, als die Wehen plötzlich merkwürdig wurden.

Während einer Wehe krampfte sich alles zusammen. Das war so eine Urgewalt und ich habe ziemlich merkwürdige Geräusche von mir gegeben. Da ich bis dato unter Wehen keinen Pieps von mir gegeben hatte, war mein Partner etwas erschrocken und wollte erstmal rechts ranfahren. Aber ich wollte auf schnellsten Wege ins Geburtshaus. Vielleicht war es das „der Druck nach unten“, von dem Johanna am Telefon sprach? Denn nun drückte es tatsächlich.

 

21:40 Uhr: wir sind endlich am Geburtshaus angekommen. Mein Partner hat mich zur Tür gebracht, wo Johanna mich entgegennahm. Das Geburtszimmer war schön dunkel und ich fühlte mich sofort wohl, ließ mir von Johanna die Schuhe ausziehen (der Bauch…) und wurde dann auf Klo geschickt: zum Entleeren „so gut es geht“.

Diese krampfartigen Wehen waren in der Zwischenzeit Wehen gewichen, die sich eher anfühlten, als müsste ich dringend auf Klo. Ich dachte mir aber nichts weiter dabei, fand es eigentlich sogar ganz praktisch, dabei auf Klo zu sitzen. Nach 4 Wehen, in denen nix kam, habe ich das mit dem „Entleeren“ aufgegeben.

 

Nun war es etwa 21:55 Uhr. Kaum runter vom Klo fühlte es sich plötzlich komisch an zwischen den Beinen. Ich lief breitbeinig zu Johanna, die kurz die Herztöne und den Muttermund überprüfen wollte.

Wir warteten eine sich gerade anbahnende Wehe ab. Ich stemmte die Hände in die Hüfte (als eine Art Gegendruck) und konzentrierte mich auf meine Atmung.

Als die Wehe vorbei war, wurde dann nach dem Herz gehört, es wummerte ordentlich, laut Johanna „alles bestens“. Die nächste Wehe kam und ging, ich zog zügig die Hose aus und legte mich aufs Bett zur Muttermund-Kontrolle, viel Zeit war ja nicht zwischen den Wehen.

 

Johanna vermeldete ein erstauntes: „Du bist vollständig eröffnet“ – und das, was ich da spüre, ist die Fruchtblase!

Edith, die als Back-Up-Hebamme im Dienst war, wird Bescheid gegeben, dass sie sich am besten sofort auf den Weg machen sollte.

 

Und dann sagte Johanna allen Ernstes zu mir: „Wenn du willst, kannst du bei der nächsten Wehe versuchen mitzupressen“. Damit hatte ich nicht gerechnet, wartete ich doch immer noch auf die schmerzhaften Geburtswehen, von denen immer alle sprechen.

Folien wurden auf den Boden ausgelegt, mein Partner angewiesen sich auf den Rand des Bettes zu setzen und ich davor in eine tiefe Hocke. Überrumpelt wie ich war, ließ die nächste Wehe auf sich warten.

 

Als diese dann endlich einsetzte, konzentrierte ich mich darauf, „richtig“ zu atmen. Tief nach unten, wie ich es vorher mithilfe von YouTube-Videos geübt hatte.

Und dann war der Kopf schon halb da. Die Fruchtblase war immer noch intakt, also hat Johanna diese manuell geöffnet.

„Sie hat ganz viele Haare!“ sagte sie und ich dachte„die verarscht mich doch“ 😀

Auch wurde ich gefragt, ob ich das Köpfchen anfassen mag, aber ich verneinte. Keine Zeit, ich musste mich konzentrieren!

Nächste Wehe, und wieder tief nach unten atmen. Und dann machte es plöpp und der Kopf hing zwischen meinen Beinen. Ein Mix aus Erleichterung und Begeisterung erfasste mich.

Auch sah ich nun die Haare. Johanna hatte nicht gelogen, da waren wirklich ganz viele dunkle Haare.

Noch eine Wehe, noch einmal tief nach unten atmen und dann machte es schwupp und ein kleines, winziges Baby lag schreiend vor mir. Es war 22:11 Uhr. Dreißig Minuten nach der Ankunft im Geburtshaus war unsere kleine Nila geboren.

 

Ich heulte, wie ich im Leben noch nicht geheult hatte.

Man bekommt es vorher erzählt, aber dieses Gefühl, diese Überwältigung, das war der Wahnsinn.

Sie war sooo perfekt und sooo süß! Und sie war putzmunter.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus, streichelte sie ganz vorsichtig und redete meine ersten Worte „Es ist wirklich ein Mensch!“

 

Nach auspulsieren und abnabeln wurden wir aufs Bett verfrachtet und durften nun ganz in Ruhe zu dritt kuscheln. Es war wirklich idyllisch.

Edith kam zwischenzeitlich, etwas zu spät 😉

 

Die Plazenta kam eine halbe Stunde später nach zwei weiteren Wehen.

Kleiner Wermutstropfen: da die Geburt am Ende so rasant ging, habe ich leider mehrere Risse davongetragen und musste genäht werden. Auch war mein Kreislauf zwischenzeitlich ganz schön im Keller, da spürte ich dann erstmals, was eine Arbeit mein Körper an diesem Tag geleistet hatte.

Die U1 wurde von Edith und dem frischgebackenen Papa durchgeführt, dann gab es noch eine Stärkung mit Brot, Joghurt und Obst, während Nila das erste Mal gestillt hat. Als mein Kreislauf wieder stabiler war konnten wir nach Hause.

 

Nun sind fast 8 Wochen rum, wir sind schwer verliebt in unsere kleine, perfekte Tochter und ich denke immer wieder gerne an diese Traumgeburt zurück. Auch wenn ich gedacht hatte, ich würde unter der Geburt mehr Zeit im Geburtshaus verbringen, war es doch perfekt wie es war. Besonders schön ist es, dass mit Johanna die Hebamme die Geburt durchführte, bei der ich den ersten Termin während der Schwangerschaft im Geburtshaus hatte. So wurde der Kreis geschlossen 🙂

 

 

Piet

Geburtsbericht Piet 19.09.18

 

Am 19.09.2018 ist unser Sohn Piet etwas überraschend und rasant in unsere Familie geboren. Er hat unsere Herzen im Sturm erobert und macht uns als Familie komplett.

 

Da unsere Tochter schon vor drei Jahren im Geburtshaus das Licht der Welt erblickt hat, war für uns völlig klar, auch dieses Kind wird im Geburtshaus geboren. Wir haben uns früh angemeldet und es folgte eine völlig komplikationslose und entspannte Schwangerschaft. Ich hatte früh einen besonderen „Draht“ zu meinem Kind und habe zu meinem Freund gesagt:

– „Das wird ein besonders cooler Typ!“

Der errechnete Geburtstermin war der 05.10.2018. Mein Gefühl sagte mir allerdings, dass unser Sohn ein bisschen früher kommt und ich hätte schwören können, die Geburt beginnt mit einem Blasensprung.

Am 19.09. wachte ich morgens mit einem Blasensprung auf.

Also war klar: Es geht los!

Ich habe im Geburtshaus angerufen und hatte Sabine am Apparat. Mit ihr habe ich das weitere Vorgehen besprochen und wir haben verabredet, dass ich mich melde, wenn sich regelmäßige Wehen einstellen. Unsere Tochter haben wir für den restlichen Tag und die kommende Nacht bei der Oma einquartiert.

Mir war ganz wichtig, so lange wie möglich entspannt zu bleiben, um nicht zu sehr in den Schmerzkreislauf zu kommen.

Unser Credo lautete also: Wir machen uns einen richtig schönen Tag!

 

Gegen 11Uhr hatte ich leichte, aber regelmäßige Wehen und ich habe Sabine erneut angerufen und wir beschlossen, dass wir uns im Geburtshaus verabreden wenn die Wehen schön knackig kommen. In den nächsten Stunden hat die Wehenintensität zugenommen und gegen 15Uhr beschlossen mein Freund und ich, dass wir uns nun langsam auf den Weg ins Geburtshaus machen können. Wir riefen Sabine an und verabredeten uns in ca einer Stunde.

Die nächste Wehe überrollte mich mit so einer Kraft und Intensität, dass mir sofort klar war: Das schaffen wir nicht mehr.

Nicht nur, weil ich mir nicht mehr vorstellen konnte im Auto zu sitzen, sondern auch weil ich fürchtete die Fahrt, könnte mit die Gelassenheit nehmen.

Von jetzt auf gleich konnte ich nicht mehr stehen und nicht mehr telefonieren. Ich bin im Vierfüsslerstand auf das Sofa und bat meinen Freund, Sabine erneut anzurufen. Der teilte nun etwas verunsichert mit, dass sie kommen müsse und sich die Pläne geändert haben.

Also eine Hausgeburt – Ungeplant – wir hatten nichts vorbereitet, keine Unterlagen, keine Tücher – gar nichts – nur die innere Haltung mich durch nichts auf der Ruhe bringen zu lassen. Da ich wusste, dass wir es bei einer Geburt mit allerlei Körperflüssigkeiten zu tun kriegen, fühlte ich mich auf dem Sofa nicht mehr wohl und forderte meinen Freund auf, mir eine Badewanne einlaufen zu lassen. Mit Müh und Not und Unterstützung konnte ich meinen Platz vom Sofa zur Badewanne wechseln. Hier wollte ich mein Kind zur Welt bringen.

Mein Freund telefonierte zwischendurch mit Sabine und flehte mich an, auf Sabine zu warten. Das war gar nicht soo leicht, aber um 16:30Uhr stand Sabine im Badezimmer und wir waren heilfroh für die warmherzige und kompetente Unterstützung. Nach einer kurzen Untersuchung war klar, dass der Muttermund eröffnet ist. Sabine machte mir Mut, lobte mich und sagte ich könne auf meinen Körper  und meine Intuition hören und mitschieben, wenn ich das Bedürfnis  habe.

Unter ihrer Anleitung, konnte ich ganz sanft und vorsichtig das Köpfchen in mehreren Wehen raus schieben und der Körper flutschte in der nächsten Wehe hinterher. Dann bellte der Hund, Lisa die zweite Hebamme klingelte an der Tür und ich hörte zum ersten Mal die Stimme unseres Sohnes.

Was für ein großartiger Moment!!!

Und dann konnten wir ihn endlich kennen lernen, diesen coolen Typen, der uns diese wunderbar ungeplante Traum-Hausgeburt beschert hat.

 

Vielen Dank liebe Hebammen vom Geburtshaus Bielefeld, dass ich mit euch meine Kinder zur Welt bringen durfte! Ihr macht einen großartigen Job!