Juna – Eine wunderschöne Wassergeburt

Nach einer schönen und unkomplizierten Schwangerschaft, in der ich das Geburtshaus bereits durch die Vorsorgetermine, und den tollen Vorbereitungskurs bei Maren kennenlernen konnte, setzten am 03.07.2022 nachts gegen 4 Uhr meine Wehen ein. Gegen halb 6 weckte ich meinen Mann, und da die Geburt meines ersten Sohnes schon sehr flott vonstattenging, meldeten wir uns recht prompt im GH. Johanna nahm ab und bat uns, auf einen kürzeren Wehenabstand zu warten und uns wieder zu melden. Die Abstände wurden sehr schnell kürzer, so dass sie uns dann um 6.20 Uhr ins Geburtshaus bestellte. Dort angekommen erklärte sie meinem Mann, dass sie vor wenigen Minuten eine andere Frau verlegt hatten, und schon die ganze Nacht auf den Beinen seien. Sie schlug uns vor, noch eine halbe Stunde spazieren zu gehen und dass sie in der Zeit die Wanne einlassen würde. Es war ein wunderschöner, für die frühe Uhrzeit bereits sehr warmer Morgen und wir genossen den Spaziergang, auf dem die Wehen nun stärker wurden, und vereinzelt schon veratmet werden mussten. Zurück im Geburtshaus ging ich dann gegen halb 8 in die Badewanne. Die Wehen wurden stärker und ich begann zu tönen. Johanna setzte sich, eine enorme Ruhe ausstrahlend, zu uns ins Bad und unterhielt sich mit meinem Mann. Ich konnte ganz bei mir sein, fühlte mich in keiner Weise dazu gedrängt, am Gespräch teilzunehmen und genoss die leisen Stimmen im Hintergrund. Johanna kontrollierte gelegentlich Junas Herztöne, die während der ganzen Geburt immer entspannt blieben und ließ mich ansonsten vollkommen in Ruhe. Genau das hatte ich mir von der Geburt im GH erhofft und das schien Johanna genau zu spüren. Nach einem Gang zur Toilette stellte sie die Frage, ob ich erneut in die Wanne wolle, und da ich mir nicht vorstellen konnte, weiter zu sitzen oder auf dem Rücken zu liegen (die Wehen waren inzwischen sehr stark) schlug sie den Vierfüßler vor. Dankbar für diese großartige Idee stieg ich um 9 Uhr zurück in die Wanne. Johanna holte Edith hinzu und um 9.14 Uhr nahm ich überglücklich, unendlich dankbar und erleichtert unser Mädchen aus der Wanne und legte sie auf meine Brust. Ganz in Ruhe durfte die Nabelschnur auspulsieren und wurde dann von meinem Mann durchschnitten. Er begleitete Edith und Juna nach nebenan, während ich, nach wie vor voller Ruhe die Plazenta gebar. Ich konnte mich direkt abduschen und fühlte mich schon wieder recht frisch, als ich mich mit meinem Mann und Juna in das schöne Himmelbett legen durfte. Das erste Stillen funktionierte prompt und nach einem leckeren Brötchen und Kaffe und einem ausgiebigen ersten Kuscheln durften wir bereits um halb 12 wieder nach Hause fahren.  

Ich hatte das große Glück, schon bei meinem Sohn eine schöne, schnelle Geburt erleben zu dürfen, aber genau das, was ich damals im Krankenhaus vermisst hatte, wurde bei Junas Geburt im Geburtshaus wahr. Ich war die ganze Zeit über selbstbestimmt, aber dennoch total sicher und Johanna, Edith und die wundervollen Räumlichkeiten haben mir wahnsinnig viel Ruhe und Kraft gegeben. Auch mein Mann, dem eigentlich eine Klinikgeburt lieber gewesen wäre, hat sich letztendlich die ganze Zeit sehr sicher und gut aufgehoben gefühlt und war froh über die Entscheidung für das GH.

Ich danke dem ganzen Team für die tolle Arbeit und die liebevolle Atmosphäre, Johanna und Edith für eine super ruhige, respektvolle und sichere Begleitung der Geburt, bei der man ihnen nie anmerkte, dass sie schon so lang auf den Beinen, und sicherlich sehr erschöpft waren, und vor allem Maren für den tollen Vorbereitungskurs und noch mehr für die zuverlässige, liebevolle Nachsorge im Wochenbett.

Wie schön, dass Frauen in Bielefeld die Möglichkeit einer solchen Geburtserfahrung haben.

Vielen Dank!

Die Geschichte einer Fehlgeburt

Die Schwangerschaft unserer ersten Tochter war, abgesehen von kleinen Zipperlein, eine sehr gute Schwangerschaft. Somit hatten wir uns auch direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest für die Begleitung während der zweiten Schwangerschaft und für die Geburt im Geburtshaus gemeldet. Leider sollte dieses Mal aber alles anders werden.

Nach dem ersten Ultraschall in der fünften Woche war ich zufrieden und beruhigt und habe die nächsten drei Wochen, bis zum nächsten Ultraschalltermin voller Freude verbracht und wir haben uns schon ausgemalt, wie es wird mit zwei kleinen Kindern ein gemeinsames Leben zu führen. Der „Projektname“ für diese Schwangerschaft und das kleine Wesen in meinem Bauch war Rudolpho. Freunde haben sich mit uns gefreut und schon bald war der Name Programm.

In der achten Woche stand dann der nächste Ultraschalltermin an. Mein Freund und ich hatten den Babysitter organisiert und sind voller Vorfreude auf den ersten Herzschlag zu meiner Frauenärztin gefahren. Leider gab es keinen Herzschlag zu sehen. Ich konnte kaum atmen als sie immer weiter guckte, ob nicht doch etwas zu sehen ist. Mir liefen die Tränen aus den Augen und es waren so viele Gedanken in meinem Kopf, dass ich mich nicht sortieren konnte. Sie überwies uns dann an das Krankenhaus. Sie sagte, dass dort bessere Geräte wären, aber im Inneren wusste ich, dass diese Schwangerschaft zu Ende ist. Im Krankenhaus mussten wir fast drei Stunden warten. Ich fing immer wieder an zu weinen, hatte aber auch immer wieder einen kleinen Funken Hoffnung, dass es doch noch nicht vorbei ist.

Auch bei dieser Untersuchung konnte kein Herzschlag festgestellt werden. Leider war auch die Ärztin erst in ihrem ersten Jahr und man merkte ihr die Aufregung an. Für mich kaum aushaltbar. Sie setze immer wieder an uns zu erklären, welche Möglichkeiten wir jetzt haben (abwarten, Medikamente zu Einleitung der „Geburt“ und eine Ausschabung), mittendrin unterbrach sie sich aber immer wieder, sagte mir kurz das kein Herzschlag zu sehen sei und setzte wieder an, welche Möglichkeiten, inklusive Risiken es bei Variante eins und zwei geben könnte. Über die Risiken einer Ausschabung wurde ich nicht ein Mal informiert. Am Ende wiederholte sie noch einmal die nun vorhandenen Möglichkeiten und sagte mir, ich müsse mich nun entscheiden was ich möchte. In meinem Kopf drehte sich alles und es war unmöglich eine Entscheidung zu treffen. Auch wollte ich alles in Ruhe mit meinem Freund besprechen, aber ich fühlte mich auch unter Druck etwas sagen zu müssen. Noch ohne Hose stand ich im Untersuchungsraum, war am Weinen und versuchte einen Gedanken fassen zu können. Zum Glück sagte dann mein Freund, dass wir jetzt erst einmal nach Hause gehen, da ja an sich alles gut sei und wir dann gemeinsam alles Weitere überlegen würden. Ich war ihm so dankbar, mir hätte die Kraft dafür gefehlt!

Die nächsten Tage haben wir getrauert aber auch gelacht. Wir haben sofort mit Freunden und unserer Familie über alles gesprochen und dadurch sehr viel Zuspruch erfahren. Für uns war es nie eine Option die Fehlgeburt nicht zu kommunizieren. Und es wurde schnell deutlich, wie vielen anderen Frauen es auch so geht. Das eine Fehlgeburt nichts ist, dass selten ist. Und wir waren überrascht, wie viele Menschen um uns herum diese Erfahrung bereits gemacht haben oder jemanden kennen, der eine Fehlgeburt hatte. Vorher haben wir das so nicht erfahren. Und genau dieser Zuspruch hat uns Halt und Kraft gegeben. Wir waren nicht alleine! Zudem hatten wir das Glück, dass uns Jule aus dem Geburtshaus telefonisch zur Seite stand. Ebenso haben wir mit einer Hebamme aus Spanien gesprochen (mein Freund ist Spanier), die selber eine natürliche Fehlgeburt hatte. Somit waren wir gut vorbereitet und begleitet für die kommenden Tage, da ich ebenfalls abwarten wollte, bis die Natur die Schwangerschaft beendet und „Rudolpho“ auf natürlichem Weg zu uns kommen mag. Und auch wenn es eine andere Art der Geburt ist hatte ich das Gefühl, das bin ich ihm oder ihr schuldig. Auch wenn das

kleine Herz wohl nie angefangen ist zu schlagen. Die Vorstellung einer Ausschabung war für mich so schmerzhaft, dass ich mir das nicht vorstellen konnte.

Ich fühlte mich in den nächsten Tagen sehr merkwürdig. Das Wissen, etwas Totes in mir zu tragen war schon sehr komisch. Auf der anderen Seite wollte ich es manchmal auch nicht wahrhaben und hatte immer wieder den Gedanken, dass evtl. doch noch alles gut wird. Ich wusste auf welche Anzeichen einer beginnenden Entzündung ich achten muss, wusste aber auch, dass ich Anzeichen einer beginnenden Geburt erwarten kann. Ich habe mich dann entschieden, die Zeit immer nah an Bielefeld dran zu bleiben, nicht weg zu fahren und zu gucken, was mein Körper mir sagt. Ich habe Akkupunktur bei einer Freundin gemacht und in der halben Stunde habe ich mich von „Rudolpho“ verabschiedet. Mein Freund hat sich gut um unsere Tochter gekümmert und wir haben immer wieder viel über die Fehlgeburt und wie es uns damit geht gesprochen. Mir hat es sehr gutgetan.

Ca nach einer Woche fühlte ich mich nicht gut. Meine Frauenärztin hatte keine Zeit, somit bin ich zu meiner Hausärztin. Da mein unterer Bauch druckempfindlich war sollte ich ins Krankenhaus gehen. Dort konnte der Arzt nicht verstehen was ich von ihm wollte, da ich ja nicht dortbleiben und auch keine Ausschabung haben wollte. Das ich erst einmal darum gebeten hatte, dass er schaut, ob es eine Entzündung oder andere Komplikationen gibt, wollte er erst nicht hören. Am Ende hat er die Untersuchungen gemacht. Der Ultraschall und auch die Blutergebnisse waren in Ordnung. Für mich wieder ein Termin im Krankenhaus bei dem ich mich dem Arzt ausgeliefert gefühlt hatte. Wäre ich nicht voller Sorge um eine evtl. Komplikation gewesen hätte ich mich nicht eine Sekunde von dem Arzt berühren lassen. Aber es ging nicht anders. Ich hatte dann noch mit Jule gesprochen, die mir Sicherheit gegeben hat, dass ich auch weiterhin abwarten kann.

Zum Glück hatten wir diesen Mut. Drei Tage später, an einem Sonntag, hatte ich mittags auf einmal ein ziehen im Unterleib. Es fühlte sich wie leichte Periodenschmerzen an. Ich habe mich dann ins Bett gelegt. Die Schmerzen blieben unverändert über mehrere Stunden. Ich habe immer wieder meine Temperatur kontrolliert. Gegen sechs Uhr abends hatte ich dann etwas über 38° Temperatur. Ich sagte meinem Freund, ich  würde nun noch ein wenig abwarten wollen, aber wenn die Temperatur weiter steigen würde, wollte ich doch ins Krankenhaus fahren. Fünf Minuten später musste ich auf Toilette und fand „Rudolpho“ dort auch wieder. Ich habe ihn bzw. aufgesammelt und in ein Glas gelegt. Die Idee war, einen Baum zu pflanzen und „Rudolpho“ darunter zu beerdigen. Danach sind wir erst einmal eine rauchen gegangen. Ich war glücklich das es nun geschafft war und wir eine natürlich kleine Fehlgeburt haben durften. Aber das sollte es noch nicht gewesen sein. Nachdem wir wieder in der Wohnung waren merkte ich, dass scheinbar noch mehr raus wollte. Klar, eine Plazenta gab es ja auch da schon. Ich stand breitbeinig unter der Dusche und bis zum nächsten Tagen habe ich immer wieder Blut und Gewebe verloren. Ich war sehr überrascht und irgendwann auch verunsichert. Ich hatte sogar noch einmal im Krankenhaus angerufen, weil ich so beunruhigt war, aber ich wollte, nach den vorherigen Erfahrungen nicht noch einmal dort hin. Auch hier hat Jule mir die Sicherheit gegeben, dass alles gut ist. Am Ende dauerte es dann nicht mehr lange und die Blutungen haben sich beruhigt. Am nächsten Tag hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin. Ich muss zugeben, die Nachwehen waren stärker als nach der ersten Geburt, ich war absolut schlapp, weil ich viel Blut verloren hatte und sie sagte mir, dass leider noch Gewebe in meinem Körper ist, dass bald rauskommen müsste. Zwei Tage später war auch das zum Glück so weit. Ich war erleichtert, als auch wirklich der letzte Rest Gewebe meinen Körper verlassen hat. Nun konnte ich wirklich Abschied nehmen. Jule war in diesen Tagen noch da aber ich habe gemerkt, dadurch, dass wir gemeinsam, aber auch mit vielen anderen Menschen unsere

Erfahrung, Gefühle und Gedanken geteilt haben, war der Verarbeitungsprozess so schnell, dass es sich innerlich für mich sehr ruhig aber auch rund angefühlt hat. Wir waren nie alleine.  Wir haben alles selbstbestimmt machen dürfen. Es gab keine Komplikationen und wir waren nie alleine mit unseren Fragen und Gedanken, sondern immer gut beraten.

So schwer die Erfahrung einer Fehlgeburt auch ist hat uns diese Zeit doch auch gutgetan. Wir haben noch einmal mehr die Erfahrung gemacht, dass wir gemeinsam auch gute Wege in schweren Zeiten finden können, dass wir uns auf unseren Partner, aber auch auf unser Gefühl verlassen können und, was am heilsamsten war, dass wir viele Menschen um uns herumhaben, die da sind und uns ein offenes Ohr schenken und wirklich zuhören, wenn es notwendig ist. Ich würde es heute genauso wieder machen und jedem, der ein gutes Gespür für seinen eigenen Körper hat, auch diese Erfahrung wünschen. Eine Fehlgeburt ist kein versagen, nichts, wofür man sich schämen sollte, sondern etwas, dass vielen Frauen/Familien passiert. Es sollte kein Tabu in unserer Gesellschaft sein, sondern etwas, dass von vielen getragen wird, damit wir als Frauen es gut verarbeiten und somit bereit für eine weitere Schwangerschaft sind. Ich persönlich freue mich darauf, bald wieder neues Leben unter meinem Herzen tragen zu dürfen. Wie die Zeit wird, dass wird sich zeigen, aber Angst, Sorgen und Befürchtungen habe ich keine.

Mademoiselle…

Eigentlich war ich ja ganz gut gewappnet, mich diesmal nicht verrückt machen zu lassen, wann das Kind endlich kommt: Ich hatte mich mit meinem Countdown bis 14 Tage ÜBER den ET ganz gut selbst verarscht und war sehr entspannt, dass ich schon merken werde, wenn es richtig losgeht. Da ich ein sehr gutes Körpergefühl habe, habe ich die ganze Schwangerschaft jedes Zwicken in meinem Körper gespürt. Senkwellen, Vorwellen, Übungswellen… alles habe ich intensiv wahrgenommen aber immer in die richtige Schublade gesteckt: Geburtsbeginn fühlt sich anders an!
Tag 0: In Woche 39+3 ging ich nachmittags spazieren und auf einmal wurde es richtig unangenehm zu laufen, der Bauch steinhart, der Druck nach unten stärker und die Wellen kamen häufiger. Aber ich war durch die Geburt vom Monsieur vor 20 Monaten vorgewarnt, damals hatte mein Körper drei Tage gebraucht um mit den Wellen so richtig in Schwung zu kommen. Also stellte ich mich darauf ein, dass das Baby in den nächsten 24-72h wohl kommen würde. 
Ich ging in den kommenden Tagen verdammt viel spazieren, hatte jeden Abend meine 10.000 Schritte voll. Das Baby war mittlerweile so tief gerutscht, dass ich meine Finger wieder unter den Rippenbogen graben konnte. Mal hatte ich regelmäßige Wellen aber nicht so intensiv. Mal waren sie intensiv aber unregelmäßig. Ich hörte die verschiedenste Hypnosen: Geburtsbeginn fördern, Geburtshypnose, Abschied von der Schwangerschaft. Zwischendurch tastete ich selber nach meinem Muttermund, der Gebärmutterhals war schon seit vielen Tagen ist komplett verstrichen und mit meinen laienhaften Kenntnissen nahm ich eine kleine Öffnung des Muttermundes war.
Tag 2: An 39+5 riefen wir meine Mutter an, mit der Bitte heute Nacht mit Monsieur im Nachbarzimmer zu schlafen, die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Nacht kommt, war hoch. Ich hatte den ganzen Tag über nonstop leichte aber regelmäßige Wellen gehabt. Wir bereiteten das Wohnzimmer für die Hausgeburt vor, bauten den den Pool auf, legten Malerplanen aus, räumten Möbel an die Seite… Ich legte mich früh ins Bett, weil ich es für sinnvoll hielt noch ein oder zwei Stündchen Schlaf zu sammeln, bevor ich dann von den Geburtswellen in der Nacht geweckt werden würde. 

Tag 3: Acht Stunden später wachten wir auf und das Baby war noch drinnen, die Wellen aber immer noch schön regelmäßig aber leicht da. Da wir einen baldigen Fortschritt erwarteten, nahm meine Mutter Monsieur mit zu sich nach Hause. Der Tag verging mit Spaziergängen und regelmäßigen aber nicht stärker werdenden Wellen. Abends gingen wir unter den gleichen Voraussetzungen wie am Vortag ins Bett… und schliefen schon wieder die Nacht durch. 
Tag 4: Der ET war erreicht und ich so langsam mit meinem Latein am Ende.
Bis hierhin hatte ich es noch mit Humor nehmen können, aber jetzt fing ich an so richtig an mir zu zweifeln. Ob ich mir das alles nur einbildete? Ob ich nun völlig mein Körpergefühl verloren hatte? Das schlechte Gewissen, den Monsieur mit seinen zarten 19 Monaten „wegorganisiert“ zu haben und unser ganzes Netzwerk aus Eltern, Schwiegereltern, Mutter von Madame (meine achtjährige Bonustochter) einzuspannen, ohne dass etwas passierte, ließ mich verzweifeln. Es war Montag und mein Mann musste wieder (im Homeoffice) arbeiten. Zwischendurch, wenn ich mal wieder bitterlich weinend in der Küche stand, kam er raus und tröstete mich. Wir beschlossen, den Kontrolltermin beim Gynäkologen und die geburtsfördernde Akupunktur im Geburtshaus abzuwarten, abends aber die Kinder wieder zu uns zu holen und dann erst wieder wegzuorganisieren, wenn das Kind schon halb da ist.
Jana, die mich anderthalb Jahre zuvor bei Monsieurs Geburt betreut hatte, machte mir Mut und bestätigte mich darin, dass mein Körpergefühl super war, dass ich mir nichts einbildete, dass mein Körper einfach nur extrem viel Zeit brauchte um in Schwung zu kommen. Die größte Erleichterung gab mir dann der Befund vom Arzt, der mir einen zweifingerbreit geöffneten Muttermund diagnostizierte. Die letzten 4 Tage waren also nicht umsonst gewesen, mein Körper bereitete die Geburt vor. Meine Zuversicht kam zurück. Dennoch holte mein Mann nachmittags noch den Monsieur zurück zu uns, meine Mutter kam zum Glück noch einmal eine Nacht mit und auch Madame kam wieder zu uns. Und so gingen wir alle recht erwartungsvoll ist Bett. Ich natürlich mit leichten Wellen, die hatte ich ja nonstop seit vier Tagen.

Tag 5: Morgens um 4 wachte ich auf und die Wellen wurden etwas intensiver und regelmäßiger. Tatsächlich forderte ich jetzt eine Wärmflasche im Rücken und leichte Massage von meinem Mann ein, um es mir angenehmer zu machen. Ich ging wieder in die Geburtshypnose, konnte die Wellen hervorragend und schmerzfrei veratmen und freute mich darauf, dass es nun so weitergehen würde. Aber es war noch so viel Zeit, dass mein Mann die Madame noch zur Schule bringen konnte. In der Zeit machte ich mit meiner Mutter einen Spaziergang. Schock: die Wellen hörten auf!!! Ich war ernsthaft am verzweifeln, fühlte mich extrem verarscht von meinem Körper und hatte so ein schlechtes Gewissen und eine Scham in mir, dass ich meine ganze Umgebung auf Trab hielt, ohne voranzukommen. Nun beschlossen wir aber doch bei der Rufbereitschaft im Geburtshaus anzurufen und die Einschätzung der Hebamme zu hören. Jule kam gegen 10, befand 3cm Öffnung und machte mir wieder Mut, dass alles vorbereitet sei und nur noch Wellen mit ordentlich Schmackes fehlten. Also machten mein Mann und ich den 27.345. Spaziergang der letzten fünf Tage: Wir brachten das Altglas weg. Das war auch beim Monsieur der letzte Spaziergang gewesen, bevor es richtig losging. Und, Gott sei Dank, es ging wieder los. Und sogar so intensiv, dass ich bei den Wellen stehen bleiben musste. Mittlerweile musste meine Mutter aber endgültig zur Arbeit und mein Schwiegervater übernahm den Monsieur. Ich zog mich zurück, döste in den nach wie vor langen Pausen zwischen den Wellen immer wieder weg, hörte die Hypnose und so vergingen einige Stunden. Ich tastete selber und konnte mittlerweile sehr deutlich das Köpfchen fühlen und darüber streichen. Es wurde immer intensiver und es fiel mir zunehmend schwerer die gelernte Atmung durchzuhalten. Ich fing an die Wellen zu ertönen und mein Mann musste mir in jeder Welle den Po und Rücken durchschütteln. 

Um 17 Uhr kam dann Jule erneut. Da auch Monsieurs Geburt am Ende dann sehr schnell ging, kam die zweite Hebamme Lisa und eine Auszubildende auch gleich mit. Endlich 5-6cm Öffnung! Für mich das Zeichen, dass ich jetzt in den Pool gehen konnte und dann vermutlich auch bis zum Ende drin bleiben konnte ohne dass mir kalt werden würde. Da ich den Hebammen in meinem Geburtsplan schon informiert hatte, dass ich gerne für mich sein möchte und sie nur eingreifen sollen, wenn sie das Gefühl hatten, ich renne in eine Sackgasse, machten sie es sich strickend neben mir gemütlich und ich wurde mir selbst überlassen. Durch ein kurzes Stöhnen signalisierte ich meinem Mann, dass die nächste Welle kam, hockte mich in den Vierfüßler und er begann sofort meinen Po durchzuwackeln. Es erleichterte mir die Wellen um mindestens 50%! Nach der Welle setzte ich mich wieder bequem hin oder legte meinen Kopf auf den Rand des Pools, ruhte mich kurz aus und da ich noch immer lange Pausen von ca fünf Minuten zwischen den Wellen hatte, konnte auch immer wieder entspannt mit den Hebammen reden.
Immer wieder tastete ich selber, auch während einer Welle, zwischen meinen Beinen. Irgendwann spürte ich das Köpfchen sofort in der Vagina und während einer Welle stülpte sich die Fruchtblase ganz prall aus mir heraus und zog sich dann aber wieder zurück.
Ich spürte, dass ich kurz vorm Pressdrang war, mein Mann wechselte für mich in die Hypnose zur Austreibungsphase und ich probierte einige Wellen auch aus zu pressen, aber es hatte einfach keinen Wums dahinter.
19.40 Uhr: Und dann kamen die wenigen Sekunden, die ich vermutlich nie in meinem Leben vergessen werde: Am Ende einer langen Welle (ohne Pressdrang) platze auf einmal die Fruchtblase, nächste Sekunde krasser Pressdrang, ich bäumte mich lautstark auf und dann war auch schon das Köpfchen da und sofort danach schwamm das Baby unter mir im Wasser. Ich war völlig überrascht und musste erst einige Male tief durchatmen, bis ich meine Tochter auf den Arm nehmen konnte. Kaum war ihr Kopf aus dem Wasser, schrie sie los. Auch die Hebammen waren etwas überrascht, sie saßen ja noch strickend auf dem Sofa, als das Baby ohne eine richtige Austrittsphase schon geboren war.

Ich versuchte es mir einigermaßen gemütlich zu machen, doch die Nabelschnur war recht kurz und mein Mann musste aufpassen, dass die Kleine nicht mit dem Mund unter Wasser rutschte. Die Erinnerung, dass ich bei Monsieurs Geburt keine Nachwellen hatte und die Plazenta erst mit viel Überredungskunst und nach insgesamt anderthalb Stunden geboren wurde, machte mir ein wenig Sorgen. Aber nach einigen Minuten kamen dann die ersten Wellen. Nachdem ich die gesamte Geburt jede Welle begrüßen konnte und mich über sie freute, da sie mich meinem Baby näher brachte, war ich nun ein jammerndes Häufchen Elend. Es tat weh, das erste Mal an diesem Tag definierte ich die Empfindungen meines Körpers als Schmerz. Ich saß unbequem, hielt mein Kind im Arm und konnte mich daher in der Welle nicht so bewegen, wie ich es vielleicht gebraucht hätte. Also quälte ich mich und jammerte, dass es aufhören soll. Mein Mann holte mir die Hypnose zur Plazentageburt und dann hatte ich es auch zum Glück bald geschafft. Die Nabelschnur war bereits auspulsiert und mein Mann schnitt die Nabelschnur durch. 
Nun war noch die zweite Hürde zu bewältigen: Bei Monsieurs Geburt war ich mehrfach ohnmächtig geworden, wenn ich versuchte zu stehen. Doch die wenigen Meter zum Bett schaffte ich diesmal zwar mit wackeligen Knien aber ohne Schwindel. Meine Tochter wurde mir wieder auf die Brust gelegt und wir zwei uns selbst überlassen. Mein Schwiegervater, der drei Stunden mit Monsieur spazieren gewesen war, ohne dass dieser eingeschlafen war, kam zurück. Also konnte der frischgebackene große Bruder noch einen ganz kurzen Blick auf seine 40 Minuten alte Schwester werfen, ehe mein Mann ihn im Nachbarzimmer schlafen legte.
Mademoiselle machte sich mit ungeheurer Kraft über meine Brustwarze her, ihre Erstuntersuchung verlief einwandfrei, ich musste nicht genäht werden, mein Kreislauf blieb stabil und tatsächlich konnten wir abends zu recht normaler Zeit ins Bett gehen, während mein Mann neben uns noch den Pool sauber machte. Morgens vor der Schule besuchte uns dann noch kur die Madame, die die Nacht bei ihrer Mutter geschlafen hatte und die Familie war vollständig.


Vincent Theodor

Das Beste kommt zum Schluss – Die Geburt unseres Sohnes Vincent Theodor

Nun möchte ich auch gerne über die Geburt unseres Sohnes Vincent Theodor berichten.

Nachdem ich meine gesamte Schwangerschaft als äußerst unangenehm und belastend empfand wurde ich am Ende mit einer sehr schönen Geburt belohnt. Alles verlief wie gewünscht und so, wie ich es mir annähernd erhoffte bzw. vorgestellt hatte.

Alles begann am Montag dem 20.02.2023 ganz unspektakulär. Ich sollte an diesem Tag nochmal zu einem Gespräch mit meiner Wochenbett Hebamme fahren und war entsprechend früh aufgestanden. Keine Anzeichen, dass unser großes Glück heute beginnen soll.

So frühstückte ich mit meinem Mann gemeinsam, der den Tag im Home Office startete.

Um 8.00 Uhr sollte ich in der Hebammenpraxis erscheinen. Ich machte mich fertig, ging nochmal flott zur Toilette und ganz unerwartet platze mir dort die Fruchtblase. Bis dato hatte ich minimale Unterleibschmerzen, die ich aber seit Tagen immer mal wieder hatte und gar nicht so ernst genommen hatte. Zunächst war ich mir bezüglich des Blasensprungs doch sehr unsicher. Aber sobald ich aufstand lief es fleißig weiter und es war relativ schnell klar, dass es nur die Fruchtblase sein konnte.

Ich bat meinen Mann mich zur Hebamme zu fahren. Noch hatte ich ja kaum Wehen. Mit kleiner Verspätung sind wir dann eingetroffen und meine Hebamme wollte zunächst in CTG schreiben. Ergebnis: 4 Wehen in ca 30 Minuten. Tja, das kann ja noch gut dauern. Ich empfand die Wehen allmählich schon intensiver.

Um 09.30 Uhr waren wir wieder Zuhause und die kurze Bewegung hatte doch schon einiges dazu beigetragen, dass die Wehen zunahmen. Meinen Mann schickte ich dann aber noch los um einige Besorgungen zu machen und rief entspannt im Geburtshaus an. Geplant war um 15.00/15.30 mal vorbei zu schauen, wie weit fortgeschritten die Geburt schon ist. Ich wusste ja noch nicht, dass es jetzt recht gut los geht.

Innerhalb der einen Stunde die mein Mann im Geschäft verbracht hatte, kamen meine Wehen schon alle 3-4 Minuten. Bewegen oder Baden waren für mich nicht mehr drin. Ich habe mich in eine bequeme Position auf den Boden begeben und versuchte die Wehen zu veratmen. Um ca 10.30 bat ich meinen Mann erneut im Geburtshaus anzurufen. Ich war mir zu unsicher, ob es nicht vielleicht doch bald schon zu ernst wird?

Die liebe Jule hatte an diesem Tag Dienst und fragte, ob wir in 1 oder in 2 Stunden vorbei kommen möchten. Da wir eine Fahrzeit von 30-40 Minuten hatten, bat ich um ein Treffen in 1 Stunde.

Also packten wir die letzen Sachen zusammen und machten uns auf den Weg. Von der Fahrt bekam ich schon gar nicht mehr viel mit, weil die Wehen gut kamen. Veratmen hat mir persönlich übrigens nicht geholfen…Um ca 12:15 waren wir im Geburtshaus angekommen.

Während ich noch einmal im Badezimmer verschwand besprachen mein Mann und Jule, dass ich gerne in die Badewanne gehen möchte. Nach der ersten Untersuchung war mein Muttermund erst bei 3 cm. Für mich ziemlich ernüchternd mit den ganzen Wehen.

In der Badewanne habe ich mich direkt wohl gefühlt und meine Wehen sind gefühlt noch häufiger und stärker geworden. Mein Mann und Jule waren nahezu die ganze Zeit bei mir und eine kurze Zeit später, war mein Muttermund schon bei 6 cm. Da sich mein Muttermund im vorderen Bereich nicht so schön öffnete wie an den anderen Stellen, sollte ich immer mal wieder probieren einige Wehen im Vierfüßler auszuhalten. Dies war für mich sehr unangenehm, obwohl ich mir vor der Geburt vorgenommen habe diese Position als erstes auszuprobieren.

An sonderlich viel kann ich mich dann auch gar nicht mehr erinnern, nur dass ich, als ich da so im Vierfüßler hockte gefragt hatte, ob ich nicht doch in ein Krankenhaus für eine PDA gebracht werden konnte. Jule sagte mir, dass es möglich sei, sie es aber sehr schade fänd. Innerlich wusste ich, dass ich sowieso nicht mehr aus dieser Badewanne steigen könnte. Abtrocknen, anziehen, Auto fahren und der ganze Quatsch?  Ich war für mich an dem Punkt angekommen, wo ich nicht einschätzen konnte, wie viel „Schmerz“ ich noch aushalten kann. Aber wie gesagt, ich wusste ich könnte es jetzt nicht mehr ändern. „Schmerzen“ schreibe ich bewusst mit „“ weil ich es nicht als Schmerzen bezeichnen würde. Auf eine gewisse Art und Weise waren es natürlich Schmerzen, aber nicht wie man es erwartet. Man kann es schlecht in Worte fassen…

Allmählich empfand ich auch einen gewissen Drang zu pressen, aber da der Muttermund nicht ganz verstrichen war, sollte ich mich noch etwas zurück nehmen. Inzwischen war auch die liebe Edith dazu gekommen. Gemeinsam mit Jule haben sie beschlossen mir ein Mittel geben zu wollen, damit der Muttermund besser verstreicht. Doch gerade als alles vorbereitet war, hatte sich mein Körper überlegt, dass wir dieses Mittel nicht mehr brauchen.

Endlich war der Moment gekommen in dem ich mitarbeiten durfte. Und ich empfand die Presswehen als so angenehm, gar nicht mehr so schmerzhaft. Da ich anfangs nicht wusste, wo ich so recht hinschieben sollte, halfen mir Jule und Edith. Nach mehrmaligen schieben war der kleine Mensch urplötzlich um 15.05 Uhr da. Da er minimale Startschwierigkeiten hatte, wurde er von Jule und Edith abgenabelt und direkt versorgt. Das war für mich in diesem Moment aber völlig in Ordnung, da ich sowieso noch gar nicht verstand, was da gerade überhaupt passiert ist. Außerdem war ich noch so beschäftigt mit den Nachwehen zum gebären der Plazenta. Als diese dann endlich abging, verstrichen auch alle Schmerzen und ich konnte unseren gesunden Sohn endlich halten und kennen lernen. Wir kuschelten uns zusammen ins Bett und konnten noch gar nicht fassen, dass es geschafft ist. Der kleine kam mit 53cm und 3800g Geburtsgewicht zur Welt.

Ich hatte keinerlei Geburtsverletzungen, was mich super glücklich machte. War das doch eine meiner größten Ängste. Wenige Minuten nach der Geburt war mir klar, dass ich es direkt wieder machen könnte.

Gefühlt dauerte die Geburt für mich nur 30 Minuten.

Es war genau die Geburt, die ich mir für uns gewünscht hatte. Ich wollte so gerne selbstbestimmt, mit wenigen Eingriffen im Wasser gebären und es hat alles so wundervoll funktioniert. Jule und Edith haben mir ein so tolles Gefühl der Sicherheit gegeben und mich in den Momenten, in denen ich kleine Hilfen brauchte, super angeleitet. Dankeschön ihr beiden!

Sollten wir nochmal ein weiteres Wunder erschaffen, würde ich es wieder genauso machen wollen.

Jule – eine Traumgeburt

Unsere Tochter kam am 10. August 2021 nach einer unkomplizierten Schwangerschaft in der SSW 37+2 ganz überraschend auf die Welt. Als ich nach einer ungewöhnlich unruhigen Nacht um 7 Uhr aufstand merkte ich sofort, wie meine Hose nass wurde. Ich stürzte ins Bad und überrumpelte meinen Mann, der gerade unter Dusche stand mit den Worten „Es geht los!“. Ich entdeckte auch den Schleimpfropf und fühlte dann doch kurz Panik in mir aufsteigen: die Geburt stand jetzt so bald bevor. Wir riefen im Geburtshaus an und Alex ging ans Telefon. Sie meinte wir sollten uns entspannen und den sowieso geplanten Vorsorgetermin bei Edith um 10 Uhr wahrnehmen. So frühstückten wir noch ein wenig und machten uns dann auf den Weg. Im GH angekommen rannte ich erstmal zur Toilette, weil ich immer wieder Fruchtwasser verlor. Zu diesem Zeitpunkt spürte ich höchstens ab und zu ein ganz, ganz leichtes Ziehen im Bauch, aber noch keine wirklichen Wellen. Da der Teststreifen, den Edith benutzte nicht positiv war, wirkte sie kurz etwas verwundert, meinte dann aber, wir könnten in Ruhe wieder nach Hause fahren und es wäre wahrscheinlich, dass es irgendwann in der Nacht soweit wäre. Um 11 Uhr waren wir wieder zuhause und es gab noch ein kleines zweites Frühstück. Schon auf der Rückfahrt merkte ich, wie ich immer deutlicher kleine Wellen spürte. Ich hatte mich mit der Methode „Die friedliche Geburt“ von Kristin Graf vorbereitet und machte es mir also mit meinen Kopfhörern und der Hypnose im Ohr im Bett bequem. Ich konnte mich gut entspannen und atmete während der Wellen tief in den Bauch, so wie ich es geübt hatte. Mein Mann kam regelmäßig herein, um die Abstände der Wellen zu messen, mir Wasser oder ein Körnerkissen für den Rücken zu bringen. Ich konnte sehr deutlich spüren, wie die Wellen immer stärker und regelmäßiger kamen und ich immer mehr den Drang verspürte sie auch etwas zu vertönen. Um 14:15 rief mein Mann wie vereinbart erneut im Geburtshaus an, da die Wellen jetzt sehr regelmäßig mit kurzen Abständen kamen. Alex meinte am Telefon, dass es bestimmt noch dauern würde, da ich es im Bett ja noch ganz gut aushielt, das würde eher noch für die Latenzphase sprechen. Kaum hatten sie das Gespräch beendet bekamen die Wellen plötzlich eine ganz andere Qualität. Ich musste aufstehen und verspürte einen starken Druck nach unten. Ich tönte jetzt bei jeder Welle mit und bat meinen Mann darum erneut anzurufen und darum zu bitten, dass wir kommen dürften. Ich hatte schon kurz Sorge, dass wir es nicht mehr schaffen würden und gleichzeitig die Angst, dass sich noch garnichts getan hatte. Alex bot uns also an zu kommen und jetzt hieß es die 3 Stockwerke runter und ins Auto zu kommen. Ich vertönte eine Wehe im Treppenhaus und eine ans Auto gelehnt, begleitet von den schockierten Blicken eines Radfahrers. Da wir zum Glück nur eine kurze Fahrt hatten schafften wir es gut ins GH und wie in Trance taperte ich auch direkt los zum Eingang um dort direkt die nächste Wehe zu veratmen. Um 15:20 Uhr untersuchte Alex mich und verkündete ganz erstaunt, dass der Muttermund schon komplett geöffnet war und ich in der Übergangsphase sei. Ich war so erleichtert und erstaunt! Der Drang mitzuschieben wurde unter den Wehen nun immer stärker und ich war selbst erstaunt, was für Töne ich von mir geben kann, aber es fühlte sich sehr kraftvoll an. Wir probierten dann eine Weile Positionen „an Land“, die mir unter den Wehen aber alle sehr schwer fielen weshalb ich darum bat in die Wanne zu dürfen. Um 16 Uhr konnte ich dann in die Geburtswanne, was ich als sehr angenehm und erleichternd empfand. Im Wasser fühlte ich mich viel beweglicher und leichter. Wir experimentierten auch dort eine Weile bis ich schließlich die perfekte Position gefunden hatte. Unserer kleinen Tochter ging es die ganze Zeit super. Ich schob mittlerweile kräftig mit und Alex leitete mich dabei super an. Überhaupt begleiteten sie und die Hebammenstudentin Franzi mich die ganze Zeit ganz wunderbar, versicherten mir, dass ich alles super mache und halfen mir dabei mitzuschieben, auch in den Schmerz hinein. Um 17:03 habe ich dann schließlich den Kopf geboren und die Kleine fing direkt an sich zu bewegen und versuchte den Kopf zu drehen, was doch ein sehr seltsames Gefühl war. Die nächste Welle ließ tatsächlich 5 Minuten auf sich warten und mit ihr wurde auch der Rest ihres Körpers geboren. Ich bekam sie auf die Brust und nach einem kurzen Moment schrie sie uns zum ersten Mal an und öffnete ihre Augen. Wir waren völlig überwältigt, erleichtert und froh. Und die Schmerzen waren wirklich von einer Sekunde auf die andere verschwunden. Nach dem Auspulsieren durchtrennte ich die Nabelschnur und mein Mann ging mit unserer Tochter und Marisa zur U1, während ich noch die Plazenta gebar und mich etwas abduschte. Dann konnten wir uns endlich alle zum Kuscheln in das schöne Bett legen und es gab eine extra große Pizza. Ich bekam Hilfe beim ersten Stillen, wurde von Marisa genäht und um 21:15 Uhr verließen wir das Geburtshaus mit unserer Tochter. Ich schaffte es zuhause dann tatsächlich noch zurück in den 3. Stock und da waren wir, plötzlich zu dritt und hatten alles noch garnicht so richtig realisiert.

Wir möchten uns von ganzem Herzen beim gesamten Team des Geburtshauses für alles bedanken: die netten Vorsorgetermine, bei denen wir alle Fragen loswerden konnten, die Betreuung von Alex, Franzi und Marisa unter der Geburt, die Hilfe und Unterstützung im Wochenbett von Jana, Lisa und vor allem Alex und den genau passend anstrengenden Rückbildungskurs von Johanna. Wir sind so dankbar, dass wir einen Platz bei euch bekommen haben und unser erstes Kind in einer so schönen, liebevollen Umgebung geboren werden konnte. Wir haben uns die ganze Zeit absolut sicher und gut aufgehoben gefühlt und hatten keinen Zweifel daran, dass ihr in jeder Situation richtig reagieren würdet. Eine solche Möglichkeit würden wir allen Frauen wünschen und wir ziehen unseren Hut vor eurer fordernden Arbeit, die ihr mit soviel Freude und Ruhe jeden Tag macht. Bleibt so wie ihr seid!

Alles Liebe, Judith & Tim mit Jule