Für mich war immer schon früh klar; sollte ich einmal schwanger werden, würde ich möglichst nicht im Krankenhaus entbinden wollen. Nun kam die freudige, unerwartete Bestätigung meiner ersten Schwangerschaft. Als ich dem Papa erzählte, dass ich nicht im Krankenhaus entbinden wolle, war dieser zunächst sehr irritiert. Ich erklärte ihm die Möglichkeit, z.B. im Geburtshaus entbinden zu können und da war die Entscheidung für uns beide für den Mittelweg zwischen Krankenhaus und Hausgeburt schnell klar.
Ich suchte zunächst übers Internet eine Hebamme, die im Geburtshaus arbeitete und wurde glücklicherweise schnell fündig. Nach einem Telefonat wurde mir von der Hebamme Jule geraten, mich zeitnah im Geburtshaus zu melden und wir bekamen tatsächlich eine Zusage für die Geburtsbegleitung. Von da an ging ich für die Vorsorgetermine ins Geburtshaus und ließ nur noch die nötigsten Ultraschallbilder beim Gynäkologen machen.
Nun ließ mich der Gedanke einer Hausgeburt nicht locker. Warum erst noch zum Geburtshaus hinfahren, wenn man es sich zuhause gemütlich machen kann?! Ich kam beim Papa also wieder mit der Idee um die Ecke, eine Hausgeburt zu planen. Nach seiner Zustimmung und Rücksprache mit dem Geburtshaus, wurde die Hausgeburt entgegen der Unsicherheiten anderer Familienmitglieder geplant. Für mich fühlte es sich eben genau richtig an. Die Kontrolltermine im Geburtshaus verliefen problemlos und wir haben uns sehr wohl dort gefühlt. Es gab auch immer etwas zu lachen? Der ET rückte näher, so dass wir die Wohnung mit einer Menge Kerzen in jedem Raum schmückten und alles weitere vorbereiteten. Vom Besuch im Kreissaal im naheliegenden KH war ich übrigens doch positiv überrascht.
Am 12.12.2025 war es dann soweit; 5 Tage nach meinem ET. Vormittags bin ich noch mit unserem Pferd spazieren gegangen und abends waren wir bei der Familie des Papas zu Besuch. Ich hatte seit Tagen immer mal wieder kurze Unterleibschmerzen aber keine weiteren Anzeichen. Einige der Anwesenden meinten, dass es bis zur Entbindung noch dauern werde. Mit einem Lachen verabschiedete ich mich spät abends und sagte, dass unser Baby morgen kommen werde. Gerade zuhause angekommen, hatte sich etwas in meinem Unterleib gelöst. So stand ich überrannt von Gefühlen mit Tränen in den Augen vor dem Papa und meinte: „Ich glaube es geht los.“ Wir schauten auf die Uhr, es war 00:38 Uhr, denn wir wollten die Zeit wegen der Wehenaktivität im Blick behalten.
Wir machten uns fertig fürs Bett und zündeten die ersten Teelichter sowie die selbstgestaltete Geburtskerze von der Babyparty an. Der Papa schlief wie immer zügig ein. Ich lag im Bett und merkte wie die Wehen immer stärker wurden. Irgendwann mitten in der Nacht waren sie dann so stark, dass ich aufstehen und mit den Händen gegen die Wand drücken musste. Es steigerte sich soweit, dass ich es im Sitzen nicht mehr aushalten konnte und zwischen Stehen und Liegen wechselte. So verbrachte ich die Nacht und musste mich zwischendurch zweimal übergeben. Ich entschied mich bewusst gegen ein Bad in der Badewanne, weil ich die Wehen im Sitzen zu unangenehm empfand.
Morgens wurde es dann immer intensiver. Ich lief durch die Wohnung. Bei jeder aufkommenden Wehe stemmte ich die Hände gegen die Wand so doll ich konnte und versuchte die Wehen weg zu atmen. Gegen Mittag riefen wir das erste Mal im Geburtshaus an, weil wir unsicher wurden wie lange wir warten sollten, dort Bescheid zu geben. Da ich mich am Telefon zusammengerissen hatte, bekamen wir zunächst einen CTG-Termin für 15 Uhr. Nachdem das Telefonat beendet war, schaute ich den Papa an und sagte, dass ich mich mit den Wehen nicht mehr in ein Auto setzen könnte. Ich hielt noch weiter durch; wechselte instinktiv immer häufiger ins Schlafzimmer, kniete mich vors Bett und atmete die Wehenschübe stimmhaft ins Bett aus. Ich fing an, mich weiter auf die Schübe einzulassen und den Körper mitzubewegen. Der Papa rief erneut im Geburtshaus an und gab Bescheid, dass die Hebammen kommen müssen. Die erste Hebamme Ina kam gegen 14 Uhr. Das weiß ich noch. Ich war im Schlafzimmer wieder kniend vorm Bett und war dankbar, dass sie da war, um mich zu unterstützen. Gleichzeitig holte mich die Ankunft ein kleines bisschen in die Realität zurück und brachte mich etwas aus dem Rhythmus. Der Papa bereitete in der Küche eine kleine Stärkung für alle vor, während Ina mich nun anleitete, immer wieder Tipps bezüglich der Stellung gab, Herztöne überprüfte und ab und zu Fragen stellte. Ich nahm ihre Stimme sehr beruhigend und klar wahr, war aber irgendwie auch nicht mehr ganz anwesend. Ich konnte mich zuhause ganz fallen lassen. Relativ schnell nach meinem Zeitgefühl wurde dann die zweite Hebamme gerufen. Ich versuchte bestmöglich auf meinen Körper zu hören, nahm die Wehenschübe an und brüllte mittlerweile dabei instinktiv ins Bett. Der Papa kam auch wieder ins Schlafzimmer. Er brachte mir Wasser und eine Banane. Da biss ich einmal rein und hatte dann das Gefühl, dass mir eher schlecht davon wurde. Er streichelte mir die Haare und küsste meinen Kopf. Es tat gut, ihn da zu haben.
Nach ein bisschen Zeit hatte ich das Gefühl, dass es nie klappen würde. Wie sollte unser kleines Baby da durch passen? Auch Ina merkte wohl, dass mir noch ein bisschen Unterstützung guttun würde und bat mich ins Bad auf die Toilette. Das hat mir wirklich gutgetan. Irgendetwas löste sich und ich bekam ein spürbar besseres Gefühl fürs Pressen und vor allem fürs Loslassen. Überrascht bemerkte ich jetzt erst, dass der Papa zwischenzeitlich alle Kerzen angezündet hatte. Irgendwann bevor ich ins Badezimmer wechselte, hatte ich wohl auch angefangen rein intuitiv (und durchs schwitzen) mich immer weiter auszuziehen; so richtig habe ich das selber nicht mehr wahrgekommen; saß aber höchstens nur noch leicht bekleidet auf der Toilette. Ich sollte nun wieder ins Schlafzimmer wechseln. Erst dachte ich, dass ich das nicht schaffen werde; wusste aber auch, dass ich nicht auf der Toilette bleiben konnte und raffte mich auf wieder ins Schlafzimmer zu gehen. Es klappte. Dort nahm ich dann mit dem Papa zusammen eine Stellung ein. Ich presste meine Knie in seine Hände und alsbald ging es richtig los. Ich war wie weg und funktionierte einfach. Ich nahm die Stimme von Ina wahr, die mich weiterhin ruhig und klar anleitete. „Du musst über den Schmerz hinaus. Ein kleines bisschen. Du schaffst das!“ Dabei war wohl mit der wichtigste Satz. Und es funktionierte. Ich merkte, dass es sich trotz der Schmerzen richtig anfühlte und sich eine riesige Stärke in mir ausbreitete. „Der Kopf kommt.“ Das war der größte Motivationsschub überhaupt. Ich schaute an mir runter, sah das kleine Köpfchen unseres Engels und ab da ging alles so schnell, dass es sich wie Sekunden für mich anfühlte bis Narin nun am 13.12.2025 um 16.23 Uhr geboren war. Ich nahm sie überglücklich und überwältigt direkt in den Arm, während der Papa noch hinter uns saß und ebenfalls seine Hand reichte. Der Raum war so voller Liebe, Glückseligkeit, Ruhe und Frieden. Ich glaube Narin hatte ganz kurz aufgeschrien; so richtig kann ich mich daran nicht erinnern. Ich durfte nach ihrer Auspulsierung die Nabelschnur durchschneiden und jeder wünschte der kleinen Maus etwas.
Nach kurzer Zeit wechselten wir ins Bett und Narin suchte die Brust. Ich war zunächst etwas unbeholfen, so dass mir die Hebamme Vanessa beim ersten Anlegen kurz half. Nachdem wir allein zu dritt Zeit zum Ankommen bekommen hatten, kamen Ina und Vanessa zurück ins Schlafzimmer. Ab hier weiß ich die Reihenfolge nicht mehr sicher: Ich gab die kleine Maus dem Papa auf die Brust. Beide schliefen typischer Weise schnell ein:D Vanessa begleitete mich während der Nachgeburt im Bett und ging mit mir ins Badezimmer zum Duschen. Tatsächlich wurde mir noch ein bisschen schwindelig. Ganz in Ruhe wurden auf dem Bett auch die ersten Untersuchungen an der kleinen Maus durchgeführt während ich nebenbei verarztet wurde. Die Plazenta wurde untersucht und wir hatten auf dem Balkon einen Blumentopf vorbereitet, indem sie anschließend „eingepflanzt“ wurde.
Schließlich räumten die Hebammen sogar alles noch soweit auf, verabschiedeten sich herzlich und mit der kleinen Maus auf dem Bauch schlief ich geschafft aber sehr zufrieden und beseelt ein.
Für mich war es trotz der Anstrengungen und Schmerzen genau die richtige Entscheidung zuhause zu entbinden. Es war eine so schöne Geburt; von tollen Menschen begleitet, die mir eine intuitiv selbstbestimmte Geburt ermöglicht haben; ohne Stress mit klarer Unterstützung, viel Liebe, Fürsorge und Verständnis. Ich würde mich immer wieder für die Begleitung durch das Geburtshaus entscheiden und bin immer noch sehr dankbar für die wundervolle Hausgeburt.
Herzliche Grüße und ein riesiges Dankeschön; macht weiter so!







